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Christo lässt grüßen

Ausstellung über die Reichstagsverhüllung Christo lässt grüßen

Die Tage der Verhüllung der Berliner Reichstages im Frühsommer 1995 gehören zu den harmonischsten in der deutschen Nachwende-Geschichte. Jahrelang hatte Christo die Idee der Verhüllung mit sich herumgetragen und viele Skizzen gefertigt. In der Potsdamer Villa Schöningen ist diesem Ereignis eine Ausstellung gewidmet.

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Ein Entwurf von Christo, der der Reichstagsverhüllung von 1995 voranging.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Wie die verrückte Idee eines umstrittenen Künstlers – frei nach Karl Marx – zur materiellen Gewalt werden kann, die die Massen ergreift, ist ab heute noch einmal in der Potsdamer Villa Schöningen zu sehen. Die Tage der Berliner Reichstagsverhüllung im Frühsommer 1995 gehören zu den harmonischsten und bewegendsten in der deutschen Nachwendegeschichte. Dem New Yorker Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude war es nach jahrzehntelangem Ringen gelungen, den Symbolbau in der Hauptstadt mit silbern schimmerndem Polypropylengewebe zu verhängen.

Die von beiden Künstlern signierten großformatigen Fotos von Wolfgang Volz im Eingangsbereich des Privatmuseums an der Glienicker Brücke rufen die überwältigende Wirkung und die Schönheit der Installation noch einmal in Erinnerung. Hier wurde eine Vision Wirklichkeit, die sich kaum jemand so stimmungsvoll ausgemalt hatte. Unter blauem Himmel waren die vielen Bedenken, die vorher die Gemüter erregten, plötzlich wie weggeblasen.

Das Hauptaugenmerk legt die Ausstellung aber auf die Vorstudien Christos. Frühestes Zeugnis ist eine Collage aus dem Jahr 1972 (Bleistift, Stoff, Bindfaden, Pastellkreide). Wie eine Fata Morgana hebt sich ein unregelmäßiger heller Stoffkubus aus der Tristesse einer toten Stadtlandschaft. „135 m“ steht unter einer der Frontseiten. Auf einer bemalten Fotografie aus dem Jahr 1978 sind im Vordergrund Pfützen auf dem Asphalt zu sehen. Direkt am Reichstag verlief bekanntlich die innerdeutsche Grenze, der Todesstreifen.

Anfang der 80er Jahre nahmen die Schaubilder dann eine immer typischere Gestalt an. Es sind mehrteilige, plakative Exponate, die Zeichnungen, Fotografien, Aufrisse und ab 1994 auch authentische Stoffproben kombinieren. Während Christo und Jeanne-Claude an die Besucher kostenlos Stoffproben mit der unverkennbaren Aluminiumbeschichtung, nicht größer als ein Quadratzentimeter, verteilten (und keinen Eintritt verlangten), ließen sich Kunstsammler deutlich größere Musterstücke etwas kosten. Nach Beendigung der Verhüllung wurde das eingesetzte Material recycelt.

Die Sammler waren die Sponsoren des aufwendigen Spektakels. Von ihnen stammen auch die Leihgaben dieser kleinen, aber feinen Potsdamer Schau. Unter ihnen sind einige prominente West-Berliner Namen, wie der Immobilienmakler Roland Specker oder der Rechtsanwalt Peter Raue. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung hätte das Künstlerpaar die Reichstagsverhüllung niemals aus eigener Kraft finanzieren können. Natürlich haben sie ihre Investition nicht bereut, denn Christos „Wertpapiere“ werden heute für ein Vielfaches gehandelt. Und obendrein sind sie durchaus dekorativ und bei Hunderttausenden mit äußerst positiven Erinnerungen verknüpft.

Veranstalter der Ausstellung ist eine Stiftung, die rund 400 Objekten gesammelt hat, darunter 66 Originalzeichnungen und Collagen, ein raumfüllendes maßstabsgetreues Modell und Originaldokumente und Verträge.

Von Karim Saab

Verhüllter Reichstag 1971-95. Werke aus Berliner Sammlungen. Do/Fr 11-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr. Bis 10. November. Villa Schöningen, Berliner Straße 86, Potsdam.

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