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DDR-Schlagersängerin Chris Doerk wird 75

Jubiläum fernab von Kuba DDR-Schlagersängerin Chris Doerk wird 75

Baskenmütze und ein herzhaftes Lachen: Das ist die DDR-Schlagersängerin Chris Doerk. In den 1960er und 1970er Jahren waren sie und Ehemann Frank Schöbel das Schlager-Traumpaar. Was macht die Sängerin heute? „Ich schminke mich nicht gern und hasse BHs“, sagt sie bei einem Treffen. Als Natur-Freak sei Brandenburg für sie genau richtig.

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Sängerin Chris Doerk im Februar 2017 in Berlin – kurz vor ihrem 75. Geburtstag

Quelle: Bernd Settnik/dpa

Potsdam. Die geflochtenen dunklen Zöpfe lugen unter der bunten Baskenmütze hervor. Herzhaftes mädchenhaftes Lachen gesellt sich hinzu. Sängerin Chris Doerk, die vor einem halben Jahrhundert mit Frank Schöbel das Traumpaar des DDR-Schlagers bildete, wirft in einem Berliner Café mit elegantem Schwung ihre puschelige wärmende Boa zur Seite. Dass sie am 24. Februar 75 Jahre alt wird, ist kaum zu glauben. „Aber das Alter hat seine Spuren hinterlassen: In Größe 36/38 passe ich nicht mehr rein“, sagt sie laut lachend, wenn auch etwas Wehmut mitschwingt.

Die junge Schauspielerin Chris Doerk, aufgenommen vermutlich im Januar 1965

Die junge Schauspielerin Chris Doerk, aufgenommen vermutlich im Januar 1965

Quelle: Imago

Ihr Markenzeichen: das herzhafte Lachen

In der Vergangenheit zu graben ist nicht Sache der lebenslustigen Sängerin. In den 1960-er/70-er Jahren war sie mit ihrem Kollegen Frank Schöbel verheiratet. Damals trug sie einen feschen Kurzhaar-Schnitt, gepaart mit ihrem offenen Lachen. Doerk und Schöbel lieferten als Traumpaar der Schlagerindustrie Hit auf Hit. Vor allem Songs mit fröhlichen Texten und eingängigen Melodien zum Mittanzen waren ihr Markenzeichen. Gemeinsam traten sie in den Musikfilmen „Heißer Sommer“ (1968) und „Nicht schummeln, Liebling“ (1972) auf.

Christ Doerk mit Frank Schöbel im DEFA-Film „Heißer Sommer“ (1968)

Christ Doerk mit Frank Schöbel im DEFA-Film „Heißer Sommer“ (1968)

Quelle: Imago

Nach sieben Jahren dann 1974 die Scheidung, alles vorbei mit „Chris und Frank“ - auch auf der Bühne. Jeder ging eigene Wege: Beide stehen bis heute als Schlagersänger im Rampenlicht. 2013 gab es erstmals seit 30 Jahren wieder gemeinsame Konzerte des einstigen Duos. 40 Auftritte in den neuen Ländern waren restlos ausverkauft.

Kuba wird zur zweiten Heimat

Chris Doerk war nach der Scheidung zu DDR-Zeiten unter anderem viel in Kuba unterwegs. Das Land ist für sie eine zweite Heimat; „ich glaube, weil ich so fühle wie die Kubaner und sehr lebensfroh bin“, sagt sie. 2004 war sie zuletzt dort zur Buchmesse und stellte ihr Buch „La Casita“ über die Liebe zu dem Land vor.

Chris Doerk anlässlich der Fernsehshow „Nacht der Prominenten“ in Kooperation mit dem Staatszirkus der DDR im November 1976

Chris Doerk anlässlich der Fernsehshow „Nacht der Prominenten“ in Kooperation mit dem Staatszirkus der DDR im November 1976

Quelle: imago stock&people

Eine Platte produzierte sie aber erst wieder 2012. Es war die erste nach 20 Jahren Pause. „Ich war der Meinung, es gibt genug Titel von mir.“ Den Anstoß gab 2011 der Gastauftritt bei einer AC/DC-Coverband. „Der Sänger „Dr. Kinski“ meinte, in mir steckt eine Rock’n Rollerin“, blickt sie zurück. Sie wählte den Titel „She’s got the Jack“. Doch dann fragte einer, ob sie wisse, dass sie über eine Frau mit Geschlechtskrankheit singe. „Alles war zweideutig. Ich habe dann einige Zeilen weggelassen und dafür den Refrain öfter gesungen“, erinnert sie sich und stimmt den Song zum Beweis gleich noch einmal an - etwas verhalten wegen der Gäste in dem Café.

Neue Single zum Geburtstag

Die Texte für ihr eigenes Album schrieb Doerk dann lieber allein. „Es macht Spaß, auf der Bühne zu stehen und die CD zu vermarkten“, sagt sie. Für eine neue Platte hat sie vor ihrem 75. schon einiges produziert. Sie lasse sich aber nicht unter Zeitdruck setzen. Zu ihrem Geburtstag wird aber zunächst die Single „Ich muss wieder mal raus“ veröffentlicht - mit einem Medley ihrer alter Titel.

