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17:19 11.07.2016
Leutnant Friedrich Clauson von Kaas. Quelle: Archiv
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Potsdam

„Heute wurde ich zur Avantgarde geschickt“, schreibt der junge Leutnant Friedrich Clauson von Kaas am 16. August 1870 an seine Eltern. „Natürlich auf Diane, die munter ist, tüchtig frisst und läuft.“ Die Kavallerie, so schreibt der erst 22-Jährige weiter, „ist vorn tüchtig thätig“. Über den Feind, die Französen schüttelt der junge Mann nur den Kopf. „Die Menschen sind eben auch zu dumm“, meint er über die Leute in Bemécourt, das weit im Osten Frankreichs und noch ziemlich am Anfang seines Feldzugs liegt. Ein Teil sei weggelaufen und hätte die Häuser mit allem Drum und Dran ihrem Schicksal überlassen. Die, die zu Hause geblieben seien, versteckten alles, was auch wieder ziemlich dumm sei, denn „der Soldat wird natürlich um so gieriger, je länger er suchen muss“.

Ein Glücksfall, dass so viele Dokumente erhalten waren

Einmalige Einblicke in das Denken und Wahrnehmen einfacher Soldaten liefern die Historiker Thorsten Loch und Markus Wette mit der Veröffentlichung von 166 Briefen aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. „Friedrich Clauson von Kaas – Potsdam ist geschlagen“ heißt die am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr entstandene und im Rombach Verlag erschienene Edition.

Faksimile eines Briefes von der Front. Quelle: ARCHIV

Das Buch ist ein mehrfacher Glücksfall. Nicht nur ist es ein großer Zufall, dass die Ko-Recherche von Markus Vette auf die Spuren der Familie Clauson von Kaas führte, es ist auch keine Selbstverständlichkeit, dass so viele Briefe nebst anderen Dokumenten wie etwa Familienfotografien des jungen Leutnants erhalten geblieben sind. Damit ist es möglich, den Verlauf des ganzen, geschichtlich so bedeutenden deutsch-französischen Krieges von der Mobilmachung bis zur Heimkehr aus den Augen eines damals Beteiligten zu erleben. Das Buch illustriert damit nicht nur hervorragend die Mentalität des preußischen Adels, es ist auch ein einmaliges Dokument deutscher Befindlichkeiten im späten 19. Jahrhundert.

Auch eine Spur Rassismus klingt an

Neid auf die so wohlhabenden wie zivilisatorisch fortgeschrittenen Franzosen ist für Friedrich Clauson von Kaas ebenso selbstverständlich wie die Verachtung ihrer angeblichen Verweichlichung. Auch eine Spur von Rassismus gegenüber den Bewohnern der französischen Kolonien klingt an. Dies alles haben die Autoren mit einer sehr sorgfältigen Einordnung in die Zeitumstände und einerbeeindruckenden Dokumentensammlung versehen. Das Buch ist ein schlagender Beleg dafür, dass das Zentrum keineswegs nur eine Nachfrage der Bundeswehr bedient, sondern jedem geschichtlich Interessierten spannend aufbereitetes und in dieser Form völlig unerwartetes Material liefert.

Info: Friedrich Clauson von Kaas: Potsdam ist geschlagen. Herausgegeben von Thorsten Loch und Markus Vette, Rombach Verlag 2015, 259 Seiten, 34 Euro.

Von Rüdiger Braun

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