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Das Kombinat baut wenig „Druck“ auf

Bühne Das Kombinat baut wenig „Druck“ auf

Vorab wurde „Druck“, die neue Aufführung des Potsdamer Künstlerkollektivs Kombinat, hoch gehandelt. Das lag an einer technischen Idee, die aber nur die Anfangsminuten bestimmte. Die Tanzperfomance danach verpuffte.

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In der Geschäftswelt wird viel Druck erzeugt, den man aushalten muss.

Quelle: Foto: Fabian Schellhorn

Potsdam. Seit 2009 entwickeln die Choreografin Paula E. Paul und der Medienkünstler Sirko Knüpfer in Potsdam unter dem Namen Kombinat ungewöhnliche Bühnenformate. Ihre Aufführungen basieren in der Regel auf ziemlich abgefahrenen, innovativen, technischen Grundideen. Um ein Publikum aber eine Stunde lang bei der Stange zu halten, bedarf es mehr.

Ihre neueste Produktion „Druck“ feierte am Freitagabend in der Potsdamer Fabrik Premiere. Die Kombi aus einer ausgefeilten Performance von vier aufwendig gecasteten Tänzern, dokumentarischen und gefühlsseligen Filmschnipseln, rhythmischen und melodischen Einspielern aus dem Off sowie Tafelkritzeleien stand also unter einem Thema. Doch offenbar fehlt dem Kombinat der Leidensdruck oder auch der Mut, die existenzielle Metapher präzise zu fassen. „Druckunterschiede will die Natur ausgleichen, das erfolgt in Form von Wind oder Sturm“, meint eingangs ein Meteorologe salomonisch. Es folgen Anspielungen auf Luftdruck, Zeitdruck, Zeitungsdruck und Gesichtsausdruck. Bei dieser Beliebigkeit bleiben konkrete Wahrheiten auf der Strecke. Wie in einer Lektion oder auch in einer Meditation wird dem Variantenreichtum eines Grundwortes nachgegangen. Druck, das bedeutet am Ende alles und nichts.

Doch auch dieses Mal lockte das Kombinat seine Zuschauer wieder mit einer technoiden Sensation an. Zu den Akteuren der Show gehören nämlich auch drei Nadeldrucker und ein Scanner, die links vorn neben der quadratisch abgeklebten Tanzfläche stehen. Die Ouvertüre dieses ferngesteuerten Quartetts erwies sich als der Höhepunkt des Abends. Technikfreak Joachim Glasstetter ist es in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Tobias Unterberg gelungen, die kratzenden, enervierenden Geräusche dieser Geräte und das Rucken ihrer Schlitten musikalisch zu organisieren. Was normalerweise durch die Lautsprecher verstärkt wie der stockende Anlasser eines Autos klingt, formt sich dank ihrer Tüfteleien zu rhythmischen Loops und feinen, sogar leicht swingenden Melodien. Ein netter, wenn auch nicht ganz zeitgemäßer Effekt, denn eigentlich gehören die Geräte in einen Soundtrack der 1980er und 90er Jahre.

In der Hauptsache lassen dann aber ein Italiener, ein Engländer und zwei streng frisierte Japanerinnen ihre Körper tänzerisch und gestisch sprechen. In eleganten Anzügen über Fitnesscenter-schicker Unterkleidung stehen sie mit ihrer unbewegten Mimik für die heutige Businesswelt. Was sie wirklich erzählen sollen, bleibt abstrakt und nebulös. Auch Assoziationsketten lassen sich nicht ausmachen. Stress wird wohl angezeigt, wenn die eine Asiatin möglichst unbewegt und lange auf der Spitze steht oder wenn ein Mann einen Kopfstand macht und für die anderen zur Garderobe wird. Manchmal werden auch Luftballons aufgeblasen (Druck!), die sich dann austrudeln dürfen oder Papierflieger gefaltet. Am Ende bleibt nicht eine Szene oder ein Bild im Gedächtnis, so austauschbar wirken die Figuren und ihre Nummern.

von Karim Saab

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Aufführungen am 15. und 16. September, 20 Uhr; 17. September, 16 Uhr. Fabrik, Schiffbauer­gasse. Karten unter 0331/24 09 23.

Von Karim Saab

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