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Comeback war eigentlich nicht geplant

Simply Red mit neuem Album und neuer Tour Comeback war eigentlich nicht geplant

Ohne die Songs der britischen Band wären die Musik und das Lebensgefühl der Achtziger und Neunzigerjahre kaum vorstellbar. Nach einer Auszeit von fünf Jahren und solistischen Ausflügen ihres Sängers Mick Hucknall melden sich Simply Red mit ihrem neuen Album „Big Love“ zurück. Am 3. November treten sie dann in Berlin auf.

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Rote Haare und eine unverwechselbare Soulstimme: Mick Hucknall.

Quelle: dpa

Potsdam. Anlässlich seines Comebacks mit neuem Album und Tour spricht Mick Hucknall, der rotgelockte Soul-Popstar aus Manchester über seinen Lebenswandel, seine mutterlose Kindheit und die Kraft der Musik – allerdings soll seine so bleiben, wie sie war. Eine King-Size-Suite im Hyatt Regency Hotel in Köln. Mick Hucknall, 55, trägt ein dunkelblaues Sakko und Jeans, die roten Haare wirken blasser als früher, die Haut noch bleicher. Er wirkt genervt, vielleicht, weil er schon mehreren Kamerateams Interviews gegeben hat. Bemüht lässig setzt er sich zu der Besucherin aufs Sofa, breitet einen Arm auf der Lehne aus und guckt ernst. Kein Eingangs-Smalltalk. Es soll gleich losgehen.

MAZ: Mal ehrlich, wie fühlt es sich nach fünfjähriger Pause an, wieder ins ganz große Rampenlicht zu treten?

Mick Hucknall: Nun, ehrlich gesagt, ich bin selbst überrascht worden. Und so fühlt es sich an.

Wer oder was hat Sie überrascht?

Hucknall: Ich hatte kein Comeback geplant. Mein Manager hat mich letzten Sommer daran erinnert, dass der 30. Geburtstag von Simply Red bevorsteht. Er wollte, dass wir auf Tournee gehen. Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto besser gefiel mir die Idee. Nicht viele Menschen haben eine so lange Karriere hinter sich. Vielleicht würden die Fans gern wieder Songs live hören, gerade die jungen Fans, die vielleicht noch nie Simply Red live gesehen haben. Also habe ich zugestimmt.

…und ein neues Album geschrieben.

Hucknall: Ich habe überlegt, warum die Leute Simply Red mögen. Und wie Simply Red im Jahr 2015 klingen soll. Ich dachte: Wahrscheinlich wird die Plattenfirma zum Jubiläum wieder eine neue ,Greatest Hits’ Platte herausbringen. Als ob wir nicht mehr als genug ,Greatest Hits’ gehabt hätten. Also wollte ich versuchen, ein paar neue Songs zu schreiben. Dann konnte ich nicht mehr damit aufhören. Ich dachte, es könnte doch eine coole Herausforderung sein, ein ganzes Album zu machen.

Zwölf Songs in nicht mal einem Jahr zu schreiben – klingt anstrengend.

Hucknall: Überhaupt nicht. Es hat Spaß gemacht.

Die neuen Songs klingen sehr gefühlig. So wie früher: Bei „It’s Only Love“ und „If You Don’t Know Me by Now” denken wir an Engtanzpartys, Kuschelrock und ein Meer aus Feuerzeugen. Ist Ihr neues Album „Big Love“ aus der Zeit gefallen?

Hucknall: Die Musik der Achtziger und Neunzigerjahre war ungeheuer wirksame Musik, sie hatte große Anziehungskraft und konnte mitreißen. Simply Red hat das damalige Lebensgefühl mitgeprägt. Darüber bin ich sehr stolz. Wenn ich Songs schreibe, dann klingen sie eben wie Simply Red. Unser Sound ist sehr original. Das ist es, was die Menschen von uns erwarten. Auch heute noch.

Als Sie vor fünf Jahren aufgehört haben, sagten Sie, dass die Musik von Simply Red ausgereizt sei.

Hucknall: Ich selbst musste aufhören, gegen diese Idee anzukämpfen. Mit ,Stay‘ (das letzte Album in 2007 vor dem Abschied, Anm. der Red.) versuchte ich, vor Simply Red davonzulaufen. Aber inzwischen fühle ich mich sehr wohl mit dem Flair als eine blue-eyed Soulband.

