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Kultur Che Malambo – ein überwältigendes Tanzspektakel aus Argentinien
Nachrichten Kultur Che Malambo – ein überwältigendes Tanzspektakel aus Argentinien
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19:25 28.06.2018
Kommt in die Komische Oper Berlin: Che Malambo Quelle: Diane Smithers
Berlin

Ein galoppierendes Pferd überfordert das menschliche Auge. Erst 1878 konnte der Fotograf Eadweard Mubridge durch eine Serie von Momentaufnahmen klären, wann sich welches Bein in der Luft oder auf dem Boden befindet. Ähnlich überwältigend ist der Tanz von zwölf argentinischen Cowboys in der Show „Che Malambo“. Getrieben von einem aufmunterndem Rhythmus, den sie selbst mit knöchelhohen Absatzstiefeln steppen, entsteht ein magisches Beben, als würde eine Pferdeherde durch die Pampa galoppieren.

Wer hätte das gedacht, dass es einen Tanzstil gibt, der noch nicht weltweit die Runde gemacht hat. Nach Tango und Rumba, Flamenco und Reggae, irischem Stepptanz und Kasatschok möchte nun der französische Choreograf Gilles Brinas die Entdeckung seines Lebens in Europa bekannt machen. Er reduziert den alten südamerikanischen Volkstanz nicht auf ein rustikales Klischee, sondern überträgt ihn auf ein urbanes Level elegant in die Moderne. Vom 24. bis 29. Juli gastiert das Rhythmusspektakel „Che Malambo“ in Berlin, nachdem es in Nordamerika große Begeisterung geweckt hat.

Während der Tango eine ganze Galaxie trauriger Lieder hervorbrachte, steht der Malambo für puren, melodielosen Optimismus. Auch in Argentinien wurde der Gesellschaftstanz, der ganz ohne weibliche Beteiligung auskommt, lange als banale Bauernfolklore aus dem Süden abgetan - etwa so wie man in Deutschland den bayrischen Schuhplattler belächelt. An Temperament, Lebensfreude und Heißblütigkeit nehmen sich beide nicht viel.

Doch der Malambo ist noch viel variantenreicher, kniffliger und feinnerviger als das Tanzvergnügen der Alpenländler. Wie Tango und Salsa liegt ihm die Clave zugrunde, ein raffiniertes, rhythmisches Mantra, das sich aus Afrika herleiten lässt. Und wie beim brasilianischen Capoeira traten auch die Gauchos einst bei Festen gegeneinander zum Kampftanz an. Umringt von den Mitstreitern, die dazu die Trommeln schlugen. Die Bühnenshow zelebriert den Wetteifer der Männer miteinander und das sich gegenseitig Übertreffen. Und da auf der Bühne nicht eine Frau mitwirkt, kommt das männliche Imponiergehabe ohne unsympathisches Macho-Gebalze über die Rampe.

Gastspiel in Berlin

Rund 150 000 Gauchos sollen in Argentinien heute noch leben. Der klassische Viehhirt und tapfere Rebell ist längst verschwunden. Dennoch gilt er nach wie vor als Symbolfigur argentinischer Identität.

Der Malambo ist ein volkstümlicher Männertanz der Gauchos. Er vereint die Energie des Flamenco, die Leidenschaft des Tange und die Schnelligkeit des irischen Stepptanzes. Seine Wurzeln hat der Malambo in den staubigen Steppen der südlichen Pampa im 17. Jahrhunderts.

Che Malambo. The Rhythm of Argentina. 24. bis 29. Juli. Di bis Sa 20 Uhr, Sa auch 15 Uhr, So nur 14 Uhr. Berlin, Komische Oper. Behrenstraße 55-57, Berlin-Mitte. Karten: MAZ-Ticketeria 0331/2840284.

Die Argentinier dringen auch in sensible Gefilde vor, wenn sie zum Beispiel barfuß steppen. Ins Poetisch-Zirzensische kippt die Stimmung, wenn sie wie edle Wilde noch zusätzlich die Boleadoras schwingen, das sind Lassos oder Seile mit Steinen dran, die bei der Jagd in der Pampa als Wurfwaffe dienten. Die Seile durchschneiden fauchend die Luft, dem Auge erscheinen sie wie heftig schlagende Insektenflügel. Und wenn die Gewichte den Boden touchieren, verfeinern sich die perkussiven Pattern und steigern sich bis zur Ekstase. Mit einem aufmunternden Urschrei werden die Einlagen beendet und der nächste zeigt, was er kann.

Die Inszenierung kommt ganz ohne Bühnenbild aus. Die Tänzer sind von Kindesbeinen an mit dem Malambo vertraut. Einige von ihnen verdienten ihr Geld bisher als Zeitungsverkäufer, Autopolsterer oder Klempner. Ihr rassiger Auftritt wird, dramaturgisch geschickt, von romantischen oder humorvollen Episoden unterbrochen. Die Schlussakkorde der Rhythmusshow ähneln dann dem Finale einer Beethoven-Sinfonie.

Von Karim Saab

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