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Kultur Brechen alle Rekorde – die Bangtan Boys
Nachrichten Kultur Brechen alle Rekorde – die Bangtan Boys
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12:16 18.10.2018
Geben bei ihren Choreographien alles: die „Bangtan Boys“. Quelle: picture alliance / Yonhap
Berlin

Sie haben Millionen von Fans auf der ganzen Welt. Viele färben sich die Haare wie die Musiker und lernen extra Koreanisch für ihre Idole. Sie brechen Rekorde in den sozialen Netzwerken und jüngst auch mit ihrem Musikvideo zu „Idol“, das in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung 45 Millionen Mal abgespielt wurde. Ihre Konzerte sind innerhalb von Minuten ausverkauft – wie auch die beiden in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin an diesem Dienstag und Mittwoch. Im Internet sollen Stehplatz-Tickets für bis zu 1000 Euro gehandelt worden sein. Woher kommt der Hype um die südkoreanische Band Bangtan Boys (kurz BTS)? Eine Analyse.

Weltbeste Choreografen im Team

Gekannt haben sich die sieben Jungs vorher nicht. Nicht alle zumindest. Gecastet wurden sie vom Label Big Hit Entertainment in den Jahren 2010 und 2011. Bis zur finalen Kadervorstellung zwei Jahre später wurde noch das ein oder andere Bandmitglied ausgetauscht. Die südkoreanische Unterhaltungsfirma trägt nicht umsonst den Hitgaranten im Namen. Nur das „Rap-Monster“ Kim Nam Joon, kurz RM genannt, und Suga, der eigentlich Min Yoon Gi heißt, kannten sich schon vorher aus der Underground-Rapper-Szene. Jimin (Park Ji Min) lernte V (Kim Tae Hyung) auf der Kunsthochschule in Seoul kennen. Einen künstlerischen Hintergrund haben sie alle. Das merkt man ihrer Musik auch an. Sie mischen in ihrem K-Pop-Kosmos verschiedenste Genres – von Hip-Hop über Rock bis hin zu Pop-Balladen – und liefern dabei eine Choreografie, die für eine siebenköpfige Band an eine fast unmögliche Perfektion grenzt und zu den kreativsten und herausforderndsten im Genre zählt. Dafür arbeiten BTS mit einigen der besten Tanzkünstler der Welt zusammen. Darunter auch das Paar Keone und Mari Madrid, die mit ihrer Choreografie bereits im „Love Yourself“-Video von Justin Bieber für Furore gesorgt haben. Aber ist das allein das Geheimnis ihres Erfolgs – schräg-coole und bis ins Detail durchgestylte und promotete Auftritte und Videos?

Die „Army“ der Bangtan Boys

Das ist nur ein Aspekt. Vielmehr lässt sich das BTS-Phänomen mit ihrer „Army“ erklären, ein Zusammenschluss von Millionen von Fans weltweit, die von der Band vor allem über die sozialen Netzwerke massiv bedient werden. A.R.M.Y. steht dabei für „Adorable Representative M.C for Youth”, zu Deutsch etwa „bezaubernde Vertreter der Jugend“. Die von der Gruppe forcierte Bedeutung dahinter ist allerdings so militärisch, wie die Kurzform es bereits vermuten lässt: Der Körperschutz („body armor“) und das Militär („military“) gehören immer zusammen – so wie die Band und ihre Fans.

Dieses Credo wurde bereits vor dem Durchbruch von der Band gelebt. Ein halbes Jahr vor Start der Debütsingle „No More Dream“ (2013) interagierten RM, Suga und Co. bereits mit ihren Fans auf den sozialen Kanälen. Dass sich diese frühzeitige und enge Fan-Bindung bezahlt gemacht hat, lässt sich an diesen Zahlen eindrucksvoll messen: Über zwölf Millionen Abonennenten hat die Band auf Youtube. Über 16 Millionen Follower auf Twitter, über 13 Millionen auf Instagram, über sieben auf Facebook. Von der „New York Times“ wurden die sieben Jungs im Juni 2017 zu den 25 einflussreichsten Personen im Internet gerechnet. Noch im selben Jahr erzielten sie mit 502 Millionen Tweets und Retweets über die Band die meisten Twitter-Engagements und stürzten sogar US-Präsident Donald Trump und Klatschspalten-Dauergast Justin Bieber vom Twitter-Thron. Allein über eine Million Likes und Retweets erzielten sie mit diesem Tweet:

Twitter freut sich indes über die BTS-„Army“ so sehr, dass die Plattform der Band längst ihr eigenes Emoji gewidmet hat – eine schusssichere Weste, auf der BTS steht. Selbst Hollywoodstars greifen das Emoji auf – allerdings in der Annahme der eigentlichen Bedeutung der drei Buchstaben, die ursprünglich für „behind the scenes“ stehen.

Screenshot Mashable.com Quelle: Justin Timberlake Tweet

BTS wissen aber nicht nur ihre Fans mit lustigen Posts aus dem Band-Alltag bei der Stange zu halten. Ihre Liedtexte wenden sich ebenfalls oft an die sogenannte „Army“ und vermitteln Botschaften wie stark sein, weiterkämpfen, sich selbst lieben und positiv bleiben.

„Revolutionäre der koreanischsprachigen Popmusik“

Eine weitere von den Fans geschätzte und die wohl in der Branche interessanteste Besonderheit der Gruppe ist aber, dass alle Bandmitglieder aktiv am Komponieren ihrer Songs beteiligt sind. Das kommt in der K-Pop-Industrie nicht häufig vor. BTS schreiben nicht nur über Träume und Ziele der Jugend, sondern sprechen mit ihren Texten auch politische und gesellschaftliche Probleme wie zum Beispiel das „Sewol“-Unglück an. Über das Drama des 2014 im Gelben Meer gekenterten Fährschiffes mit seinen Hunderten Toten und Vermissten spricht man in Südkorea ungern. Nicht so BTS. In ihrem Musikvideo Spring Day greifen sie das Thema auf und werden dafür als „Revolutionäre der koreanischsprachigen Popmusik“ gefeiert.

Fazit: Dass die Bangtan Boys eine gecastete Boyband sind, das verrät natürlich schon der Name. Dass hinter jeder Boyband eine beeindruckende Marketing-Maschinerie steht, weiß man spätestens seit Take That und den Backstreet Boys. Doch BTS sind mehr als das. Der Hype um sie ist ein Mix aus fulminanter Fanbase, progressiver Performance und nachhaltiger Netzstärke.

Von Amina Linke / RND

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