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Das Buch „Prignitz. Ein Wegbegleiter“ mit Tipps, Historischem und Anekdoten

Reiseführer Das Buch „Prignitz. Ein Wegbegleiter“ mit Tipps, Historischem und Anekdoten

Eine Fundgrube für Reisende: Das eben erschienene Buch „Prignitz. Ein Wegbegleiter“ aus dem terra press Buchverlag stellt diesen von der Natur begnadeten Landstrich Brandenburgs mit seinen mittelalterlichen Städten vor. Mit Tipps, Historischem und Anekdoten. Es geht zum Beispiel um Knieperkohl, Pollo und den gefürchteten Raubritter von Bassewitz.

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Quelle: Terra Press

Potsdam. Da stehen sie – auf dem Dom-Areal in Havelberg. Ganz in Bronze. Und wohl im Disput vertieft. Preußens König Friedrich Wilhelm I. und Russlands Zar Peter I. Ende September 1716 trafen sich beide in der dortigen Propstei. Mit der Konvention von Havelberg wollten sie sich gegen die Schweden verbünden. Nach dem konspirativen Date beschenkten sie sich gegenseitig. Für den Soldatenkönig gab’s 200 „Lange Kerls“ und den Zar das Bernsteinzimmer nebst prächtiger Yacht „Die Krone“.

Nachlesen kann man dies in dem jetzt erschienenen Reiseführer „Prignitz. Ein Wegbegleiter“ von Joachim Nölte. Eine geglückte, kurzweilige Lektüre für alle, die diesen von der Natur begnadeten Zipfel links oben auf der Landkarte Brandenburgs mit seinen mittelalterlichen Städten erkunden wollen. Das Buch hat allerhand Tipps für Touren, Historisches, Interessantes zu Sehenswürdigkeiten und Anekdoten parat.

Und man macht Bekanntschaft mit Berühmtheiten dieses Landstrichs. So mit Lotte Lehmann, die 1888 in Perleberg geboren wurde. Die Sopranistin schaffte es bis an die Metropolitan Opera in New York. Oder wussten Sie, dass Paul Lincke – er komponierte die Operette „Frau Luna“ mit dem Ohrwurm „Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft ...“ – einst an der Wittenberger Stadtmusikkapelle zum Fagottisten ausgebildet wurde?

Apropos Luft: Ziemlich dünn muss die dem Raubritter Kurt von Bassewitz 1411 geworden sein, als er seinen zweiten Versuch startete, das Städtchen Kyritz einzunehmen. Er wähnte sich clever, grub einen Gang unter der Stadtmauer hindurch. Pech: Ein Gefangener im dortigen Turm hörte die ständige Buddelei, was er prompt meldete. Die Kyritzer warteten nun bloß darauf, dass der gefürchtete Bösewicht irgendwann sein Haupt zwischen den Pflastersteinen auf dem Marktplatz hochreckt. Heute erinnert ein Brunnen an jene historische Szene, als drei toughe Kyritzerinnen ihn mit heißem Brei – den sie über ihm auskippten – empfingen. Er wurde geköpft.

Und wo ist eigentlich die Knatter? In Postkutschen-Zeit berichteten Reisende, sie wären in „Kyritz an der Knatter“ gewesen. Bis heute hat sich die Bezeichnung gehalten. Dabei liegt Kyritz an der Jäglitz. Es ist so: Einst gab es hier etliche Wassermühlen – mit mächtigem Geknatter.

Das Buttern ging dereinst auch nicht gerade lautlos vonstatten. Die Bauerntöchter sollten es in der „Butterakademie“ lernen, die Friedrich Wilhelm I. in Königshorst gründen ließ. Majestät höchstselbst kostete die Butter-Probe jeder Absolventin. War sie gelungen, stand ihr ein Brautschatz von 24 Talern zu. Der König war oft nicht so recht zufrieden. Holländische Spezialisten nahmen die Anzulernenden unter ihre Fittiche.

Butter im Dreißigjährigen Krieg? Man hungerte. Die Prignitzer aßen Knieperkohl. Dem raren Weißkohl mischten sie kurzerhand Grün- sowie Markstangenkohl – sonst Viehfutter – bei. Das Ganze stampften sie samt Salz und Weinreben Schicht für Schicht in Steingut-Töpfe. Nach etwa zehn Wochen Gären kam’s auf den Teller. In Preddöhl kann man heute noch Knieperkohl kaufen.

In dem reich bebilderten Buch ist auch zu vielen Burgen, Schlössern und Kirchen Wissenswertes zusammengetragen. Ob „Wunderblutkirche“ St. Nikolai in Bad Wilsnack oder die Plattenburg. Und natürlich Schloss Meyenburg. Hier kann man 351 Kleider von 1900 bis 1970 aus der Modesammlung von Josephine Edle von Krepl bewundern.

Abenteuerlustige können ja einen Abstecher zum Königsgrab von Seddin machen. Zur Grabanlage aus der Bronzezeit – neun Meter hoch, mit einem Durchmesser von 64 Metern. Sie ist die größte, die je in Brandenburg gefunden wurde. 1899 entdeckten zwei Arbeiter die aus Findlingen gebaute Grabkammer. Darin die Überreste eines Mannes und zweier Frauen – verbrannt. Sowie 37 Grabbeigaben. War es der Semnonenkönig Hinz, von dem Sagen berichten, der da bestattet ist? Man weiß es nicht.

Lieber feiern? Bittesehr! Im Mai steigt das Filzfest in Lenzen, im Juni das Wittenberger Dixielandfestival, in Havelberg ist im September Pferdemarkt und in Klein Leppin macht das Dorf im Juli Oper.

Verfehlen kann man nichts – man muss sich bloß an die Orientierungskarten im Buch halten. Adressen, Öffnungszeiten – alles verzeichnet. Selbst Prignitzer, die meinen, ihre Heimat gut zu kennen, werden zuweilen verblüfft sein. Oder wussten Sie, dass der Pollo, diese urige Schmalspurbahn, seinen Namen nach dem Hund eines Dannenwalder Försters erhielt? Stets kläffte der, wenn das Bähnlein angefahren kam, sein Herrchen musste ihn mit einem barschen Ruf „Pollo“ zur Räson bringen.

Einziges Manko des Buches: An drei, vier Stellen hat der Druck das Ende eines Satzes „verschluckt“.


Joachim Nölte: Prignitz. Ein Wegbegleiter. terra press, 260 Seiten, 14,80 Euro.

Von Angelika Stürmer

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