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Kultur „Der fröhliche Weinberg“ am Wannsee
Nachrichten Kultur „Der fröhliche Weinberg“ am Wannsee
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00:18 11.09.2018
Walter Plathe (r.) als jovialer Weinbergsbesitzer Gunderloch. Quelle: Kay Sievers
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Berlin

Opulentes Volkstheater an einem grandiosen Ort war an diesem Wochenende am Berliner Wannsee zu erleben. Das Literarische Colloquium (LCB) gegenüber vom Bahnhof Wannsee verwandelt für die Aufführung „Der fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer sein idyllisches Seegrundstück in ein rheinhessisches Anwesen mit Ausschank und allem, was dazugehört. Auf dem Hang sitzen die Gäste wie auf einer Kirmes unter freiem Himmel und schauen runter zum Ufer, wo ein Boot liegt, auf dem sich Klärchen, die Tochter des Weingutsbesitzers Gunderloch, rekelt. Sie soll verlobt werden und Gunderloch, der von Walter Plathe gespielt wird, möchte seinen Weinberg meistbietend versteigern.

Turbulenzen umschwirren die Zuschauer, auch neben ihnen und hinter ihnen wird kraftvolles Boulevardtheater gespielt. Und vom Balkon der Villa oben befeuern eine Blaskapelle und ein Chor die facettenreiche Handlung. Das Stück war in den Zwanziger Jahren überaus populär und so ziemlich alle fühlten sich angegriffen: die Kirche, die Linksradikalen, die deutschen Nationalisten und die Juden. Die Autorin Monika Rinck hat das gesellschaftliche Kaleidoskop aktuell aufgefrischt, so dass auch eine ganze Schar syrischer Flüchtlinge mitwirkt. „Es kann doch nicht so weitergehen, jetzt saufen schon die Moslems!“, heißt es einmal. Zwischendurch werden Sauf- und Weinlieder gesungen und Tabubrüche und frivole Szenen zelebriert. Zwei Juden werden als schwules Pärchen karikiert, der eine spricht jiddisch, der andere sächsisch. „Das is doch gar nisch dör Rhein, das is der Urt der Konferenz“, stellt Letzterer mit Blick auf den Wannsee fest, der langsam im Dunkel der Nacht verschwindet. Überhaupt dürfen die Schauspieler in diese Kakophonie der deutschen Heimattümeleien so ziemlich alle Dialekte einbringen.

Das LCB hat hier als Veranstalter einen gigantischen Kraftakt gewagt und weder Kosten noch Mühen gescheut. Mehrere Chöre wirken bei diesem Riesenspektakel mit, so die Sing-Akademie zu Berlin, der Männerchor des Staats- und Domchors Berlin, ein Nachbarschaftsensemble aus Moabit und ein arabisches Lautenorchester. Und die Schauspieler der ehemaligen Castorf-Volksbühne mit ihrer ultimativen Spiellust trotzen tapfer allen Widrigkeiten, die sich durch aufkommende Windböen oder technische Pannen ergeben. Grandiosse Szenen liefern Maximilian Brauer und Margarita Breitkreiz. Und wie Walter Plathe das närrische, feuchtfröhliche Treiben als Weinbergsbesitzer Gunderloch immer kraftvoll erdet, das bleibt in guter Erinnerung.

Aufführungen: 8. und 9. September, 18 Uhr, Weinprobe: 17 Uhr. Einführung: 17.45 Uhr. Tickets gibt es für 15 Euro online unter lcb.de oder an der Abendkasse.

Von Karim Saab

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