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Darum ist „Funny Bones“ der Lieblingsfilm von Rainald Grebe

Cinéma Privé Darum ist „Funny Bones“ der Lieblingsfilm von Rainald Grebe

Er gehört heute zu den besten und sicher auch den klügsten Kabarettisten in Deutschland. Was hat Rainald Grebe geprägt? Im „Cinéma Privé“, präsentiert von radioeins und der MAZ stellt er seinen Lieblingsfilm vor. „Funny Bones“ von Regisseur Peter Chelsom stellt die Grundfrage seines Berufs: Muss man witzig von Geburt an sein, oder reicht es, Witze auf der Bühne zu erzählen?

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Szene aus „Funny Bones“, Lieblingsfilm von Rainald Grebe für Cinéma Privé, mit Oliver Platt (r.).

Quelle: Foto: verleih

Potsdam. Rainald Grebe sticht ins Rührei, er sagt, bei „Funny Bones“ musste er weinen. Er sah die armen Clowns in Blackpool, harte Arbeit in der Geisterbahn. Ein nordenglisches Trauerspiel, Humor wurde als Knochenjob ins Bild gesetzt – 1995 brachte Regisseur Peter Chelsom das Stück mit Oliver Platt und Jerry Lewis in die Kinos. Vor 20 Jahren hat Grebe, heute 45, den Film gesehen. Er dachte, „genau so ist es doch, auch ich bin so ein armer Clown, ich trage Sachen vor die Leute und hoffe, dass sie lachen.“

Seinerzeit, als Grebe das Stück gesehen hat, zeichnete sich seine Karriere bereits ab. Er hatte Abitur gemacht in Frechen bei Köln, stand auf den frühen, kleinen Bühnen, badete im ersten Beifall. Doch er hat dem Braten nicht getraut. Begann ein Studium. 2004 ergab er sich dem Sog der Bühne, ein zweiter, endgültiger Anlauf, „damals hieß die Gattung Comedy-Performer“, Grebe lächelt über das gestelzte Wort. Die beiden ersten Jahre fand er schlimm, „das Publikum war bösartig, die Leute wussten nicht, wer dieser Typ da auf der Bühne war und hatten keine Ahnung, warum sie über meine Sachen lachen sollten.“ Er wurde abgetan als Freak. „Ich hab’s immer auf die Leute geschoben, insgeheim dachte ich: Ich bin gut, das werden die schon merken.“

Um die Spannung zwischen Stolz und Anerkennung geht es auch bei „Funny Bones“, den Rainald Grebe am Freitag in der Reihe Cinéma Privé im Potsdamer Filmmuseum präsentiert. Dort zeigen Prominente ihre Stücke, die ihnen am Herzen liegen, und diskutieren darüber.

Präsentiert von MAZ und radioeins

Der Liedermacher und Kabarettist Rainald Grebe, 1971 in Köln geboren, schaffte den Durchbruch vor gut zehn Jahren mit dem Song „Brandenburg“. Einer seiner Karrierehöhepunkte: Im Sommer 2015 trat er in der Berliner Open-Air-Bühne Wuhlheide auf, als Gäste kamen Thomas Quasthoff, Gotthilf Fischer und Olaf Schubert.

Cinéma Privé im Potsdamer Filmmuseum bietet Prominenten die Gelegenheit, Filme zu zeigen, die ihnen am Herzen liegen, und vorab mit dem RBB-Journalisten und Kinoexperten Knut Elstermann darüber zu diskutieren. Die Reihe wird präsentiert von der MAZ und radioeins vom RBB.

Rainald Grebe ist am Freitag ab 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam (Marstall am Lustgarten) zu Gast. Er hat die Tragikomödie „Funny Bones“ unter der Regie von Peter Chelsom mit Oliver Platt und Jerry Lewis aus dem Jahr 1995 ausgewählt. Karten gibt es unter der Rufnummer 0331/2 71 81 12.

„Funny Bones“ gilt als Tragikomödie, Tommy Fawkes (Oliver Platt) will es als Stand-up-Comedian in Las Vegas wissen, doch die Premiere endet im Desaster vor den Augen seines Vaters George (Jerry Lewis), einem Comedystar. Tommy kehrt zurück nach Blackpool, in die Heimat – dort trifft er eine Truppe Kleinkünstler, er geht in ihre Show, sieht ihre Witze und versteht: Sein Vater hat die Gags für seine Karriere geklaut.

Für Rainald Grebe, der heute zu den besten und sicher zu den klügsten Kabarettisten in Deutschland zählt, stellt der Film die Grundfrage seines Berufs: Muss man witzig von Geburt an sein, oder reicht es, Witze auf der Bühne zu erzählen? Grebe sagt, „Witze erzählen kann ich nicht, ich vergesse sie und finde auch die alten Witze-Erzähler nicht interessant“. Fips Asmussen? Grebe kaut auf dem Rührei, schüttelt den Kopf. Heinz Erhardt? „Auch nicht mein Fall, aber sein Humor ist sauber gearbeitet.“

Der Durchbruch gelang Grebe mit dem Song „Brandenburg“, den er vor zehn Jahren schrieb. „Nimm Essen mit, wir fahr’n nach Brandenburg“. „In Brandenburg ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt“. Man könnte diese Zeilen als Zynismus deuten, Grebe aber weiß, dass nur die wenigsten dahinter eine böse Haltung sehen. De facto ist das ein Humor, der aufs Klischee setzt, um es auszuhöhlen und zu fleddern. Was unterm Strich als Lacher bleibt, das ist die Freude am geschärften Weltbild, das sich vom Vorurteil befreit. Lachen über die Übertreibung.

„Ich bin nicht böse“, ruft Grebe, als wolle er den Satz beschwören. Er stellt den Kaffee ab und ordert bei der Kellnerin noch einen zweiten. „Ich haue nicht auf Leute drauf, in meinen Liedern halten sich ja Sympathie und Spott die Waage.“

Rainald Grebe

Rainald Grebe

Quelle: dpa

Im Januar war Rainald Grebe auf Einladung des Goethe-Instituts in der Elfenbeinküste. Er hat dort mit afrikanischen Musikern in einem Workshop gearbeitet. Grebe hat von ihnen gelernt, wie man zum Song „Brandenburg“ tanzt, „mit einem völlig verqueren Rhythmus.“ Er wiederum hat den Afrikanern erklärt, worum es im Lied geht. Es gehe ums Umland einer Großstadt, wo es vor allem „Tiere, Verkehrstote und Schlaglöcher“ gebe. „Aber die Großstadt“, hat Grebe nachgeschoben, und natürlich meinte er Berlin, „ist noch verrückter, da leben die lebendigen Toten“. Er lacht.

Grebe hat zwei Wohnungen, eine in der Uckermark, die andere in Berlin-Prenzlauer Berg. Er ist mit beiden Gegenden versöhnt, denn dort ist sein Humor vermittelbar. Auf einer Reisemesse sei ihm der Chef des Brandenburger Standes fast um den Hals gefallen und wollte ein Foto mit ihm. Grebe glaubt: „Man kann jetzt mit mir für Brandenburg werben.“

Von Lars Grote

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