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Das Programm für perfekte Verträge

Wirtschaft in Potsdam Das Programm für perfekte Verträge

Bei Verträgen für Versicherungen, Strom oder Telefon kann so einiges schief gehen. Mal ist eine Straße falsch geschrieben, mal wurde der falsche Energiekonzern als aktueller Stromlieferer angegeben und manchmal werden Tarife vereinbart, die für eine Region gar nicht gelten. Die Plattform „Webactive“ der Potsdamer Software-Firma „Intervista“ verhindert solche Fehler.

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Potsdam. Der Kunde möchte einen günstigeren Stromanbieter. Der Vertreter im Shop fragt nach seinem derzeitigen Lieferanten. „Irgendetwas mit Baden“, antwortet der künftige Kunde. „Ist es die EnBW Energie Baden-Württemberg?“, fragt der Vertreter des neuen Stromanbieters nach. Er muss das sicherstellen, denn schließlich muss der neue Kunde erst abgemeldet werden, bevor er zum neuen Anbieter überwechseln kann. „Jaja, die wird es sein“, antwortet der Kunde.

Tatsächlich ist der Mann derzeit noch Kunde bei der ReEnergie Baden. Er hat die Anbieter wegen der Namensähnlichkeit verwechselt. Trotzdem trägt der Vertreter den falschen Namen in den Vertrag ein. Die Folge: Der Wechsel wird sich wahrscheinlich ziemlich verzögern, denn bei der Energie Baden-Württemberg ist ja kein entsprechender Kunde registriert. Der aktuelle Stromanbieter muss erst noch gefunden werden. Es wird wohl ein weiteres Kundengespräch nötig sein.

Fahrassistenz und Handyortung

2001 gründete
die Intervista AG ihre Niederlassung in Potsdam. Rund 25 Programmierer und Ingenieure arbeiten in den Büroräumen in der Berliner Straße.

Als Mission nennt Intervista den Versuch, ihre Softwareprodukte so einfach zu machen wie möglich. Aber nicht einfacher. Vorbild für die Konstruktion einer funktionierenden Software sei die Architektur, betont Geschäftsführer Matthias Stauch. Ein Programm müsse logisch aufgebaut sein und dürfe sich nicht in einzelnen zusammenhanglosen Funktionen erschöpfen.

Die Architektur beschreibe den Aufbau der einzelnen Teilsysteme und Komponenten und deren Bezüge untereinander. Die Elemente seien die Bausteine eines Programms, die ebenso wie im Bauwesen definierte Eigenschaften haben.

Erfolgreich war die Firma mit dieser Methode auf unterschiedlichen Feldern. Intervista hat für VW Fahrassistenz-Systeme gebaut, es entwickelte Handy-Ortungssysteme, mit denen Eltern den Aufenthaltsort ihrer Kinder herausfinden, und eben das Unterstützungssystem für Vertragshändler.

Matthias Stauch, Vorstandsvorsitzender des Potsdamer Unternehmens „Intervista“, würde wahrscheinlich sagen: „Mit unserem Webactive wäre das nicht passiert.“ Tatsächlich ist das Gespräch eines Vertreters mit einem neuen Stromkunden der typische Anwendungsfall für das in Grundzügen seit 2007 existierende Vertriebsportal der Programmierfirma in der Berliner Straße. Das Portal ist ein digitales Instrument zur Unterstützung von Vertragsabschlüssen aller Art, seien es nun Verträge mit Strom-, Versicherungs- oder mit Telefonkunden.

Hilfe von der Datenbank

Im vorliegenden Beispiel hätte der Vertreter ein Tablet von „Webactive“ für den Vertragsabschluss gehabt. Das Tablet hätte bei der Frage nach dem jetzigen Stromanbieter aus einer Datenbank im Hintergrund die möglichen aktuellen Anbieter vorgeschlagen. Auch „ReEnergie Baden“ wäre aufgetaucht. Die Verwechslung wäre nicht passiert und der Vertrag schneller umgesetzt worden. Umgesetzt werden Verträge mit diesem digitalen Werkzeug sowieso, denn die eingehenden Daten des neuen Kunden laufen sofort in das System des Unternehmens ein. Der umständliche Weg von Papier zum Eintippen ins System des neuen Stromanbieters erübrigt sich.

„Unser System richtet sich an Unternehmer, die viele Kunden haben. Es spielt eine Rolle, wo es ums Massengeschäft geht“, sagt der studierte Volkswirt Stauch. Gerade beim Massengeschäft kommen noch viel mehr Probleme ins Spiel, als nur das falsche Ausfüllen von Papierverträgen. Moderne Unternehmen rekrutieren ihre Kunden zum Beispiel über sehr viele Wege. Man kann sich den Telefonanbieter übers Internet auswählen, man kann auch einen telefonischen Vertrag schließen oder einfach in einen Shop gehen. Für die Vertriebsbereiche gelten aber unterschiedliche Regeln.

