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Brudermord auf Potsdams Bühne

Potsdamer Winteroper Brudermord auf Potsdams Bühne

Der erste Mord der Menschheit: Alessandro Scarlattis „Cain und Abel“ hat am Freitag bei der Potsdamer Winteroper Premiere gefeiert. Die Friedenskirche war ausverkauft. Der Höhepunkt: ein Brudermord. Zwischen virtuosen Solo-Einwürfen und einem temperamentvollen Orchester unter Leitung von Bernhard Forck verliert man dabei völlig das Zeitgefühl.

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In der Potsdamer Friedenskirche wird Alessandro Scarlattis „Cain und Abel“ aufgeführt.

Quelle: Stefan Gloede

Potsdam. Die Bibel erzählt von der Ur-Familie: Anfangs waren Adam und Eva sowie ihre Söhne Kain und Abel allein auf der Welt. Bekanntlich brachte dann der Bauer Kain seinen Bruder, den Hirten Abel, aus Missgunst und die Ecke.

1706 vertonte der italienische Komponist Antonio Scarlatti diese Geschichte des Alten Testaments. Sein Oratorium „Cain und Abel“ ist so brodeln dramatisch, dass es sich bestens in Szene setzen lässt. So geschehen bei der Potsdamer Winteroper: FreitagBruder hatte „Cain und Abel“ unter der Regie von Andrea Moses Premiere.

Höhepunkt des Stückes ist der Brudermord, der auf offener Bühne stattfindet und von hartnäckigen Orchesterschlägen begleitet wird. In der Friedenskirche-Sanssouci spielt die Kammerakademie Potsdam ebenso leidenschaftlich wie nuancenreich. Geleitet wird sie von dem Konzertmeister Bernhard Forck, der sogleich die Introduktion mit virtuosen Solo-Einwürfen garniert.

Das temperamentvolle Orchester hat einen wichtigen Anteil daran, dass die knapp zweistündige Aufführung wie im Fluge vergeht. Dominiert wird das Ensemble von immerhin elf Geigen; Oboen und Fagott setzen Farbakzente. Eindringlich sind die Stimmungen gezeichnet. Während Kains Wutanfällen überschlagen sich die Läufe geradezu; geschärfte Dissonanzen zeigen die Reue des Mörders an. Die elterliche Trauer malen tiefe Streicher mit dickflüssig tropfenden Tönen.

 

Quelle: © Stefan Gloede All rights reserved

Andrea Moses erweist sich als Meisterin der Personenregie. Ihre prächtigen Sängerdarsteller offenbaren das Psychogramm einer Familie: Abel ist das goldgelockte Nesthäkchen, während die Verdienste des erstgeborenen Kain nicht weiter gewürdigt werden. Bei den Eltern geht es eher hippiemäßig zu. Im Adamskostüm – nackt mit einem Blättchen vor der Körpermitte – gehen die beiden ihren erotischen Spielchen nach.

Im dunkel-wollüstigen Mezzo der Eva (Talia Or) ahnt man noch die Koketterie der Paradiesapfel-Verführerin. Adam (mit geschmeidigem Tenor: Fernando Guimarães) ist ein treuherziger, ahnungsloser Familienvater.

Der Gegensatz zwischen den Söhnen, die hier weiblich besetzt sind, wird extrem zugespitzt. Die weiß gekleidete Marie Smolka leiht dem Abel ihren engelgleich reinen Sopran. Bettina Ranch gestaltet die Partie des braungrau umhüllten Kain mit profunder Tiefe und wütend grummelnden Koloraturen.

 

Quelle: Stefan Gloede All rights reserved

Himmel und Hölle mischen sich persönlich ins Geschehen ein. Neal Davies gibt den Luzifer als schwarzes Zottelmonster mit einem dämonisch durchdringenden Bass. Als Stimme Gottes wirkt Benno Schachtners Countertenor ein wenig flach. Und warum starrt Gott der Eva so lüstern auf den Hintern?

Am Ende verwandeln sich Adam und Eva in ein biederes christliches Ehepaar – in Stehkragen-Anzug und züchtig hochgeschlossenen Kleid. Vor dem Altar wird der Bund der Ehe geschlossen. Ein Ausblick, was aus den Nachkommen der Paradiesbewohner geworden ist.

Aufführungen: 21., 26., 27. und 28. November, 19 Uhr. Friedenskirche Sanssouci Potsdam. Karten unter 0331/98118.

Von Antje Rößler

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