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23:50 13.10.2018
Die Sängerin Luise Baumhauer und der Saxophonist Jörg Miegel bei ihrem Konzert im Fluxusmuseum Potsdam. Quelle: Sabine Krämer
Potsdam

 

 

Die aus New York stammende Sängerin Chanda Rule gilt als „Queen des Contemporary Gospels“, hieß es in den Ankündigung, also als Königin des zeitgenössischen afroamerikanischen Soul-Jazz'. Sie lebt in Wien und hat gerade eine neue CD mit dem Titel „Sapphire Dreams“ herausgebracht, die sie in Potsdam anpreisen wollte. Am Freitag gastierte sie mit einem Quartett im Rahmen der Reihe „The Voice in Concert“ im Potsdamer Nikolaisaals. Am Piano saß der 81-jährige Kirk Lightsey, „eine lebende Legende des Jazzpianos“, so der Werbetext.

Die Veranstaltung war seit langem ausverkauft. Doch die Stimmung blieb so unterkühlt, dass das Publikum nicht einmal nach einer Zugabe verlangte. Die Sängerin im türkisfarbenen Kleid und weißen Federn als Ohrschmuck eröffnete und beendete den Auftritt mit Jazzstandards - „Skylark“ mit fester, kerniger Stimme ohne Überschwang und „Somewhere over the Rainbow“ mit einem Reggae-Rhythmus unterlegt. Eine vornehme Zurückhaltung, Konvention und Arroganz lag wie Mehltau auch über den eigenen Stücken. Die üblichen Register des klassischen Jazz wurden bedient. Ein Blues mit viel Jazz-Besen, eine Ballade, schön getragen und langsam, kein falscher Ton, komplexe Rhythmen und perfekte Läufe. Nach fünf, sechs Liedern zog sich die Sängerin ihre Stiletto Pumps aus und sang barfuß weiter. Auch das wirkte routiniert.

Eine Moderatorin betonte am Anfang, die afroamerikanische Sängerin habe Theologie studiert. Wer deshalb hoffte, die Begeisterung für Gott würde sich vielleicht als Affekt darstellen, wurde enttäuscht. Keiner der Musiker war bereit, sich wirklich zu zeigen. In einem Interview nach der Pause brach der agile Pianist mehrmals in ein seltsames Kichern aus, wobei die Auslöser dafür rätselhaft blieben. Das Publikum erfuhr nur, dass er die Sängerin vor vielen Jahren bei einer „Porgy and Bess“-Aufführung in den USA kennengelernt habe. Offenbar kannten sie sich kaum und ihr Zweckbündnis für dieses Konzert war noch nicht eingespielt. Der Schlagzeuger, der Saxophonist und der Kontrabassist wurden wie Fremde behandelt, die eine makellose Dienstleistung zu erbringen hatten.

Die Veranstaltungen der vierten Jazz-Offensive in den Häusern des Kulturquartiers Schiffbauergasse am Samstag genügten vielleicht nicht dem Gebaren und der Güte der New Yorker Clubs, waren aber bei weitem beseelter. Das begann schon mit einem Konzert von Nina & Louise and the Acoustic Friends. Diesen Namen verpassten sich sieben Musiker aus Berlin und Potsdam. Sie spielten keine eigenen Kompositionen, sondern interpretierten Jazz-Standards wie „Take the A Train“ oder „Night in Tunesia“. Sie hatten keine CD im Gepäck, dafür aber fünf Teppiche mitgebracht, um die schwierigen akustischen Voraussetzung im Fluxus-Museum zu verbessern. Sie standen im Kreis und hatten sichtlich Freude, miteinander zu musizieren. Und auch ihre Zwischenansagen zeugten von Spontanität.

Zeitgleich trat die italienische Sängerin Verdiana Raw, unterstützt von zwei Gitarristen, im Theaterschiff auf. Als Trio zelebrierten sie lyrische und romantische Harmonien, die manchmal in düstere und psychedelische Stimmungen umschlugen. Tobias Marten vom Waschhaus, einem Mitveranstalter der Jazz-Offensive, erklärt das Konzept des Festivals, das in den nächsten Jahren erweitert werden soll. „Wir möchten die Vielseitigkeit des Jazz abbilden. Die Idee ist, dass jeder Kulturanbieter, auch das Hans-Otto-Theater und die Tanzfabrik, eigene Formate und Stile beisteuert.“

Von Karim Saab

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