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Kultur Carla Bruni und ihr Hauch von Verwegenheit
Nachrichten Kultur Carla Bruni und ihr Hauch von Verwegenheit
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11:32 17.03.2018
Carla Bruni am Freitag in Berlin. Quelle: POP-EYE
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Berlin

Dass sie in Schwarz kommt, ist die geringste Überraschung dieses Abends, denn alle Damen in den wirklich großen Städten (Paris, New York) schwören auf diese Garderobe. Weil eine interessante Frau am Ende eben auch ein bisschen böse ist, und diese Dunkelheit mit einem mädchenhaften Lächeln übermalt. In diesem Sinne war der Freitag der perfekte Abend für Carla Bruni, die alles unternimmt, ihr Geheimnis nicht zu lüften, diese Tarnung aber sehr charmant verpackt.

Konzertsaal der Uni wird zum Jazzclub

Sie singt im Konzertsaal der Berliner Universität der Künste, tatsächlich hat die Halle das Flair einer Vorlesung – bis Bruni um 20.10 Uhr auf die Bühne steigt und diese architektonische Einfalt mit einem schlangenhaften Hüftschwung entschärft. Sie zaubert einen Jazzclub, es ist nicht klar, wie das gelingt. Doch echte Diven haben immer ein Ass im Ärmel, keiner möchte wissen, wie, warum, weshalb. Klavier, Cello und Gitarre begleiten sie in ihrer kleinen Band.

Französisches Lebensgefühl, gesungen auf Englisch

Die erste halbe Stunde gehört den Coversongs des letzten Albums „French Touch“ von 2017, wobei der Titel in die Irre führt, weil sie nicht französisch singt, sondern auf Englisch. Sie meint das französische Lebensgefühl, das die Dinge nicht beim Namen nennt, sondern sie haucht. Das nichts verspricht, sondern andeutet. Das oft das Gegenteil von dem begehrt, was es behauptet. Ein Satz wie „Don’t Kiss Me“ könnte also haargenau bedeuten: Küss mich unbedingt! Kein Wunder, dass sich Carla Bruni, kein Kind von Traurigkeit und Gattin des vormaligen französischen Präsidenten Sarkozy, eben dieses „Please Don’t Kiss Me“ aussucht, ein Stück aus dem Film „The Lady From Shanghai“, in dem es Rita Hayworth unsterblich machte.

90 Minuten Glamour

Carla Bruni wird sich an diesem Abend, der gute 90 Minuten dauert, zweimal umziehen. Ihr schwarzes Jackett tauscht sie gegen ein glitzernd-goldenes ein: Weil sie Abba singt, „The Winner Takes It All“, das Lied der Sieger, die im Rampenlicht stehen. Im Scheinwerfer braucht man Goldstaub, niemand weiß das besser als Bruni, mittlerweile 50 Jahre alt, die als Top-Model gearbeitet hat, als dieser Begriff noch nicht von Shows aus dem Privatfernsehen entwertet wurde. Sie brachte in guten Jahren 7,5 Millionen Euro nach Hause und hat sich immer wieder auf sehr berühmte Männer eingelassen. Seit zehn Jahren also auf Sarkozy, der mit Pop so wenig zu tun hat wie Bert aus der Sesamstraße mit der New Yorker Fashion-Week.

Früher war eine Frau mit Gitarre, wenn man vom Country absieht, die Ikone des linken Lebensgefühls, die ihre Songs am liebsten barfuß sang. Carla Bruni aber spielt ihre Gitarre im Selbstverständnis der Karrierefrau, die nichts davon hält, sich einengen zu lassen. Nicht amourös, politisch oder künstlerisch.

Für die Zugaben steigt sie in eine rote Zirkusjacke, jeden Menschen auf der Bühne (außer halt einen Zirkusdirektor) würde das entstellen. Bruni aber sieht glänzend darin aus, wie sie überhaupt so unverschämt perfekt in Form ist, dass man es sich kaum noch traut, in eine Popkritik des 21. Jahrhunderts zu schreiben. Frauen sollen über ihre Musik wirken, nicht über ihre Figur. Es bleibt dabei, Carla Bruni in ihrer engen Lederhose ist so etwas wie eine griechische, in Marmor gehauene Statur.

Ihre Ansagen sind charmant, doch nicht spontan. Sie gluckst auf eine Weise, die unwiderstehlich ist, sie lacht mit einem Timbre, das von Zigaretten gefärbt scheint. Ihr Englisch ist geprägt von italienischem Singsang, mit sieben Jahren zog sie von Italien nach Frankreich. Diese Weltläufigkeit spielt sie ohne Eitelkeiten aus. Leider hat sie ihr Album der Coverversionen auf Englisch aufgenommen, die Sprache, in der sie statisch wirkt. Im Französischen löst sich ihr Gesicht. Im Italienischen gar ihr Körper, sie tanzt lasziv zu „Dolce Francia“, ihr italienisches Liebeslied an Frankreich.

Das Publikum hat sich schick gemacht für sie, diese Eleganz sieht man in Berlin selten. Es riecht nach Parfüm. Niemand klagt über die Tickets im dreistelligen Euro-Bereich. Carla Bruni bringt Glanz. Im langen, späten Winter ist das ein Segen.

Von Lars Grote

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