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Kultur „Ich war immer mit Frechheit ausgerüstet“
Nachrichten Kultur „Ich war immer mit Frechheit ausgerüstet“
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00:30 24.08.2015
Die Schauspielerin Carmen-Maja Antoni. Quelle: dpa
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Berlin

Sie wird auf der Straße erkannt. Daran ist Carmen-Maja Antoni gewöhnt. Doch als in einem Berliner Café plötzlich eine junge Frau an ihren Tisch tritt, sie spontan umarmt und küsst, ist selbst die schlagfertige Schauspielerin verblüfft. Antoni, die am Sonntag (23. August) ihren 70. Geburtstag feiert, ist ein echter Publikumsliebling – ob in ihrer Paraderolle als Brechts „Mutter Courage“ am Berliner Ensemble oder als kauzige Schwester des Brandenburger Dorfpolizisten „Krause“ in der ARD. „Die Welt ist bunt!“, kommentiert Antoni den Gefühlsausbruch ihres anhänglichen weiblichen Fans.

„Die Antoni“ gehört zu den vielseitigsten Charakterköpfen des deutschen Theaters und Fernsehens. Fast 40 Jahre war sie festes Mitglied des derzeit von Claus Peymann geleiteten Berliner Ensembles – bis sie vor zwei Jahren kündigte. „Ich bin nicht wegen Peymann – der genauso wie ich einen schwierigen Charakter hat – gegangen. Ich bin gegangen, um diese Atemlosigkeit der Theater-Mühle hinter mir zu lassen“, sagt Antoni. „Die intensive Theaterarbeit laugt und saugt aus. Und irgendwann sagt man sich: Jetzt muss ich noch einmal etwas anderes machen, bevor ich sterbe.“

Seither dreht sie viel und ist am Berliner Ensemble als Gast in „Nathan der Weise“ (28. September) und „Mutter Courage und ihre Kinder“ (5. September) zu sehen. Bei einer Matinee am 6. September wird Antoni dort auch groß gefeiert – mit dabei sind Schauspielkollegin Iris Berben, Schriftsteller Christoph Hein und Politiker Gregor Gysi. Berben und Antoni – die beiden Frauen sind auch privat befreundet – standen fast 20 Jahre lang für die ZDF-Krimireihe „Rosa Roth“ gemeinsam vor der Kamera.

Mit 10 Jahren für’s Fernsehen entdeckt

„Ich hatte Glück“, sagt die gebürtige Berlinerin über ihr Leben. „Ich bekomme jeden Abend Applaus. Davon kann man gut leben, das ist wunderschön.“ Schon sehr früh lernte Antoni, auf eigenen Füßen zu stehen. Im Alter von 10 Jahren wurde sie für das DDR-Fernsehen entdeckt, machte bald darauf auch Kinderkabarett. Bereits während ihres Schauspielstudiums trat Antoni am Potsdamer Hans-Otto-Theater auf. Zeitgleich spielte sie erste Rollen in DEFA-Kinofilmen. Anfang der 70er Jahre wechselte sie an die Berliner Volksbühne und spielte unter Regisseuren wie Benno Besson und Fritz Marquardt – bis das Berliner Ensemble rief.

„Im Film hat es am Anfang nicht so sehr geklappt. Ich war kein Liebhabertyp. Da passte ich einfach nicht rein“, erzählt die 1,52 Meter große Schauspielerin. „Und irgendwann – zu tiefsten Ost-Zeiten – hat einer dann mal geschrieben: Warum besetzt man eigentlich nicht die Antoni, unsere Ost-Masina? Und nachdem das Wort Masina zwei Mal gefallen war, bekam ich auch ganz schnell Charakterrollen“, sagt Antoni und erinnert sich an den Karriereschub durch den Vergleich mit der italienischen Schauspielerin Giulietta Masina.

„In der Arbeit bin ich ein Beißer und ein Kämpfer“, erzählt die energische Schauspielerin. „Das ist mein Beruf. Das muss ich ja nicht zu Hause machen, da bin ich ein ganz anderer Mensch.“ Und: „Ich war immer mit Frechheit ausgerüstet“, meint sie. „Frechheit ist ein Widersprechen. Ich bin ein mutiger, couragierter Mensch. Da hat mich meine Kindheit geprägt – sich zu wehren, sich nichts gefallen zu lassen, nicht der Letzte sein zu wollen.“ Auch der kritische Theaterdirektor Peymann habe am Ende gelernt, sie zu lieben. „Ich habe einen sehr gesunden Humor, der aber nicht zynisch und spöttisch ist. Und Peymann liebt Humor. Damit ist er zu kriegen.“

Ans Aufhören denkt Antoni noch nicht

Im wiedervereinigten Deutschland spielte Antoni in zahlreichen Erfolgsfilmen. Dazu zählen Jo Baiers dreiteilige TV-Verfilmung des Strittmatter-Romans „Der Laden“, Michael Hanekes preisgekröntes Kinodrama „Das weiße Band“ und Stephen Daldrys Hollywoodfilm „Der Vorleser“ mit Kate Winslet. „Das Foto von Kate Winslet und mir hängt immer noch an meiner Wand. Wir hatten einen guten Draht zueinander.“

Das Älterwerden sieht Antoni, die jahrelang asiatischen Kampfsport betrieb, gelassen. „Ich bin noch gesund und kann noch alles machen. Man sollte nicht sorglos sein, aber froh“, sagt sie. „Ich gehe noch zum Sport - aber meinem Alter gemäß, meinem Rücken gemäß und allem gemäß...“ Ans Aufhören denkt sie nicht. „Es gibt noch ein paar alte Schachteln, die ich noch nicht gespielt habe“, so Antoni. „Wenn ich mal in den Ruhestand gehe, dann würde ich mir vielleicht eine Katze zulegen. Aber das ist irgendwie noch weit weg.“

Von Elke Vogel

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