Der Rechner organisiert die Vertragsverhandlung

Gerade bei Verträgen in Shops lauern weitere Tücken. Der Vertreter im Telefonshop, der mir den günstigen O 2 -Vertrag anbietet, muss kein Mitarbeiter dieser Firma sein, sondern ist einfach nur deren Franchise-Nehmer. Folglich darf er auch nicht alles Insiderwissen von O 2 haben. Das kann sich beim Vertragsgespräch allerdings ziemlich negativ auswirken, weil Detailkenntnisse fehlen. Sowohl die Hürden der verschiedenen Kanäle wie auch die von Vertragshändlern mit ihrem unterschiedlichen Kenntnisstand löst „Webactive“ intern. „Früher hatten die Verkäufer das Wissen im Kopf, heute steckt das Wissen im System“, bringt es Stauch auf den Punkt. Er sieht die Plattform als Einheitsverkäufer mit dem nötigen Hintergrundwissen, der entscheidet, was der ihn nutzende Händler wissen muss.

Vereinfacht hat „Webactive“ zwei Geheimnisse: Eine riesige Datenbank im Hintergrund und ein Verteilungssystem, das für jeden Einzelfall entscheidet, welche Informationen der jeweilige Vertreter oder Vertriebskanal braucht und bekommen soll. Die Art und die Verteilung der Information wird durch das Rechtemanagement eines Logins entschieden. Zum Beispiel des Franchise-Nehmers für Telefonverträge erklärt Stauch: „Das System sorgt automatisch dafür, dass er über sein Tablet nur die Tarife anbieten kann, die er in seinem Laden anbieten darf.“ Ein falscher Vertragsabschluss, der hinterher für viel Ärger sorgen kann, kommt so erst gar nicht zustande. Übrigens auch kein falsch eingetragener Straßenname. Das „Webactive“ System hat auch dafür eine Datei in der Datenbank, die für den Abgleich sorgt. Bei Verträgen, die nach Hausbesuchen geschlossen wurden, sorgt das System sogar dafür, dass ein Mitarbeiter des vertragsabschließenden Unternehmens den Kunden noch unmittelbar nach dem Gespräch mit dem Vertreter anruft. Der Mitarbeiter prüft, ob der Kunde den Vertrag wirklich so haben will, wie ihn das Unternehmen vorsieht. Erst wenn der Kunde jetzt noch einmal bestätigt, gilt der Vertrag als geschlossen. „Der Kunde will sicher sein, dass er das rausbekommt, was er erwartet“, sagt Stauch. Falsche Erwartungen machten nachträglich oft Ärger.

Sogar die Straßennamen werden verbessert

„Das System sorgt für einen enormen Effizienzgewinn und dafür, dass alles richtig und rechtlich sicher ist.“ Jeder Vertreter, der im Namen eines Unternehmens einen Vertrag abschließe, könne mit Webactive nur das tun und anbieten, was er seinem Status gemäß darf. Technisch dafür sorgt das Login mit der automatischen Vergabe von Rechten und Informationen. Zweitens minimiere die Datenbank das Risiko von Verwechslungen etwa von Firmen, Falschschreibungen von Straßen oder Bankdaten und auch rechtliche Fehlgriffe aus. Im Hintergrund hat sie nicht nur einen Vorrat von allgemeinen Geschäftsbedingungen, sondern auch Informationen der Schufa über Kreditwürdigkeit bestimmter Kunden. Wenn aber alle diese Bedingungen erfüllt sind, sind die Verträge in der Regel auch rechtssicher. Das mache Unternehmenshandeln effektiver und sicher.

Ein Dutzend Mitarbeiter reicht in der Berliner Straße aus, um dieses Geschäftsfeld von „Intervista“ abzudecken. Das hängt auch mit dem geschickten bausteinhaften Aufbau des Systems zusammen, bei dem Fehler relativ einfach behoben und Updates problemlos zu installieren sind. Dabei ist Stauch nicht einmal Programmierer. Aber er hat mit früheren Kollegen schon in den Anfangszeiten der Digitalisierung erfahren, was der Übergang von Papier zum Computersystem bedeutet.

Vom Papier zum Digitalen

Mitte der 90er Jahren wurde der neue Telefonanbieter E-Plus von Anmeldungen potenzieller Kunden überflutet, Die alle ordentlich in ein System einzutippen überforderte das junge Unternehmen. Stauch und seine Mitarbeiter entwickelten ab 1996 ein System, das die Eingaben automatisierten. Im Grunde wurde schon damals das Grundgerüst von „Webactive“ geschaffen. „Heute gibt es das Internet, heute läuft alles automatisiert“, sagt Stauch. Am Konzept, die Vertragsdaten gleich im Computersystem zu verarbeiten, habe sich nicht viel geändert. „Wir haben nur an den Technologien gearbeitet, um den Aufwand zu minimieren.“

Inzwischen gibt es eine ganze Produktpalette von „Webactive“. So rechnet ein Produkt automatisch die Provisionen bestimmter Vertragshändler aus. Ein anderes Werkzeug ermöglicht direkten Kundendialog übers Internet. Früher hatte „Intervista“ mit seinem Produkt noch Konkurrenten. Die seien inzwischen aus dem Rennen. Das System so aufzubauen, dass die Ansprüche von Firmen schnell erfüllt und Fehler mit einem Schlag korrigiert werden können, das sei ihnen nicht gelungen.

Von Rüdiger Braun

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