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Kultur Da wird Ritter Blaubart gecovert
Nachrichten Kultur Da wird Ritter Blaubart gecovert
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00:17 12.11.2016
Sieht aus wie in der legendären Felsenstein-Inszenierung: Jens Klaus Wilde (M.) als der frauenmeuchelnde Ritter Blaubart. Quelle: Marlies Kross
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Cottbus

Kennen wir das Bild nicht von irgendwo? Da sitzt ein kahlköpfiger König mit kleiner goldener Krone auf einem Riesenglobus? Steffen Piontek hat nicht nur dieses Motiv aus Walter Felsensteins legendärer „Ritter Blaubart“-Inszenierung von 1963 übernommen. Er macht das, was in der Musikszene gang und gebe ist und wofür auch schon Brecht bekannt war: Er covert eine komplette Inszenierung, mit Übereinstimmungen bis in feinste Details wie das Kostüm des Titelhelden. Das Programmheft nennt es „eine lustvolle Verbeugung“ vor einem der Dauerbrenner der Komischen Oper. Bei allem Spaß am Spiel und viel Beifall vom Premierenpublikum bleibt das Remake doch ein Stück Theatermuseum, es fehlt das Feurige und Doppelbödige des Originals.

Erzählt wird die Geschichte von zwei ziemlich monströsen Typen und zwei taffen Frauen. Der in der Tat hier blaubärtige Ritter hat bereits fünf Ehefrauen ins Jenseits befördert, weil er immer wieder nach neuen Liebesabenteuern giert. Und König Bobéche hat ebenfalls mehrere Leichen im Keller – vermeintliche Liebhaber seiner Gattin Clémentine. Dass das mit dem Morden nicht so weitergeht, dafür sorgen letztlich Boulotte und Hermina. Die eine ist eine recht umtriebige, nicht mehr ganz junge, aber immer noch alleinstehende Bäuerin, die andere ein Blumenmädchen, das einst ein Findelkind war und nun heimkehrt in den Schoß der königlichen Familie.

Mit märchenhaften Zügen und Einsprengseln der Commedia dell arte

Offenbach hat das einstige Schauer-Ritterstück als Opéra bouffe angelegt, mit märchenhaften Zügen und Einsprengseln der Commedia dell arte. Allerdings brennt er hier längst nicht ein so zündendes musikalisches Feuerwerk wie in seiner „Schönen Helena“ oder in „Pariser Leben“ ab, vor allem im zweiten Teil merkt man das. Stattdessen setzt er alles daran, unter dem Deckmantel der Parodie die allgegenwärtige Zensur im Herrschaftsbereich Napoleons III. zu unterlaufen und einen ziemlich beschränkten König und seine katzbuckelnden Hofschranzen bloßzustellen.

Jacques Offenbach – von Köln nach Paris

Jacques Offenbach (1819-1880) war ein Kölscher Jung, der ab 1855 das Pariser Musikleben aufmischte. Im eigenen Theater hatte 1858 sein erfolgreichstes Werk „Orpheus in der Unterwelt“ Premiere. Dessen Höllen-Cancan wurde zum Gassenhauer. Insgesamt 102 Bühnenwerke stammen aus Offenbachs Feder.

Sein Theaterkonzept erlaubte unter dem Deckmantel der Parodie politische und erotische Freizügigkeit in Zeiten strenger Zensur. „Die Opéra bouffe ist die Stellvertreterin der zum Schweigen verurteilten Literatur in bevormundeter Zeit“, so der Offenbach-Kenner Hermann Hofer.

Info: „Ritter Blaubart“ im Staatstheater Cottbus, Schillerplatz, 11./ 29. November, 14./ 18. Dezember, Karten unter  0355/78 24 24 24. fst

Wo aber bei Felsenstein politische Schärfe lag, die auch die DDR-Oberen aufs Korn nahm, wird hier allzu viel mit Klaumauk und Klamotte überspielt. Das Bedrohliche der beiden männlichen Hautfiguren gerät dabei in den Hintergrund. Jens Klaus Wilde gibt dem Mehrfach-Frauenmörder eher als alternden Operettengockel, der zuweilen ins Krähen kommt, Matthias Bleidorn ist ein vor allem zappeliger König.

Ein dralles Frauenzimmer vom Lande mit Witz

Dass dieser Blaubart in die Lausitz kam, war ein Herzenswunsch von Carola Fischer, seit Langem Cottbuser Ensemblemitglied, in jungen Jahren aber zu Hause im Umfeld der Komischen Oper und bekennende Anhängerin der Felsenstein-Inszenierung. Ihre Boulotte ist ein dralles Frauenzimmer vom Lande, ein ziemlich spätes Mädchen mit Witz und Bauernschläue. Mit Lust bietet sie dem Ritter Paroli und mischt auch den königlichen Hofstaat auf. Man hätte ihr dabei stimmlich etwas mehr Leichtigkeit gewünscht. Liudmila Lokaichuk, neu im Ensemble, überzeugt als jenes Blumenmädchen, das zur Prinzessin wird, mit stimmlicher wie darstellerischer Frische. Im Brandenburgischen hat man sie auch schon als Grete Minde in der gleichnamigen Oper von Siegfried Matthus bei den Neuruppiner Fontanefestspielen gesehen.

Oh Wunder des Theaters: Am Ende sind die vermeintlich Toten doch alle noch am Leben und es gibt eine hierzulande eher seltene Massenhochzeit. Gewandet in den prächtigen Roben aus der Zeit des Zweiten Kaiserreichs tanzen alle, wie es sich für Offenbach gehört, einen Schluss-Cancan zu den Klängen des Philharmonischen Orchesters, beherzt geführt von Ivo Hentschel.

Von Frank Starke

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