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Kultur Cirque du Soleil: Die bunte Zeit vor Avatar
Nachrichten Kultur Cirque du Soleil: Die bunte Zeit vor Avatar
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01:16 10.11.2018
Der Cirque de Soleil spielt „Toruk – Der erste Flug“ nach dem Film „Avatar“ von James Cameron. Quelle: Errisson Lawrence/Cirque de Soleil
Berlin

Schon vor Beginn der Show des berühmten Cirque de Soleil in der Mercedes-Benz Arena ist klar: Das wird ein riesengroßes Farbenfeuerwerk. „Toruk – Der erste Flug“ ist nämlich an James Camerons Animationsfilm „Avatar“ angelehnt und lockt damit auch Filmfans. Die Show des Zirkus spielt in der Welt von Pandora, einem Mond aus dem Avatar-Universum – nur 3000 Jahre vor dem Film. Es ist der Versuch, die Vorgeschichte zum Film auf die Bühne zu bringen.

Der Cirque du Soleil adaptiert in der Mercedes-Benz Arena Berlin die bunte Welt von James Camerons „Avatar“. Damit steht ein Animationsfilm nun real auf einer Bühne. Die MAZ zeigt einige Highlights.

Ganz unspektakulär eröffnet ein blauhäutiger Erzähler den Abend. „Ich sehe euch alle“, spricht er von einem Felsen herab und man glaubt ihm. 17.000 Menschen bietet die Mercedes Benz Arena Platz. Am Mittwoch war sie etwa halb voll. Und während er uns von einer Geschichte lange vor unserer Zeit zu erzählen beginnt, gerät der sandfarbene Bühnenboden um ihn herum in Bewegung. Erst kleine Wellen, dann ein einziges Wabbern. Bis sich das Publikum, in die Märchenstunde eingelullt, vor einer Felsenlandschaft wiederfindet, die unter dem Textil-Wabbern samt 40 blauen Pandora-Bewohnern lag.

Das Märchen in der Berliner Halle ist die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Na’vi, wie sich die naturverbundenen Bewohner in Pandora nennen. Der Protagonist Ralu bricht auf, fünf Talismane zu finden, um die Welt mithilfe seiner Freunde vor einem Drachen zu retten.

Die Welt von Avatar

Die Suche bildet dabei nur einen simplen roten Faden durch die bunte Welt der filmischen Vorlage von James Cameron. An ihm werden witzige Tiere, gefährliche Verfolger und verschiedene Stämme der Na’vi aufgefädelt. Die Geschichte ist fadenscheinig und deswegen wenig überraschend. Aber niemand erwartet bei solchen Shows eine große Erzählung wie im Kino. Für die Macher der Show, Michel Lemieux und Victor Pilon, sei die Inszenierung „eine lebendige Ode an das symbiotische Zusammenleben der Na’vi“.

Die liebevollen Kostüme von Kym Barrett lassen das Publikum glauben, sich in der „Avatar“-Welt zu befinden. Die blauen Hauttöne der Völker ändern sich im Licht ins Dunkelblaue oder ins leicht Grünliche. Ihr Schmuck und ihre Kleidung aus Leinen und Blättern sieht selbst gemacht aus. Das passt zum überdimensionierten Webstuhl der Na’vi, der im alltäglichen Leben eine wichtige Rolle spielt. Das kurvige und organische Bühnenbild von Carl Fillion mit all seinen detaillierten Requisiten wirkt glaubwürdig und erzeugt große Bilder mithilfe von Multimedia-Lichtprojektionen.

Akrobatik und Puppenspiel

Der Cirque de Soleil wäre nicht der Cirque de Soleil, wenn sie den Webstuhl ganz gewöhnlich bedienen würden. Er dient natürlich als Barren in einer beeindruckenden und zur Musik präzise abgestimmten Akrobatiknummer. Auch Pflanzenranken werden zu Tüchern für wirbelnde Tuchakrobaten. Eigentlich bewegt sich in der gesamten Vorstellung niemand gewöhnlich von einem Ort zum Anderen. Schließlich gelten auf Pandora andere Natur- und Bewegungsgesetze. Das passt gut. Die Parkour- und Breakdanceeinlagen sorgen für ein wildes Durcheinander. Das überwältigt, aber wirkt auch unfreiwillig komisch, wenn ein Akrobat einen Salto macht, statt auf seinen Gesprächspartner zu zugehen.

Die Shows des Cirque de Soleil sind immer bild- und musikgewaltig – die Ästhetik überwältigend und wird makellos umgesetzt. Doch in „Toruk – der erste Flug“ werden gezielt ruhige Szenen eingebaut. Das gibt Luft zum Atmen und berührt. Hier werden über den Köpfen des Publikums elegant Papiervögel steigen gelassen. Es ist schon fast poetisch, wenn sich daraus der erste riesige, bedrohliche Auftritt der Drachen-Marionette entwickelt.

Schön anzusehen

Die Musik donnert, ein Vulkan bricht aus, der Boden ist Lava. Die Druckwelle eines lauten Kreischens des Drachens wirft zahlreiche Na’vi um. Zwölf Meter Flügelspannweite hat der Drache, der von sechs Marionettenspielern unter ihm mit Stäben bewegt wird. Die Puppenspieler, auch Wölfe mit giftgrünen Augen, schaffen es, hinter ihren Marionetten zu verschwinden. Sie werden das Highlight der Show, wenn Ralu zusätzlich in fünf Metern Höhe auf der Marionette reitet.

„Toruk – Der erste Flug“ ist vor allem schön anzusehen. Der Cirque de Soleil kommt nah an die Welt von „Avatar“ heran, aber die Geschichte drängt sich oft in den Vordergrund. Es wird viel von dem gezeigt, was keine dramaturgische Funktion hat. Die Geschichte wird eher erzählt, als dargestellt. Das wirkt an einigen Stellen zu lang. Der Cirque de Soleil schafft es, die filmische Vorlage zu übersetzen, gerät dabei aber als Zirkus etwas in den Hintergrund.

Auch nicht jede der Zirkusnummern von Boomerangwürfen über Akrobaten und Puppenspieler sitzt perfekt, aber genau deswegen funktioniert die Bühnenrealität der Live-Show gut. Es wirkt echt und selbst die fremdzüngigen Mondbewohner glaubwürdig. Eine kleinere Halle als die Mercedes-Benz Arena würde den Effekt noch verstärken. Dafür laufen die Na’vi aber auch immer wieder zum Greifen nah ins Publikum. Es geht an diesem Abend um Atmosphäre und Emotion, die die technischen Mittel und die gefühlvoll choreografierten Zirkusnummern allemal transportieren. Kopf aus. Licht an.

Der Cirque du Soleil hat 1984 mit ursprünglich zwanzig Straßenkünstlern die Zirkuskunst neu erfunden. Heute arbeiten für das Unternehmen 1300 Künstler in 450 Städten rund um die Welt. Der heutige Ansatz ist ein immersives Erlebnis, das sich besonders multimedialer Techniken bedient.

„Toruk –The First Flight“ orientiert sich an James Camerons Animationsfilm „Avatar“. Die erzählte Geschichte spielt aber 3000 Jahre vor dem Film, in der es noch keine Menschen gibt.

In Berlin spielt der Cirque du Soleil vom 7. bis zum 11. November 2018 insgesamt acht Shows. Jeden Abend um 20 Uhr wird gespielt. Am Freitag und Sonnabend finden um 16 Uhr zusätzliche Nachmittagsvorstellungen statt. Tickets für die Mercedes-Benz Arena gibt es ab etwa 60 Euro unter www.eventim.de.

Von Jan Russezki

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