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Das Gegenteil von Selbstbehauptung

DDR-Kunst im Barberini Das Gegenteil von Selbstbehauptung

Das Museum Barberini zeigt vom 29. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018 in Potsdam die Sonderausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“. Die MAZ stellt in einer Serie ausgewählte Bilder vor. Heute: „Selbstzerstörung“ (1987) von Günter Firit.

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Günter Firit „Selbstzerstörung“

Quelle: Frank Strassmann

Potsdam. Die figurative Malerei macht sichtbar, wie es um den Maler und sein Modell bestellt ist. Nicht nur die Würde eines Menschen ist antastbar, auch seine körperliche Unversehrtheit.

Günter Firit, 1947 im Harz geboren, griff 1987 zu einem drastischen Stilmittel, um sein Gefühl der „Selbstzerstörung“ zum Ausdruck zu bringen. Die Vertikale des Bildes wird von einem einbeinigen Torso dominiert, der zu rennen scheint. In wirrer Anordnung sind ihm diverse Gliedmaßen und zwei vereinzelte Augen zuzuordnen. Die dunkle Farbgebung, ein beklemmendes Raster und ein sensenartiges Riesenwerkzeug schaffen eine Atmosphäre unmittelbarer Bedrohung.

Firit war gerade aus der DDR ausgereist und stand vor dem Nichts. Die Hoffnung, dass sich die SED-Diktatur demokratisieren lässt, hatte der Leipziger Maler wie viele seiner Freunde aufgegeben. „Vier Versuche, sich mit einer Situation nicht abzufinden“, nannte er noch einen Zyklus, den er 1984 im Messehaus am Markt gezeigt hat. Die Ausstellung dort hatte er mit fünf Künstlerfreunden in einem Husarenstreich selbst organisiert und damit das Ausstellungsmonopol des Staates unterlaufen. Mit dem Namen „1. Leipziger Herbstsalon“ nahm die Gruppe Bezug auf den „Ersten Deutschen Herbstsalon“ der Expressionisten 1913 in Berlin. 1984 probten die Anhänger der Abstraktion den Aufstand gegen die Malerfürsten der Leipziger Schule, die figurativ und realistisch ausgerichtet war. Dass die Ausreise in den Westen Firit nicht leicht fiel und auch als Selbstzerstörung erlebt wurde, erzählt dieses Bild.

Schon Anfang der 1980er Jahre stellte Firit menschliche Figuren als marionettenhafte Gliederpuppen dar mit verschraubten Gliedern. Nun ging er einen Schritt weiter, indem er ihre Ganzheit zerstörte. Die übliche Ordnung der Körperteile war in den Kämpfen mit der Staatsmacht sinnbildhaft verloren gegangen. Die Expressionisten hatte aus der traumatischen Erfahrung des Ersten Weltkrieges eine ähnliche Bildsprache abgeleitet.

Selbstzerstörung ist das Gegenteil von Selbstbehauptung, die den Künstlern in der DDR gern attestiert wird. Hier wird der demonstrative und individuelle Akt der Destruktion zu einer kreativen Demonstration, die angesichts der erlebten Ohnmacht notwendig bleibt, um die Selbstachtung nicht zu verlieren.

Von Karim Saab

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