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Britischer Geheimdienst überwachte Doris Lessing

Literatur Britischer Geheimdienst überwachte Doris Lessing

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich die britischen Geheimdienste größte Sorgen um angebliche und tatsächliche Kommunisten im Land. Wer als links galt, wurde streng überwacht - auch die spätere Nobelpreisträgerin Doris Lessing.

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Doris Lessing wurde ausspioniert. Foto: Richard Lewis

London. Der britische Geheimdienst hat mehr als 20 Jahren lang die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing ausspioniert. Agenten des MI5 hörten zwischen 1943 und 1964 das Telefon der britischen Schriftstellerin ("Das goldene Notizbuch") ab, überwachten ihren Briefverkehr und verfolgten ihre Reisen.

In bisher geheimen Akten, die das Nationalarchiv in London am Freitag veröffentlichte, heißt es, Lessings Sympathien für den Kommunismus grenzten an "Fanatismus", und sie sei "unverantwortlich in ihren Äußerungen". Lessing starb 2013 im Alter von 94 Jahren.

Die Autorin, die 2007 den Nobelpreis für Literatur erhielt, wurde sowohl in ihrer früheren Heimat Afrika als auch in Großbritannien überwacht. Lessing war Mitglied der britischen Kommunisten, bis sie 1956 enttäuscht die Partei verließ, nachdem die Sowjetunion den ungarischen Volksaufstand niedergeschlagen hatte. Später habe sie gesagt, sie könne nicht verstehen, warum sie so leichtgläubig gewesen sei, zitierte die Nachrichtenagentur PA den Historiker Christopher Andrew, den früheren offiziellen Historiker des MI5.

Lessing kam 1919 als Doris May Taylor im Iran zur Welt und wuchs im britischen Südrhodesien auf, dem heutigen Simbabwe. Verärgert über die rassistische Gesellschaft dort schloss sie sich einer kommunistischen Gruppe an. "Der generelle Tonfall dieses Clubs wird als sehr links beschrieben, und es wird gesagt, dass die meisten Diskussionsthemen dort auf anti-britisches, anti-kapitalistisches und anti-imperialistisches Geschwafel herauslaufen", heißt es in einem Brief, der in den Akten enthalten ist. "Koloniale Ausbeutung ist ihr Lieblingsthema", steht an anderer Stelle.

In zweiter Ehe war Lessing mit dem deutschen Exil-Kommunisten Gottfried Lessing verheiratet. 1949 zog sie nach London; Scotland Yard führte Buch darüber, welche Freunde aus linken Kreisen aus aller Welt bei ihr ein und aus gingen. Das britische Nationalarchiv veröffentlichte Lessings Akten zusammen mit anderen über Personen, die man für sowjetische Agenten, Sympathisanten der Kommunisten oder auch radikale Rechte hielt.

dpa

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