Wollen Sie die Achtzigerjahre zurückholen?

Hucknall: Für meine Fans gilt das. Wir werden bei der Tournee all die alten Hits spielen, an die sie sich erinnern und in Nostalgie schwelgen.

War das Ihre beste Zeit?

Hucknall: Nein, meine beste Zeit ist jetzt. Ich habe mich komplett verändert. Ich bin verheiratet und Vater geworden. Die Erfahrung mit meiner Tochter und die Liebe meiner Frau haben mich zu einem anderen Menschen werden lassen. Ich fühle mich vollständiger und gehe die Dinge entspannter an. Ich bin geerdet.

Sie spielen damit auch auf die wilden Zeiten an, die sie hinter sich haben. Exzessive Partys, unzählige Frauengeschichten. Sie waren unter anderem mit Catherina Zeta Jones, Steffi Graf, Brigitte Nielsen, Helena Christiansen liiert. Eine deutsche Boulevardzeitung hat die Zahl ihrer Affären mal auf 1000 geschätzt, ein britisches Pendant sogar auf 3000.

Hucknall: Ich habe nichts ausgelassen. Aber so war die Zeit. Wir haben das Motto von „Sex, Drugs & Rock’n‘Roll gelebt. Aber irgendwann wurde das langweilig. Ich wollte etwas Sinnvolleres mit meinem Leben anfangen.

In Lederhosen auf der Bühne

Michael Hucknall , 1960 in Manchester geboren, wurde von seinem Vater, einem Friseur, großgezogen. Schon früh hörte er die Beatles und die Rolling Stones.

Sein erstes Konzert gab er als Vierjähriger auf einer Hochzeit. „Ich hatte Lederhosen an und sang ,I Wanna Hold Your Hand’. Später habe ich in der Kirche gesungen.“

Nach acht Jahren hat die britische Band Simply Red, die im Jahr 1984 gegründet wurde, nun das neue Album „Big Love“ veröffentlicht.

Im Herbst geht die Band auf Tournee. In Berlin gastiert sie am 3. November in der O 2-Arena.

Konzertkarten unter 0331 2840 284 und unter www.ticketeria.de

Konzerttermine: München (29. Oktober), Stuttgart (30. Oktober), Frankfurt/Main (31. Oktober), Hamburg (2. November), Hannover (4. November), Dortmund (6. November), Leipzig (7. November), Köln (8. November) und Mannheim (10. November).

Das ausführliche Interview lesen Sie auf www.MAZ-online.de

Haben Sie keine Angst, durch den wieder erweckten Glamour in alte Muster zu fallen?

Hucknall: Als ich 2010 gefragt wurde, ob es das Ende von Simply Red ist, habe ich gesagt: Ja, da bin ich ganz sicher! Aber wie wir jetzt auch wieder sehen: Sag niemals nie. Ich will nicht wieder zurück in die alten Zeiten. Aber vielleicht erleide ich ein Trauma und werde verrückt. Niemand kennt die Zukunft. Also alles, was ich sagen kann, ist: Ich bin sehr glücklich, ich liebe meine Frau, ich liebe mein Leben, ich liebe meine Tochter, ich liebe meinen Hund, ich liebe es, zu Hause zu sein. Ich glaube, ich habe sehr viel Glück gehabt. Denn ich habe vorher nie geglaubt, mal eine solche Familie zu haben. Ich selbst hatte keine.

Wie war Ihre Kindheit?

Hucknall: Die war schwierig. Ich stamme aus einer armen Familie, und meine Mutter hat uns verlassen, als ich drei Jahre alt war. Trotzdem war ich oft einsam. Vielleicht war das Fehlen meiner Mutter auch der Grund, warum ich später immer auf der Suche nach weiblicher Aufmerksamkeit war.

Wann haben Sie Ihr musikalisches Talent entdeckt?

Hucknall: Schon sehr früh. Auch das hat meine ungewöhnliche Situation sicherlich beeinflusst. Mein Vater hat nie wieder geheiratet, ich hatte keine Geschwister, ich hatte keine Großeltern. Es gab also nur mich und meinen Vater, 18 Jahre lang. Ich hörte schon früh die Beatles und die Rolling Stones. Ich gab mein erstes Konzert, als ich vier Jahre alt war, auf einer Hochzeit. Ich hatte Lederhosen an und sang ,I Wanna Hold Your Hand’. Später habe ich in der Kirche gesungen. Über die Jahre habe ich realisiert, dass Musik für mich wie mein Bruder war, wie meine Mutter, wie meine Schwester, wie mein Großvater. Noch heute ist die Musik wie ein Geist, der immer bei mir ist. Neben mir, über mir, in mir drin, um mich herum.

