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Das Bejart Ballet Lausanne kommt mit „Ballet for Life“

Gastspiel in der Deutschen Oper Berlin Das Bejart Ballet Lausanne kommt mit „Ballet for Life“

Musik von Queen und Mozart gibt den hohen, pathetischen Ton vor. Mehr als 30 Tänzer setzen sich in der Inszenierung des 1997 verstorbenen Altmeisters Maurice Béjart mit der Krankheit Aids auseinander. Die Kostüme stammen noch von Versace, der wenige Monate später ermordet wurde. Wie museal oder lebendig wirkt die Aufführung heute?

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Die Kostüme sind ein Vermächtnis des italienischen Modezaren Versace.

Quelle: foto. promo

Berlin. Der Tod ist nicht das Ende des Lebens. Mit dieser Botschaft tourt das Béjart Ballet Lausanne nun schon seit 1997 über die großen Bühnen der Welt. Dabei handelt es sich auch um eine Selbstvergewisserung. Nachdem Maurice Béjart 2007 gestorben war, beschloss Gil Roman, selbst lange Zeit Tänzer, dessen Vermächtnis fortzusetzen. Er bewahrte das berühmte Ensemble, das in der Schweiz beheimatet blieb und jährlich von der Stadt Lausanne mit fünf Millionen Franken bezuschusst wird. Und er sorgte sich um den Erhalt von Béjarts Choreografie. So ist das Berliner Gastspiel „Ballet for Life“ ein am Leben gehaltenes Museumsstück.

Bereits Béjart wollte mit seiner Inszenierung nichts anderes, als der Endlichkeit trotzen. Um den frühen Tod zweier Männer zu verarbeiten, die an Aids gestorben waren, suchte er mit seinen mehr als 30 Tänzern nach ausdrucksstarken Bildern für unbeschwerte Liebe und qualvollen Abschied. Jorge Donn, ein Solist, war gerade 46, als ihn die Immunschwäche dahinraffte. So alt wie Freddie Mercury, der schillernde Sänger der englischen Rockgruppe Queen, dessen bombastischen Lieder den Soundtrack des Abends vorgeben. Das finale „The Show Must Go On“ war bei der „Feier des Lebens über den Tod“ also gesetzt. Um das Pop-Pathos ins Unermessliche zu steigern, wurden auch noch Kompositionen des mit 36 Jahren ebenfalls früh verstorbenen genialen Wolfgang Amadeus Mozart herangezogen. Derartiges Crossover lag in den Neunziger Jahren voll im Trend. Die verschiedenen Stilistiken wurden damals aber nur gegeneinander gesetzt und noch nicht vermischt. Deshalb wirkt „Ballet for Life“ auch nicht mehr taufrisch.

Maurice Béjart hatte den Modezaren Versace als Mitarbeiter gewonnen. Seine eleganten, dezenten, oft monochromen Kostüme wurden ebenfalls so etwas wie ein Vermächtnis, da der 50-jährige Italiener nur wenige Monate nach der Premiere von einem 27-jährigen Callboy ermordet wurde.

Die Extravaganzen des Schwulseins werden in „Ballet for Life“ aber nicht überstrapaziert. Die Figur einer Dragqueen wird einmal flüchtig angedeutet. Und es gibt auch eine Szene, in der 15 Männer in schwarzen Badehosen auf engstem Raum duschen. Deutlicher wird die Regie, wenn es um Attribute der Medizin geht. Krankenhausbahren und ein fahrbarer Tropf werden über die Bühne gerollt. Stoffbahnen sind mal Brautschleier, dann Totentücher oder Seelenvögel. Denn das Leben geht weiter, trotz alledem weiter.

Ballet for Life. 21. bis 25.7. , 20 Uhr.
27. 7., 19 Uhr. Deutsche Oper, Bismarckstraße 35, Berlin-Charlottenburg. Karten: 0331/2840284 (MAZ-Ticketeria).

Von Karim Saab

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