Im Mai 2013 bei einem Auftritt im Rahmen der Abschiedstournee Hautnah im Kulturhaus von Teterow (Landkreis Rostock)

Im Mai 2013 bei einem Auftritt im Rahmen der Abschiedstournee Hautnah im Kulturhaus von Teterow (Landkreis Rostock)

Quelle: imago stock&people

Heute geht Chris Doerk das Leben etwas ruhiger an. Dinge, die sie nicht mag, lässt sie sein. „Ich schminke mich nicht gern und hasse BHs“, sagt sie wieder lachend. Sauer reagiert sie, wenn jemand an ihren Zöpfe zupft und fragt, ob die echt sind. „Natürlich“, betont sie.

Das Alter hinterlässt Spuren

Es nerve auch, im Alter fülliger zu sein. Fotos sind dann so eine Sache, vor allem die mit Handy. „Von unten fotografiert sieht man so fürchterlich aus“, weiß sie und schüttelt sich. „Wenn ich lache, verschwinden die Falten, alles hebt sich“, dirigiert sie mit einer gehörigen Portion Selbstironie den Fotografen charmant.

In all den Jahren immer mal wieder auf der Bühne vereint

In all den Jahren immer mal wieder auf der Bühne vereint: Frank Schöbel singt am 20. Oktober 2012 bei seinem Auftritt im Theater in Nordhausen mit Expartnerin Chris Doerk. Das Konzert war der Auftakt zu einer Tournee anlässlich des 70. Geburtstages und 50-jährigen Bühnenjubiläum von Frank Schöbel.

Quelle: imago stock&people

Doerk hat immer noch Auftritte. „Die Bühne macht mir Spaß, solange mich die Fans wollen“, sagt sie. Gibt es bald wieder gemeinsame Konzerte mit dem Ex, wie von vielen Fans ersehnt? Doerk zuckt mit den Schultern. Eher nicht, heißt das wohl.

Bodenständige Oma

Sie selbst spürt keine Langeweile. „Zur Not lese ich ein Buch“, sagt Doerk - und lacht wieder. Sie sei auch sehr bodenständig. Kochen, Stricken, Backen, aber auch das Lösen verquerer Kreuzworträtsel sind ihre Hobbys. Sie liebt die Natur und fotografiert gern. Dazu ist sie mit Leidenschaft Oma. Der gemeinsame Sohn mit Frank bescherte ihnen einen Enkel.

Das einstige Traumpaar des Ostschlagers, Chris Doerk und Frank Schöbel, aufgenommen beim Start ihrer ersten gemeinsame Tournee nach 36 Jahren am

Das einstige Traumpaar des Ostschlagers, Chris Doerk und Frank Schöbel, aufgenommen beim Start ihrer ersten gemeinsame Tournee nach 36 Jahren am 07.01.2011 in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern).

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Und wie begeht Doerk nun ihren Geburtstag? „Ich feiere doch nicht, das ich immer älter werde. Bin ich verrückt?“ Alt werden sei nicht toll. Wer das sage, lüge wie gedruckt. „Wir gehen aus, irgendwohin“, sagt die Baskenmützen-Trägerin, die garantiert erkannt wird. Chris Doerk ist trotzdem immer noch eine Frohnatur. Kommt die Schlagersängerin, Schauspielerin, Texterin und Moderatorin die Grundstücksauffahrt in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) herunter, dann pfeift sie morgens schon wie ein junges Ding. Sie hat freche Flechtzöpfe, immer noch strahlende Augen und das herzerfrischende Lächeln, ach was, Lachen, das man von ihr seit jeher kennt. 2017 feiert sie sich als Frau, die seit 55 Jahren Sängerin ist.

Als Natur-Freak in Brandenburg genau richtig

Noch nicht ganz so lange lebt sie in Brandenburg. Aber immerhin nun schon 42 Jahre ist sie mit dem Fotografen und Dokumentarfilmer Klaus D. Schwarz verheiratet und zu Hause in Kleinmachnow. Dort flogen nach der Wende wegen Immobilien-Rückübertragungen die Fetzen. Auch zwischen Doerk/Schwarz und West-Eigentümern. Das Haus gehört dem Ost-Paar längst – „redlich erworben“. Aber es sei nicht mehr das Kleinmachnow von früher. „Da war es viel idyllischer, gab es große Gärten. Jetzt ist es zugebaut und überall stehen große Villen“, sagt Chris Doerk. Weg will sie trotzdem nicht. „Ich liebe es, mit dem Fahrrad loszufahren, besonders im Frühling, wenn die Natur erwacht. Diese Luft, die einem dann um die Nase streift – einfach herrlich“, schwärmt Doerk. Ohnehin sei sie ein „Natur-Freak“ und dafür sei das Land Brandenburg mit seinen vielen Seen, Wäldern und Flüssen „genau richtig“. Viele Ausflüge mit Freunden und Familie stehen dann an.

Von Gudrun Janicke, dpa

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