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Geballte Ladung Zivilisationskritik im Biorama

Kunst in Joachimsthal Geballte Ladung Zivilisationskritik im Biorama

Es ist die erste Ausstellung seit der Sanierung der Weißen Villa des Kunstprojekt Bioarama in Joachimsthal. Das d Berliner Performance-Duo GodsDogs hat eine gigantische Installation in die neuen Hallen gestellt. „Riss in der Zeit“ heißt die Schau. Es geht um Umweltzerstörung, verpasste Chancen der Umkehr und um die kleinen Auswege aus dem Chaos.

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Vortex – eine gigantische, sechs Meter hohe Skulptur aus Zivilisationsmüll ragt derzeit in der Weißen Villa in Joachimsthal in die Höhe.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Joachimsthal. Allein schon die Größe überwältigt. Immer höher, weiter, mächtiger schraubt sich das Chaos empor, bis es schließlich in sechs Meter Höhe über den Betrachter hereinzubrechen droht. Spuren von Zivilisationsmüll winden sich spiralförmig in immer ausladenderen Runden in die Höhe. Ein Tornado im Stillstand. Wird die gesamte Konstruktion gleich ins Wanken geraten? Das Berliner Künstler- und Performance-Duo GodsDogs hat Möbelstücke, Teile von Kleiderbügeln oder Musikinstrumenten, wertlosen Papp- und Holzstücke, alles Gegenstände, für die im Alltag kaum noch Verwendung zu finden ist, zu einer gigantischen Installation verarbeitet. Zu sehen ist sie derzeit in der Weißen Villa der Galerie Biorama in Joachimsthal (Barnim).

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Das Berliner Künstlerduo GodsDogs, alias Britta und Ron Helbig benutzen mit Vorliebe die Materialien Holz, Pappe und Pappmaché für ihre Installationen und Skulpturen. Auch Zivilisationsmüll ist dabei, den sie häufig durch Acrylmalereien verfremden. Derzeit sind 14 ihrer Werke in der Weißen Villa der Galerie Biorama in Joachimsthal (Barnim) zu sehen.

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„Riss in der Zeit“ haben Britta und Ron Helbig, so der bürgerliche Name des Künstlerpaars, die Schau genannt, in der neben dem Zivilisationstornado noch elf weitere Werke zu sehen sind. Ihre Lieblingsmaterialien sind Holz, Pappe, Pappmaché und Acrylfarben. In Joachimsthal schweben Steine aus Pappmaché federleicht unter der Decke. Eine neonfarben leuchtende Person blickt aus einer Lichtinstallation. Häuserfassaden, Türme, Treppen verschränken sich zu einem Mikrokosmos aus Architektur und Traum. Ja, in was für einer Welt leben wir überhaupt? „In der, in der wir eben leben“, sagt Ron Helbig illusionslos. Da ist nicht viel zu rütteln. „Wir sind abhängig von einer unverückbaren Vergangenheit und einer so gewordenen Gegenwart“, sagt er. Alles alternativlos also, wie die Kanzlerin gerne zu sagen pflegt? „Nein“, sagt Helbig, „es gibt immer verschiedene Möglichkeiten zu handeln.“ Und nicht nur die Zukunft ist ziemlich offen. Auch in der Vergangenheit hätte immer andere Möglichkeiten gegeben.

Darum geht es den beiden Künstlern. Sie überlegen: Was wäre wenn...? Wenn die Geschichte der Zivilisation nicht ganz so rücksichtslos auf Kosten der Natur verlaufen wäre. Hätte dieser gigantische Wirbel dann vielleicht nicht ganz so viel Müll zum Himmel geschleudert? Wäre der bevorstehende Burnout der Erde vielleicht doch vermeidbar gewesen? „Vortex“ haben sie ihre riesige Installation genannt, ein Fachbegriff, der aus der Strömungslehre stammt. Die Strömungsexperten wissen schon lange, dass die Fließgeschwindigkeit im Zentrum eines Wirbels am höchsten ist, aber zu den Rändern hin immer geringer wird. Dort lässt es sich also am besten um- oder aussteigen – in einer andere Richtung oder gar ein Stück weit gegen den Strom schwimmen. GodsDogs versuchen diese virtuellen Ausstiege anzudeuten – gedanklich, träumerisch, visuell. Deshalb haben sie viele der Gegenstände, die sich spiralförmig aufeinandertürmen mit persönlichen Erinnerungen bemalt, um ihnen eine subjektive Deutung zu geben. Sie ergänzen so die große Erzählung der Menschheitsgeschichte durch andere, kleine Episoden, die mögliche Parallelwelten erzeugen. Kleine Korrekturen, am großen Ganzen. Ein Versuch, „die Zeit aufzureißen“, wie Helbig sich ausdrückt.

Das Biorama-Projekt

Der Name GodsDogs ist ein Wortspiel, er verändert sich rückwärts gelesen nur minimal. Insofern ist er auch ein Stückweit Programm für das Künstlerduo Britta und Ron Helbig. Die Ausstellungen von GodsDogs sind häufig eine Mischung aus Bildender Kunst und Tanzperformance. Auch in Joachimsthal führten sie zweimal mittels eine Performance durch ihre Schau.

Das Kunstprojekt Biorama existiert seit 2006. Eine zweite Attraktion neben der Ausstellung in der Weißen Villa ist der Wasserturm, der Besuchern auf einer Aussichtsplattform in 123 Meter Höhe über dem Meeresspiegel einen Panoramablick über die umliegenden Seen und Wälder bietet.

Die Ausstellung „Riss in der Zeit“ ist noch bis zum 31. Oktober jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 16,30 Uhr geöffnet. Eintritt inklusive Panoramablick vom Wasserturm: 2 Euro.

 

Mit der Weißen Villa in Joachimsthal hat das Duo dafür einen geeigneten Ort gefunden. Die im Toskanischen Stil Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Fabrikantenvilla im Landhausstil wurde in den vergangenen zwei Jahren komplett umgebaut. Aus ursprünglich 17 Zimmern sind drei riesige Räume geworden. Sarah Phillips und Richard Hurding, die das Kunstprojektes Biorama rund um den Wasserturm von Joachimsthal seit neun Jahren betreiben, haben Wände eingerissen und die Decken des dreigeschossigen Gebäudes entfernt. Geblieben sind zehn Meter hohe Ausstellungsräume mit unverputzten, rohen Ziegelwänden. Kein White Cube also, wie sonst üblich, um den Kunstwerken ihr Eigenleben zu erleichtern. „Weniger ist mehr“, erläutert Ausstellungsmacherin Sarah Phillips das minimalistische Konzept: „Wir wollten, dass die Konstruktion der Architektur voll sichtbar wird.“ Für Künstler eine Herausforderung. Die Britta und Ron Helbig, alias GodsDogs aber gerne annahmen und die erste Ausstellung nach der Sanierung des Gebäudes bespielt. „Mit diesen unfertigen Räumen muss man ringen“, sagt Ron Helbig – „wie mit dem Wirbelsturm“.

Von Mathias Richter

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