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12:30 14.02.2013

Fredi Rohsmeisl? Hatte es ihn gegeben, lebte er vielleicht noch in Buckow?

Von zwei Buckower Traktoristen, die im Schnee ihre noch aus DDR-Zeiten stammenden Trecker rattern ließen, war zu erfahren, dass Fredi 2010 gestorben war. Auf dem katholischen Friedhof gab es nur das Grab von Fredis Bruder Erich, Fredis Urnengrab auf dem evangelischen Friedhof war namenlos und verriet nichts von Fredis Schicksal in der DDR.

Bei Wolf Biermann waren es wahrscheinlich die Buckower Elegien Bertolt Brechts, die ihn 1962 nach Buckow reisen ließen. Er mietete sich bei einer Zimmerwirtin ein und lernte in einer Kneipe Fredi Rohsmeisl kennen, der ihm seine Geschichte erzählte. Wie er mit seinem Bruder Helmut auf einer Tanzveranstaltung der FDJ den Boogie verbotenerweise auseinander tanzte und es zum Streit kam. Trotz Fredis Warnung, dass er Boxer sei, griff ihn ein Polizist in Zivil an, Fredi schlug zurück, zu gut. Das Überfallkommando kam, verprügelte Fredi und nahm ihn mit. Zwölf Wochen saß er in Untersuchungshaft. Nur weil vor Gericht angesehene Leute für Fredi aussagten, kam er mit Bewährung davon. Wolf Biermann schrieb darüber die Ballade vom Drainage-Leger Fredi Rohsmeisl aus Buckow, die bis zu seinem Verbot 1965 eines von den Liedern war, das bei Auftritten in Kulturhäusern die Nullmarke zwischen gerade noch erlaubt und schon verboten markierte.

Doch wer war dieser Fredi Rohsmeisl? Die Familie stammte aus Kaden im Egerland, dem tschechischen Kadan. Vater Josef war Werkzeugmacher und Messerschmied. Vor 1930 hatte er im Lotto gewonnen und war mit seiner ersten Frau nach Brasilien ausgereist, hatte bei Rio de Janeiro eine Farm gekauft, war gescheitert und zurückgekehrt. Seine Frau hatte genug von Rohsmeisls Abenteuern und verließ ihn. Er heiratete Anna, die ihm drei Söhne gebar: Erich 1933, Alfred 1938 und Helmut 1942. Als Messer- und Waffenschmied arbeitete Josef in der Rüstung und musste nicht an die Front. Nach dem Krieg wurden die Sudetendeutschen vertrieben, die Familie siedelte sich in Buckow an. Den drei Brüdern brannte sich die Übersiedlung ins Gedächtnis.

Als Biermann nach Buckow kam, lebte Fredi mit seiner auffallend schönen Frau Brunhilde in einem Haus am Fischerberg, fast schon im Wald gelegen. Fredi war Autoschlosser, arbeitete aber damals in der Melioration. Er hatte im staatlichen Boxklub Rehfelde trainiert und später mit Freunden den Tauchklub Buckow gegründet. Außerdem war er begeistert von Hunden und in einem Hundesportverein. Er war so sportlich, dass er im Handstand einen Berg hochlaufen konnte, berichten seine Freunde. Weil Fredi gern einen übern Durst trank, verließ ihn Brunhilde und heiratete einen Tschechen, mit dem sie Mitte der 60er Jahre in den Westen floh. Fredi hatte Pech mit Frauen. Seine zweite Ehe hielt nur ein halbes Jahr und seine dritte Frau Heidi wurde 1977 in Berlin von einem Verrückten ermordet.

Fredi, der immer wieder mal „Scheiße baute“, besaß nur einen PM 12, einen Ausweisersatz, mit dem man nicht reisen durfte. Weil er gelegentlich trank und die Arbeit schwänzte, drohte ihm wegen asozialen Verhaltens und wegen Verletzung der Bewährungsauflagen die Inhaftierung. Da versuchte er mit dem Ausweis seines Freundes Franz über die Tschechoslowakei abzuhauen. Er wurde bereits im Zug verhaftet und zu 24 Monaten Haft wegen Republikflucht verurteilt. Als er rauskam, soll er es erneut versucht und noch einmal zwei Jahre gesessen haben. Seinem Sohn ging es gut in der Familie des älteren Bruders, trotzdem wird er unter dem Mutterverlust und Vaterdefizit gelitten haben. Aber auch für Fredi wird es bitter gewesen sein, seinen Sohn nicht bei sich aufwachsen zu sehen.

Als er aus dem Knast kam, hatte er genug vom Arbeiter- und Bauernstaat – und Grund zum Trinken. Täglich betäubte er sich mit zwei Flaschen Klarem. Erst als sein Körper streikte, das war 15 Jahre vor seinem Tod, also 1995, hörte er schlagartig auf mit dem Alkohol. Bei einer Hüftoperation wurde ein Tumor entdeckt, es folgten Bestrahlungen. Danach konnte er nur noch am Stock gehen. 2010 erlag er einem Gehirntumor.

Und nun sitzen seine Freunde bei Evi im Mini-Grill und erinnern sich an ihn, Evi mit Tränen in den Augen. Was war an ihm Besonderes? Er war ein aufrichtiger Kumpel, kein Anpasser, kein Schleimer, die DDR, der er ausgeliefert war, war ihm verhasst! Die Stasi hatte bei ihm keine Chance! Dass der Staatsfeind Wolf Biermann ihm und seiner bitteren Geschichte ein Lied widmete, hatte ihn bis an sein Lebensende gefreut! Heute ist das Lied in vielen Schulen Lernstoff und Beispiel für eine Diktatur, in der für aufrichtige Menschen wie Fredi Rohsmeisl kein Platz war. Die Stadt Buckow sollte an Fredis Grab ein Minimemorial mit Biermanns Ballade errichten. Das wäre neben dem Brechthaus ein weiterer Grund, Buckow zu besuchen. (Von Ekkehard Maaß)

Peter Tschmuck ist Professor für Kulturwirtschaft an der Universität Wien. Mit ihm sprach Stephan Henke über Streaming.Peter Tschmuck: Das waren gleich mehrere Alben von Herrman Leopoldi.

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