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„Cars 3“ – Planet der Lackaffen

Kino „Cars 3“ – Planet der Lackaffen

Tschüss, Lightning McQueen: „Cars 3: Evolution“ (Kinostart am 28. September) erzählt, warum man aufhören sollte, solange es noch schön ist. Eine Regel, die hoffentlich auch die Leute bei der Computertrickschmiede Pixar beherzigen.

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Festgefahren: Die Niederlage bei einem provinziellen Speedway-Rennen ist der Tiefpunkt in der Odyssee von Lightning McQueen (rechts). Wird ihm ein Comeback gelingen?

Quelle: Pixar/Disney

Hannover. Wenn ein neues Rennen bevorsteht, motiviert sich Lightning McQueen in seinem Wohntruck. „Ich bin Speed“, sagt er zu sich. Oder: „1 Sieger, 42 Verlierer.“ Er hält überdies Zwiesprache mit seinem toten Mentor Doc Hudson. Ist die Gebets- und Mantrazeit vorbei, pumpt er sich auf, Benzin rauscht durch seine Adern – undzwar buchstäblich. Denn Lightning McQueen ist kein Rennfahrer, er ist ein Auto. Geboren, um zu rennen, lebt er in einem Amerika, auf einer Erde, die von motorisierten Geschöpfen bevölkert wird. Die Augen dieser Wesen liegen dort, wo bei unseren Autos die Windschutzscheibe sitzt, der Mund in Kühlergrillhöhe. Pixar-Fans kennen Lightning längst. Es ist sein dritter Kinostart nach „Cars“ (2006) und „Cars 2“ (2011). Er ist der Champ der Herzen, der Champ der Champs.

Lightning McQueen verunglückt schwer, die Psyche ist angeknackst

Und das ändert sich jetzt. In der Zielgeraden überholt den feuerroten Flitzer ein schwarzes Phantom. Jackson Storm steht für eine neue Generation von Techno-Rennwagen, die digital optimiert sind, ideale Linien bei höchstmöglichem Tempo fahren. Immer mehr dieser emotional kalt laufenden Lackaffen übernehmen die Startplätze der Veteranen. Auch McQueen gerät außer Puste, es zerfetzt ihm einen Reifen, er macht den zwanzigfachen Rittberger, bevor er am Ende zerknautscht auf dem Asphalt liegt wie eine leere Coladose nach dem Zugriff einer starken Hand.

In der Werkstatt kriegt man ihn wieder rund, ein eigens für ihn erbautes Trainingszentrum mit modernster Technik macht ihn flott. Aber nicht so flott, dass es für Siege reicht. Die Seele der Nummer 95 hat einen Knacks. Und der muss bis zum Saisonauftakt in Florida repariert werden. Sonst wird aus dem Noch-Athleten ein Nur-noch-Werbeträger.

Die nächste Generation kennt dich nicht mehr

Es ist die Trainerin Cruz Ramirez, die den Helden durch die Höhen und Tiefen der Rehabilitation begleitet, die sich von dem „Star“ abkanzeln aber letztlich nicht abschütteln lässt. „Lack an Lack“ fährt sie mit ihm Proberennen, erlebt, wie er mit einer intelligenten Folie Anschluss ans digitale Zeitalter erhält und reist mit ihm in seine Vergangenheit. Nichts lässt sie unversucht, um den Geist in der Chassis wieder zum positiven Denken zu bewegen. Und als Lightning dann in der Spur ist, bemerkt er die Zeichen der Zeit, das Potenzial seiner Weggefährtin, und „Cars 3“ wird eine Art Neuauflage des Originalfilms – mit veränderten Rollen.

Du scheinst nur in deiner Zeit hell, dann wird dein Licht kleiner schwächer, bis es aus den Rückspiegeln der Neuen verschwunden ist – das ist die Geschichte von „Cars 3“. Dass die Zeit gegen Helden arbeitet war auf andere Weise schon Thema in Pixars „Toy Story“-Filmen, in denen Kinderspielzeuge erfahren mussten, dass die Treue ihrer Besitzer nicht von Dauer ist und dass sie selbst am Ende alle reif sind für den Flohmarkt. So spielt die Countryrock-Band (ein Gabelstaplerquartett) in der Südstaatenkneipe für Oldtimer nicht von ungefähr Bruce Springsteens „Glory Days“: „Die Tage des Ruhms vergehen, die nächste Generation kennt dich nicht mehr …“

Einer der schnellsten Rennsportfilme überhaupt

Optisch ist das alles Ohrensaus und Augenbraus. Die Digitalos von Pixar inszenieren einen der schnellsten Rennsportfilme aller Zeiten, die „Kamera“ weiß um den Sexappeal der Geschwindigkeit, ist immer an den Autos, manchmal einen Fingerbreit überm Asphalt. Was nicht ganz so funktioniert, ist der Humor. „Cars 3“ ist eine eher witzgebremste Vollgassause. Regisseur Brian Fee und Autor Mike Rich brechen zu viele Sätze auf Auto runter: „Du musst an ihm kleben wie ein Strafzettel an der Windschutzscheibe!“ Peinlich ist nicht das neue Komisch. Wird es auch nie.

P. S.: „Cars 3“ geht als Zweiter der drei „Cars“-Streifen durchs Ziel. Lässt seinen Helden dabei von der Erkenntnis fluten,dass man aufhören soll, solange es noch schön ist. Und da wünscht man sich, dass dieser Gedanke auch auf die Franchise-Macher von Pixar überspringen möge. Leb wohl, Lightning McQueen!

Von Matthias Halbig / RND

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