Sie waren einer der ersten weißen Musiker, der mit seiner begnadeten Soulstimme den schwarzen Amerikanern Konkurrenz gemacht hat. Und das auch noch mit roten Haaren. War es schwierig, Ihren Stil durchzusetzen?

Hucknall: Die Sache bei dieser Generation war: Du konntest anders aussehen, du konntet anders sein. Vielleicht ist es heute wieder so. Die Leute wollen kein Fotomodell, sie wollen einen Musiker mit Charakter. Jemand wie Bob Dylan ist nicht der schönste Typ der Welt. Aber er ist ein Original. Das scheint mir der Schlüssel zum Erfolg zu sein.

Zwischendurch haben Sie versucht, als Mick Hucknall eine Solokarriere zu starten. Wie lief es?

Hucknall: Ich war mit zwei meiner Musiker unterwegs. Aber wir haben keine Songs von mir gespielt. Mit „American Soul“ haben wir Blues und R’n’B-Klassiker gecovert. Kleine Tourneen, kleine Auftritte. Das war alles. Ich muss ja auch singen, um meine Stimme zu trainieren.

Sie sind zwischendurch Vater geworden und haben viel Zeit mit Ihrer Familie verbracht. Was sagt sie dazu, dass Sie jetzt wieder viel unterwegs sind?

Hucknall: Das war kein großes ein Thema. Meine Tochter Romy ist jetzt sieben Jahre alt, sie und meine Frau kennen die Band sehr gut. Beide werden viel mit mir reisen. Meine Familie weiß: Ich bin berühmt, da sind eine Menge Menschen, die unsere Musik mögen.

Wie darf man sich Proben von Simply Red heute vorstellen? Kaffee und Kekse? Oder doch Rock’n’Roll?

Hucknall: Ich war immer schon sehr streng. Ich habe nie Alkohol vor den Shows getrunken. Ich bin ein Profi – ich arbeite. Und wenn wir fertig sind, dann nehme ich einen Drink. So arbeiten wir. Die Band kennt sich schon so lange und hat eine Menge Spaß. Meine Tochter nennt uns die Rock-’n’-Roll-Band. Also sie freut sich sehr über ein bisschen Rock’n’Roll.

Sie waren auch außerhalb von Musik und Partys recht umtriebig. Sie hatten mit Johnny Depp, Sean Penn und John Malkovich mal ein Restaurant in Paris, sie wollten den Fußballclub Manchester United kaufen und als Lord ins britische Oberhaus einziehen. Gibt es wieder neue Projekte?

Hucknall: Ich habe schon vor längerer Zeit einen Fluss im Nordwesten Irlands gekauft, einen Fluss mit wilden Lachsen. Wir konnten die Population verdoppeln, darauf bin ich stolz. Außerdem habe ich auf Sizilien in einer wirtschaftlich wenig entwickelten Gegend begonnen, Wein zu produzieren. Ich habe zwei Regionen gewählt, die viele Probleme haben. Irland kämpft mit Gewalt und Terrorismus, Sizilien gegen die Mafia. Ich wollte keine bestehenden Charity-Projekte unterstützen, sondern etwas Allgemeineres machen.

Sie waren längere Zeit krank und litten an einer Schilddrüsenkrankheit.

Hucknall: Ja, ich habe die seit Anfang der Neunzigerjahre. Aber die Diagnose habe ich erst vor fünf Jahren bekommen. Vor zwei Monaten wurde ich wieder getestet – und meine Werte haben sich wieder stabilisiert. Ich bin sehr froh darüber, denn die Krankheit endet oft tödlich.

Dann gibt es noch einen weiteren Grund zu feiern.

Hucknall: Ja das stimmt.

Hören Sie auf, wenn Ihre Haare grau werden?

Hucknall: Da sitze ich in der Falle. Ich bin Simply Red, ich kann nicht Simply Grey sein. Oder Simply White. Oder Simply Silver.

Von Sonja Fröhlich

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