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Kultur Darum ist es gut, dass Stefan Raab aufhört
Nachrichten Kultur Darum ist es gut, dass Stefan Raab aufhört
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14:55 20.12.2015
Stefan Raab beendet seine TV-Karriere Quelle: dpa
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Dieser Text wurde bereits im Juni auf MAZonline veröffentlicht - kurz nachdem Stefan Raab seinen Rückzug aus dem Fernsehen bekannt gab. Der Autor ist weiter der Meinung, dass Raabs Rückzug gut ist.

Vor allem, die Art und Weise, wie Raab seinen Rückzug angekündigt und durchgezogen hat, verdient Respekt. Daran könnten sich viele (Gottschalk, Jauch, Harald Schmidt, etc.) ein Beispiel nehmen. Auch wenn Raab in den vergangenen Monaten enorm geschwächelt hat, seine Innovationskraft war gewaltigt und wird dem deutschen Fernsehen fehlen.

Hier der Text vom 19. Juni:

Stefan Raab ist nur noch langweilig

Allabendlich das gleich Ritual - in Jeans, Hemd (ganz wichtig: nicht in die Hose gestopft) und Jacket stapft Stefan Raab die Showtreppe von TV Total herunter. Dann macht er ein paar halbgare Witze, drückt Knöpfe, dann führt er schlechte und uninspirierte Interviews.

Früher rutschte er die Treppe runter, zog eine Kelle unter seinem Tisch hervor, kürte den Liebling der Woche, zeigte eine Folge "Raab in Gefahr" und hatte Top-Stars in seiner Sendung. Aus und vorbei. Seit rund zwei, drei Jahren dümpelt TV Total vor sich hin, es gibt Abende da merkt man Raab die Unlust richtig an. Auch die Quoten seiner täglichen Abendsendung gingen zurück. Bis vor einiger Zeit hatte man bei Raab noch das Gefühl, dass er sich aus solchen Tiefs mit einem kreativen Rundumschlag befreien kann. Auch dieses Gefühl hatte man zuletzt immer weniger.

Raabs Karriere

Am Mittwochabend haben Stefan Raab und Pro Sieben völlig überraschend in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, dass der TV-Moderator Ende dieses Jahres seine TV-Karriere beenden wird.

Raab begann seine Bildschirmkarriere Anfang der 90er Jahre beim Musiksender Viva. «TV Total» moderierte er nach Senderangaben bislang 2180 Mal, hatte zuletzt aber mit sinkenden Quoten zu kämpfen. Neben dem Adolf-Grimme-Preis wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Comedy-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Stefan Raab wird alt

Sicher: 48 Jahre ist kein Alter für einen TV-Moderator. Aber wie alt es dann doch ist, war zuletzt bei Raabs Show "Schlag den Raab" zu sehen. Gegen die Kandidatin Maria Kleinebrahm verlor er im letzten Spiel. Davor hat er sich durch viele Spiele geradezu geschleppt. Geschnauft hat er schon immer, aber in dieser Sendung hatte man tatsächlich den Eindruck, dass Raab alt wird. Das letzte Spiel verlor er wegen einer Unkonzentriertheit. Etwas, das bei Raab, der ja besonders nervenstark ist, auch selten vorkommt. Schon als Anfang dieses Jahres eine "Schlag-den-Raab"-Sendung wegen einer Grippe ausfallen musste, wurde über Alterserscheinungen bei Raab spekuliert.

Andere haben Raab längst überholt

Joko und Klaas, Jan Böhmermann - das sind nur drei Moderatoren, die deutlich jünger sind als Raab, ihn aber längst in Sachen Witz und Innovationsfreude überholt haben. Joko und Klaas moderieren bei Pro Sieben quasi alles, was Raab nicht macht. Nebenbei erfinden sie auch ihre eigenen Sendungen. Sie machen das Krawallfernsehen, dass Raab einst erfunden hat - nur besser und anarchischer. Und es kommt besser an beim jungen Publikum.

Jan Böhmermann hat Raab einst auf schmerzhafte Art gezeigt, dass die Zeit des 48-Jährigen vorbei ist. Böhmermann hat einen Clip gedreht, in dem er von Chinesen ein Showelement aus Raabs Sendung nachspielen lässt. Diesen Clip stellte er inkognito ins Internet. Raab entdeckte ihn, zeigte den Clip in seiner Sendung und regte sich künstlich darüber auf, dass jetzt sogar in China seine Sendung kopiert werde. Eine Woche später bekannte sich Jan Böhmermann zu dem Fake. Raab zollte Böhmermann für den Coup zwar Respekt, erwähnte den Vorfall dann aber nicht mehr.

Es gibt für Stefan Raab keinen Platz außerhalb von Pro Sieben

Immer wieder war über Raabs mögliche Zukunft außerhalb von Pro Sieben spekuliert worden. Ein Wechsel zu RTL war zuletzt im Gespräch. Aber was sollte er dort tun? Er hat ja bei Pro Sieben so ziemlich alles gemacht, was möglich ist. Dass Senderwechsel immer ein Risiko sind, haben schon viele Moderatoren gezeigt - Harald Schmidts Late-Night-Show etwa funktionierte auch nur bei Sat.1. Raab ist schlau genug, das auch zu wissen.

Es hieß, Raab könne auch Politik. Ja, das hat er bei Pro Sieben mehrmals mit seinen Talksendungen zu den Bundestagswahlen gezeigt. Aber einem öffentlich-rechtlichen Sender wäre er wohl nicht zu vermitteln gewesen. Auch das weiß Raab. Und wahrscheinlich hat er keine Lust darauf. Nur zu gut kann er sich noch die Diskussionen erinnern, die losgetreten wurden, als er 2013 beim TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück mit ins Moderatorenboot geholt wurde. Schlußendlich machte er seine Sache gut - und konfrontierte Steinbrück mit der inzwischen zur Redewendung gewordenen Feststellung, dass es doch keine Haltung sei, nur gestalten zu wollen, wenn man "King of Kotelett" sei.

Stefan Raab gibt Pro Sieben eine Chance

Mit Raab saß Pro Sieben jahrelang auch in der Raab-Falle. Der Sender war abhängig von den Ideen des TV-Meisters. Die sprudelten einst, sind nun aber deutlich weniger geworden. Seit Jahren scheint sich der Sender in einer Raab-Dauerschleife aus TV Total, TV-Total-Turmspringen, der TV-Total-Pokernacht, der TV-Total-Wok-WM und dem Bundesvision Song Contest zu bewegen. Alles Sendungen, die Raab erfunden hat. Und die über die Jahre an Quote oder Bedeutung oder beidem verloren haben.

Nun geht Raab - für Pro Sieben eine gute Chance, sich jenseits von Raab neu aufzustellen.

Elton kommt weniger im Fernsehen

Raab hat nicht nur viele Sendungen erfunden, sondern auch Karrieren befördert. Leute, die er mochte, durften oft und viel bei ihm auftreten. Stark profitiert haben vor allem Musiker wie natürlich Lena, die er zu Eurovision-Song-Contest- Siegerin machte und die sich inzwischen als Sängerin etabliert hat. Aber auch Musiker wie Max Mutzke oder Stefanie Heinzmann hatten bei Raab ihre ersten Auftritte.

Und Elton. Nicht als Musiker. Er trat als Showpraktikant bei Raab auf und durfte, leidlich lustige, Einspieler mitbringen. Inzwischen moderiert er auch eigene Sendungen, ist aber weiterhin sehr oft bei Raab zu sehen. Leider nicht lustig, nur gewollt, aber nicht gekonnt.

Von Christian Meyer

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