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Brecht-Erbin Barbara Brecht-Schall gestorben

Theater Brecht-Erbin Barbara Brecht-Schall gestorben

Sie war nicht beliebt in der Theaterwelt. Es gab viele gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen ihr und den Befürwortern des modernen Regietheaters. Als Alleinerbin trug sie stets den Sieg davon. Bertolt-Brecht-Stücke durften nicht gespielt werden, wenn sie zeitgemäß verfremdet wurden. Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, nennt aber auch positive Eigenschaften.

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Sie war die Hüterin des Erbes: Barbara Brecht-Schall.

Quelle: foto: dpa

Buckow. 70 Jahre nach dem Tod eines Autors erlischt in Deutschland das Urheberrecht. Barbara Brecht-Schall, die Tochter des Dramatikers Bertolt Brecht und der Schauspielerin Helene Weigel, ist am Montag, 69 Jahre nach dem Tod ihres Vaters, gestorben. So muss sie nicht mehr erleben, dass Stücke wie die „Dreigroschenoper“ oder „Der kaukasische Kreidekreis“ aufgeführt werden, ohne dass sie daran einen Cent verdient und ohne dass sie gegen die Aufführung klagen kann.

Barbara Brecht-Schall, die 84 Jahre alt wurde, hat so manche Brecht-Aufführung in den letzten Jahrzehnten erfolgreich verhindert. Sie hat dafür gesorgt, dass die Brecht-Rezeption erstarrte. Ihr letzter Bannstrahl galt dem „Baal“ in der Regie von Frank Castorf am Münchner Residenztheater. Wegen „Eingriffen in den Originaltext“ mussten die Vorstellungen unterbleiben. Einen Kompromiss ließ sie sich aber abringen: Der „Baal“ durfte noch ein letztes Mal am 17. Mai 2015 in Berlin zum Theatertreffen aufgeführt werden, nachdem eine Jury die Inszenierung ausgezeichnet hatte. Eine zynische Initiative versteigerte vor dem Haus der Berliner Festspiele eine Karte für 135 Euro und versprach, den Erlös den „armen Brecht-Erben“ zu überweisen. Ins Parkett traute sich sogar die Brecht-Enkelin Johanna Schall, die in der Theaterwelt als Regisseurin bekannt ist. Ihr wird nachgesagt, dass sie den orthodoxen Umgang ihrer Mutter mit dem Brecht-Erbe recht kritisch gesehen hat, aber machtlos gewesen sei.

Barbara Brecht-Schall gehörte lange dem Berliner Ensemble an. Sie war mit dem Schauspieler Ekkehard Schall (1930– 2005) verheiratet, der von ihrem Vater 1952 persönlich aus der ostdeutschen Provinz als Darsteller an das berühmte Theater am Schiffbauerdamm geholt worden war und über die Jahrzehnte zum Brecht-Schauspieler schlechthin wurde.

Ekkehard Schall spielte sich durch das ganze Brecht-Repertoire. Mehr als 60 Rollen verkörperte er an allein am Berliner Ensemble. Privat lebte er mit Brecht-Tochter Barbara unter anderem im brandenburgischen Buckow (Märkisch-Oderland). Eine hohe Hecke trennte ihre Villa von dem benachbarten Brecht-Haus am Schermützelsee. Zwei Töchter entstammen der Ehe: Besagte Johanna Schall und die Kostümbildnerin Jenny Schall. Die beiden übernehmen nach Auskunft des Suhrkamp-Verlags nun den Vorsitz der Erben-GmbH und damit die Verwaltung des Dramatiker-Nachlasses.

Mit Bestürzung und Trauer reagierte das Berliner Ensemble auf den Tod von Barbara Brecht-Schall. „Als Wahrerin und Hüterin des Erbes ihres Vaters war Barbara Brecht-Schall eine konsequente und mutige, oft schwierige Verhandlungspartnerin“, erklärte Claus Peymann, der heute Direktor des Theaters am Schiffbauerdamm, dem Berliner Ensemble, ist. „Ihre Härte und Unerbittlichkeit, aber auch ihr Herz waren berühmt-berüchtigt“, sagte Peymann. „Barbara Brecht-Schall schützte und verteidigte – eine wahre „Jeanne d’Arc des Theaters“ – das Werk ihres Vaters, eines der bedeutendsten Dramatiker der Moderne.“ Und Peymann ergänzte: „Auch ihre Backkunst werden wir übrigens vermissen. Die Direktion freute sich Jahr für Jahr auf den selbstgebackenen Weihnachtsstollen von Barbara Brecht-Schall.“

Von Karim Saab

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