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Kultur Cottbuser Intendant tritt zurück
Nachrichten Kultur Cottbuser Intendant tritt zurück
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13:54 03.05.2018
Hinter der Jugendstilfassade des Staatstheaters Cottbus kracht es seit Wochen. Quelle: DPA
Potsdam

Die seit Wochen anhaltenden Querelen am Staatstheater Cottbus haben ihr erstes Opfer gefordert. Der Intendant des Theaters, Martin Schüler, ist gestern Morgen zurückgetreten. Auf einer Vollversammlung im Großen Haus am Cottbuser Schillerplatz war es zuvor hoch hergegangen. Grund war die Empörung der anwesenden Musiker und Sänger über den Generalmusikdirektor des Hauses, Evan Alexis Christ, dem Mobbing und Beleidigungen der Mitarbeiter vorgeworfen werden. In einer sehr emotionalen, selbstkritischen Rede bot Schüler seinen Rücktritt an.

Damit hat er die persönlichen Konsequenzen aus einer Auseinandersetzung gezogen, die im März durch die öffentliche Bezichtigung des Generalmusikdirektors begann. Ein Repetitor hatte Christ auf Facebook offen kritisiert und den „täglichen Terror“ bei den Probenarbeiten beklagt. Als er daraufhin gekündigt wurde, solidarisierten sich die Solisten der Sängersparte und schrieben einen Beschwerdebrief an den Intendanten Martin Schüler und den Verwaltungschef Martin Roeder, in dem sie auf acht Seiten die Verfehlungen des Generalmusikdirektors seit seinem Amtsantritt 2008 auflisteten.

Das Papier, das der MAZ vorliegt, liest sich wie ein Bericht aus dem Gruselkabinett. Die Autoren des Briefes berichten von Tobsuchtsanfällen des Chefdirigenten nach Aufführungen noch auf der Bühne während das Publikum applaudiert und der Vorhang hoch- und runtergefahren wird. Nach MAZ-Informationen sind in dem Papier noch nicht einmal die schlimmsten Vorfälle aufgeführt.

Cholerischer Amerikaner

Evan Alexis Christ hat sich mittlerweile öffentlich für seine Ausfälle entschuldigt. Doch im Ensemble gibt da offenbar kaum noch jemand viel darauf. Mehrfach hatte es in den vergangenen Jahren Gespräche gegeben. Mehrfach hatte Intendant Martin Schüler versucht, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Doch der cholerische US-Amerikaner brachte das Ensemble immer wieder gegen sich auf. Die Fronten verhärteten sich. Insider sprechen von einen „Psychodesaster“ am Cottbuser Staatstheater.

Dabei sind Christs Verdienste um das künstlerische Niveau der Musiksparte am Theater unbestritten. Der in Los Angeles geborene Harvard-Absolvent sorgte dafür, dass ein modernes Repertoire auf die Lausitzer Bühne kam. Die Aufführungen, vor allem im Opernbereich, fanden auch überregionale Beachtung. Musiker und Sänger wurden zu Höchstleistungen angehalten. Doch der Preis war offenbar ein Klima der Angst. Christ ist deshalb bei Orchester und Sängerschaft schon lange nicht mehr gelitten. Bei einer Befragung des Orchesters vor einem halben Jahr, als der Vertrag des Generalmusikdirektors verlängert wurde, stimmten nur drei der 74 Musiker dafür, elf enthielten sich, der Rest war dagegen.

Wie es weitergehen soll, weiß derzeit noch niemand so genau. Oder will sich nicht dazu äußern. Seitens des Theaters war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Auch von Kulturministerin Martina Münch (SPD) und dem Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), die beide im Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) sitzen, kam nur ein dürres Statement des Bedauerns und des Respektes für die „persönliche Entscheidung von Martin Schüler“. Mit der Personalie Christ werde sich der Stiftungsrat demnächst befassen, hieß es weiter. Doch entscheiden kann dieses Gremium nicht über die Zukunft des derzeitigen Generalmusikdirektors. Das ist Sache des Theaters. Der Mann der Stunde ist deshalb nun der Geschäftsführende Direktor des Staatstheaters, Martin Roeder. Er muss entscheiden, ob Christ noch zu halten ist. Nach Lage der Dinge wohl eher nicht. Denn alle Vermittlungsversuche der vergangenen Tage waren an ihm gescheitert. Den Vorschlag, er solle für die laufende Saison eine Auszeit nehmen, hatte er barsch abgelehnt und darauf gedrungen, nun über einen Auflösungsvertrag nachzudenken.

Vors Publikum treten wird Christ in Cottbus voraussichtlich ohnehin nicht mehr. Bereits am vergangenen Wochenende fand die Macbeth-Aufführung ohne ihn statt. Christ saß im Publikum, während der erste Kapellmeister, Alexander Merzyn, den Taktstock hielt.

Ungewisse Zukunft

Immerhin bleibt der zurückgetretene Intendant, Martin Schüler, noch bis Ablauf der Spielsaison kommissarisch im Amt. Doch nach dem 31. Juli werden die Spartenchefs und die beiden Kapellmeister übernehmen müssen. Keine guten Aussichten für ein aufstrebendes Schauspielhaus wie das in Cottbus.

Von Mathias Richter

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