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Kultur Coldplay wollen allen gefallen
Nachrichten Kultur Coldplay wollen allen gefallen
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07:34 01.07.2016
Quelle: dpa
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Berlin

Grufties würden beim Anblick der Bühne im Berliner Olympiastadion am liebsten abtauchen und den Sargdeckel über sich zuklappen. Die Leinwände flimmern am Mittwochabend bunt wie in einer Eiswerbung aus den 80er-Jahren, selbst die Verstärkerboxen und das Klavier sind mit Blumen garniert, Flammen schießen hoch und lassen die Arena leuchten. Und dann auch das noch – die etwa 60.000 Fans tragen ferngesteuerte Armbänder, die je nach Song die Farbe wechseln.

Herzlich willkommen auf dem Kindergeburtstag namens Coldplay-Konzert. Die britische Band – das waren mal drei unscheinbare Jungs und ein schöner, trauriger Sänger. Sie spielten Indierock mit Klavier. Der Mainstream begann sich zu interessieren, die Band begann ihn zu bedienen. Die Melancholie ging flöten und wich dem Bombast. Über 80 Millionen Tonträger haben Coldplay bis heute verkauft. Chris Martin, der traurige Sänger, heiratete Hollywood-Star Gwyneth Paltrow. Sie bekamen Kinder, wovon eines nach einer Obstsorte benannt ist. Mittlerweile hat sich das Traumpaar getrennt, zum aktuellen Coldplay-Album „A Head Full of Dreams“ lässt sich trotzdem eher trällernd tanzen als traurig schluchzen. Alte Lieder der Band heißen „Trouble“ („Schwierigkeit“) oder „Shiver“ („Zittern“), die neuen „A Head Full of Drems“ („Ein Kopf voller Träume“) oder „Amazing Day“ („Fantastischer Tag“). Der Sound hat sich längst in den Pop verknallt, Dance-Beats und Gastauftritte etwa von Beyoncé machen die Songs zu fröhlichen Perlen der täglichen Radiobeschallung. Muss man Coldplay böse sein? Mitnichten, sie wollen gefallen – wer will das nicht. Es ist, als wäre aus einer interessanten Ausstellung ein Freizeitpark geworden.

Die Bühne beim fast ausverkauften Berlin-Konzert sieht aus wie ein unaufgeräumter Partykeller, es hängen bunte Blüten hinab, die zusammen wie ein Regenbogenteppich aussehen. Am Marathontor fliegen Raketen in den Himmel. Die Leinwände haben die Form von Wolken und der einst so traurig singende Mann, schaut darauf stets fröhlich aus. Dass auch noch ihre Arme, je nach Wunsch einer unsichtbaren Macht, farbig leuchten, ist ein bisschen gruselig, rundet die durchchoreografierte Buntheit aber passend ab.

Es regnet knapp zwei Stunden lang Konfetti und Superhits. Vom Klassiker „Yellow“ über den Radio-Evergreen „Clocks“ bis zu den Pop-Hymnen „Paradise“ und „Viva La Vida“. Falls Coldplay noch Rock’n’Roll sind, dann nehmen sie den Platz des netten Popcornverkäufers ein, der einen mit Süßem verwöhnt, statt in die Suppe zu spucken. Der Sound ist glatt, aber gut, viel besser als noch zehn Tage davor bei Bruce Springsteen. Richtig schön ist der kollektive Gesang der 60.000 mit ihrem Helden am Klavier bei „The Scientist“, richtig schrecklich gerät die Coverversion von David Bowies Berlin-Song „Heroes“. Er klingt zuckrig, das Gitarrenriff ist wie abgeschliffen. Wie ein Marktplatzmaler, der ein expressionistisches Bild kopiert. Besser sind Coldplay, wenn sie bei sich bleiben und mit hymnischen Melodien die Familien verzücken. Chris Martin gibt mit einer gehörigen Portion Pathos einen stadionwürdigen Entertainer. Er entschuldigt sich indirekt für den Brexit seiner Landsleute, zeigt sich mit Türkei-Flagge, um Solidaität mit den Opfern des Terroranschlags in Istanbul zeigen. Später tauscht er sie gegen die deutsche Fahne aus, die ihm aus der Hosentasche herausschaut. Etwas albern gerät die Show nur, wenn der der smarte Popsänger unvermittelt zu Boden fällt und sich dort beim Singen leidend wälzt. Dann erscheint auf den Laufsteg ein bunter Tornado, er hüpft wieder hoch und singt den Gute-Laune-Hit „Adventure of a Lifetime“. Das Abenteuer ihre Lebens? Coldplay befinden sich mittendrin.

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Von Maurice Wojach

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