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Kultur „Das Sparschwein“ in Cottbus
Nachrichten Kultur „Das Sparschwein“ in Cottbus
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19:34 28.05.2018
Szene aus „Das Sparschein“ am Staatstheater Cottbus (v.l.n.r.): Thomas Harms (Christoph), Boris Schwiebert (Dr. Romance), Josephine Fabian (Bianca) und Susann Thiede (Leonie).. Quelle: Marlies Kross
Cottbus

Seit Monaten macht das Staatstheater Cottbus nicht durch künstlerische Höhenflüge, sondern durch interne Querelen auf sich aufmerksam. Erst wurde Generalmusikdirektor Evan Christ beurlaubt, dann kündigte Intendant Martin Schüler seinen Rücktritt an. Jetzt ist auch noch der Vorstandsvorsitzende der Brandenburgischen Kulturstiftung, Martin Roeder, fristlos entlassen worden. Trotz der angespannten Lage stand eine lange angekündigte Premiere auf dem Spielplan, Eugène Labiche: „Das Sparschwein“.

Stadt und Land – ein ergiebiges Thema

In der 1864 verfassten Komödie kommt eine Reisegruppe aus der französischen Provinz nach Paris, um das von ihrem Kulturverein im Sparschwein gesammelte Geld zu verprassen. Regisseur Jörg Steinberg holt die alte Klamotte in die Gegenwart. Dafür hat er sie sich von Andrè Remus neu übersetzen und überarbeiten lassen: alles was auf die sozialen Gegensätze oder sprachlichen Raffinessen von damals hinweisen könnte, ist weg gehobelt worden. Der Verein für „schöngeistige Unterhaltung und gehobene Kultur“ logiert jetzt in einem (nicht näher bezeichneten) Ort in der Lausitz, man schwadroniert im brandenburgischen Alltags-Jargon, in der Vereinskneipe spielt man Dart, singt deutsche Volkslieder, hofft darauf, dass irgendwann etwas Aufregendes passiert und verabredet sich per Smartphone mit Liebschaften und Heiratskandidaten. Denn die große Liebe und das wahre Leben suchen sie alle: der fette Apotheker, der verwitwete Rentner und seine lebenslustige Tochter, der nach Kuhmist stinkende Landwirt und der linkisch-verklemmte Notar. Und weil die Verheißungen und Lustbarkeiten nicht im Spreewald zu finden sind, plündern die Lausitzer ihr Sparschwein, setzen sich in den Zug und fahren nach Berlin, um dort im Nobel-Lokal genüsslich zu schlemmen (und dreist über den Tisch gezogen zu werden) und in einer Partner-Agentur (die sich als Bordell erweist) nach dem passenden Partner fürs Alter zu suchen.

Total überdreht und zehn Mal wiederholt

Die Komödien-Maschinerie klappert und quietscht. Dass dieselben Menschen, die ständig mit dem Smartphone hantieren und jeden Ortswechsel per Video dokumentieren und uns auf einer Leinwand zeigen, gleichzeitig auf die dümmsten Neppereien und Bauerntricks hereinfallen, glaubt niemand. Unverständlich ist auch, warum die in brauner, hellblauer, ausgebeulter Kleidung steckenden Provinzler alle so aussehen, als wäre sie in den muffigen 1950er Jahren stecken geblieben. Dass groteske Situationen nicht allein dadurch komisch werden, dass man sie total überdreht und zehnmal wiederholt, sollte sich herum gesprochen haben. Selten konnte man eine auf Aktualität getrimmte Komödie sehen, die so ziellos herum albert und von jedem bösartigen Gedanken befreit ist.

Fade Botschaft

Die Schauspieler bemühen sich nach Kräften, dem Treiben ein paar Glanzlichter aufsetzen. Axel Strohmann (Theo) spielt den den rüstigen Rentner und ewigen Besserwisser, Susann Thiede (Leonie) gibt die gramgebeugte und verbitterte Schwester, Thomas Harms (Christoph) ist ein prollig-polternder Bauer: man ahnt, dass hinter dem lauten Tohuwabohu das menschliche Grauen lauern könnte. Aber wenn am Schluss zwei Provinzler aus der Lausitz, die sich seit Jahrzehnten kennen, endlich in Berlin zueinander finden und sich linkisch küssen, bevor der Vorhang fällt, bleibt doch nur die fade Botschaft: Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt doch so nah! Von der legendären, hyper-realistischen und politisch-engagierten „Sparschwein“-Inszenierung eines Peter Stein an der Berliner Schaubühne, der sich einst von keinem Geringen als Botho Strauß den Text hat übersetzen und bearbeiten lassen, ist dieser uninspirierte Cottbusser Abend so weit entfernt wie der Mond.

Nächste Vorstellungen: 2. Juni und 6. Juli

Von Frank Dietschreit

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