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DDR-Künstler und ihre Werke, losgelöst vom Staat

DDR-Kunst in Potsdam DDR-Künstler und ihre Werke, losgelöst vom Staat

Am Samstag eröffnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Museum Barberini die Ausstellung „Hinter der Maske“ und die Präsentation der Bilder aus dem ehemaligen Palast der Republik. Die Pressekonferenz dazu war voll. Ist das Interesse für DDR-Kunstwerke nur politisch motiviert?

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Kuratorin Valerie Hortolani vor Harald Metzkes Bild „Die Freunde“ (1957) im Themenraum „Gemeinschaftsbilder, Gruppen und Kollektive“.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Etwa 100 Multiplikatoren waren am Donnerstag zur Pressekonferenz nach Potsdam ins Museum Barberini gekommen, um zu erfahren, was es mit der Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ auf sich hat. Die Nachfragen der Kollegen von ARD und Deutscher Welle, DPA und der Sächsischen Zeitung wollten gar kein Ende nehmen. Warum fehlt Hubertus Giebe in der Auswahl der 87 Künstler und 117 Bilder? Wie entwickelt sich die hauseigene Sammlung des Stifters Hasso Plattner? Hat die Kunst der DDR einen Beitrag für die Kunstgeschichte geleistet? Warum ist sie auf dem internationalen Kunstmarkt so unterbewertet? Was zeichnet die Arbeiten der Künstler aus, die in der DDR gelebt und gearbeitet haben?

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„Hinter der Maske“ heißt die Ausstellung im Museum Barberini, die vom 29. Oktober 2017 bis zum 4. Februar 2018 in Potsdam zu sehen ist. Gezeigt wird Kunst aus der DDR - vier Generationen in Gemälden, Fotografie, Grafik, Collage, Skulptur und Aktionen. Ein Rundgang durch die Schau.

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Beide Kuratoren, Valerie Hortolani (30) und Michael Philipp (55), ließen sich zu keiner einfachen Formel hinreißen. „Wir wollen den politischen Kontext nicht ignorieren, aber den Künstler auch nicht auf sein Verhältnis zum Staat reduzieren“, sagte Philipp. Mutmaßliche Systemnähe oder eine oppositionelle Haltung sagten noch nichts über die Qualität der Kunst. Seine junge Kollegin ergänzte: „Wir wollen die Künstler nicht als homogene Masse zeigen, sondern als Individuen.“ Es gebe keine einheitliche Grundierung. Und sie reklamierte für die Ausstellung, dass erstmals ein kunstwissenschaftlicher Blick maßgebend gewesen sei. Gesetztes Thema ist nicht DDR-Kunst im Allgemeinen, sondern die Selbstwahrnehmung und Selbstbehauptung der Künstler.

> Junge Kuratorin traf Auswahl zur DDR-Ausstellung

Schon im ersten stark verdichteten Doppelraum trifft der Besucher auf verschiedene Stilistiken und Stimmungen. Realistische Selbstdarstellungen, etwa von Paul Michaelis oder Arno Rink treffen hier auf abstrakte Ich-Bilder, etwa von A. R,. Penck oder Gerda Lepke. Die Künstler setzen sich in leuchtenden Farben (Frieder Heinze, Eberhard Löbel) oder in dunkel-gedeckten Tönen (Elisabeth Voigt, Eva Schulze-Knabe) in Szene. Unter dem „Selbstbildnis in Leipziger Häusern“ von Irene Kiele steht ein kurzer erklärender Text: „Ihr skeptischer Blick und die graue Farbgebung verleihen der Szene Bedeutungsschwere.“ Vielleicht ist es das: Bedeutungsschwere könnte als kleinster gemeinsamer Nenner für alle Bilder gelten. Denn auch die freundlicheren Motive wollen mehr als nur aufheitern, dekorieren oder effektvoll imponieren. Ernst – das ist in diesen Zeiten nicht das Schlechteste und alles andere als abwegig.

Auf die Präsentation des Zyklus „Dürfen Kommunisten träumen“ aus dem abgerissenen Palast der Republik gingen die Ausstellungsmacher während ihrer Vorstellung mit keinem Wort ein. 15 großformatige Leihgaben aus dem Deutschen Historischen Museum sprengen die vier Säle im oberen Stockwerk des Barberini. Der Besucher muss sich ganz auf die andre Seite des Raumes schlagen, um ihre monumentale Wirkung zu erfassen. Das 16. und vielleicht wichtigste Bild wird erst im Januar nachgeliefert, da es derzeit in einer großen Mattheuer-Retrospektive im holländischen Zwolle gezeigt wird. Dass es sich bei dem Palast-Zyklus zum Teil um nichtssagende, verkrampfte und von Pathos triefende Schlechtigkeiten handelt (Günter Brendel „Großes Stillleben“, Ronald Paris „Unser die Welt - trotz alledem“) dürfte auch jedem Schulkind von heute auffallen. Die rotstichigen Agitprop-Bilder von Willi Sitte und Wolfgang Neubert wurden als Blickfang an die Stirnseiten gehängt.

In der Fragerunde hakten die Journalisten nach: Warum wird im Barberini auch die Palastgalerie gezeigt? Die Antwort fiel fast schroff aus: „Die Palastgalerie ist nicht Teil der Ausstellung ,Hinter der Maske‘“, sagte Kurator Philipp. Es handele sich um ein Zeitdokument von 1975, das der „staatspolitischen Repräsentation“ diente. Das Barberini widmet dem Thema noch einen fünften Raum. Unter einer großen Fototapete mit einer Innenansicht des Palastfoyers können sich die Besucher hier über zeitgeschichtliche Hintergründe informieren.

Bilder der vom Volksmund gern als „Viererbande“ bezeichneten Realisten – also Heisig, Tübke, Sitte und Mattheuer – hängen parallel in beiden Ausstellungen. Wer die liebevoll komponierten Themenräume durchstreift, kann faszinierende Originale entdecken, etwa ein Tableau aus 28 Selbstporträts von Thomas Ziegler, „Die Freunde“ von Harald Metzkes“ oder Hans-Hendrik Grimmlings berühmtes Bild „Die Umerziehung der Vögel“.

Dass der Besucher solche Offenbarungen und solche gewagten Zusammenstellungen neuerdings in Potsdam erleben kann, nimmt sich immer noch wie ein Wunder aus. Welch ein schöner Luxus ist es, darüber zu diskutieren, ob nicht auch der Maler Hans Ticha vergessen wurde und warum Kurt Querner fehlt. Und ob von Volker Stelzmann nicht besser ein christliches Motiv in die Ausstellung gepasst hätte.

„Hinter der Maske“ . Museum Barberini. Mi-Mo 10 bis 19 Uhr. Vom 29. Oktober. bis 4. Februar. Alte Markt, Potsdam.

Von Karim Saab

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