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„Das Stück krepiert, wenn keiner lacht“

Schöller-Festspiele „Das Stück krepiert, wenn keiner lacht“

Zum siebten Mal finden die Schöller-Festspiele statt, die sich im Untertitel „Das Prignitz-Ruppiner Komödienfestival“ nennen. Die Hauptbühne zieht in diesem Jahr vom Gestüt in Neustadt (Dosse) nach Kampehl (Ostprignitz-Ruppin) um. Neben der „Pension Schöller“ und der „Langen Schöller-Nacht“ gibt es eine Premiere: „Bauern suchen Frauen“, ein Gastspiel aus Dresden.

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Auch der Loriot-Sketch mit Herrn Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner ist bei den Schöller-Festspielen zu sehen. Foto: Festival.

Kampehl. Als die Kinder klein waren, und Peter Schroth nicht jeden Sonntag in den Tierpark wollte, hat er eine Anzeige geschaltet. Er suchte eine Laube für das Wochenende, am Stadtrand, wo man Kräuter zieht und sie dann frisch aufs Spiegelei verteilt. Doch es kam anders. Ein Hof wurde ihm angeboten, Ostprignitz, Koppenbrück. Mitte der 70er. Schroth hat dort eine zweite Heimat gefunden. Einen Luftausgleich zur Wohnung in Berlin, eine Korrektur zum atemlosen Großstadt-Ton.

Die Prignitz samt Ruppiner Land hat er mental studiert, er weiß, das höchste Lob in dieser Ecke lautet: Gar nicht schlecht. Und wenn der Prignitzer und der Ruppiner, der oft ein Herz aus Gold hat, das aber hinter einer sprachlichen Robustheit gut verbirgt, auf einen Menschen trifft, und dieser Mensch ihm eine Spur zu näselnd sagt: „Ich komme aus Paris!“ Dann sagt der Prignitzer und der Ruppiner dem Pariser gerne: „Klapproth, Kyritz, Katzenhalter.“ Man müsste wohl in etwa übersetzen: „Junge, wir sind alle Gottes Kinder, jetzt iss erstmal ‘ne Stulle, dann sehen wir weiter.“

Peter Schroth weiß viel übers Lachen, auch übers Lachen der Prignitz

Das klingt wie maßgeschneidert für ein Lustspiel, leicht fletscht dieser Humor die Zähne, und will doch zärtlich sein. Ruppiner Land und Prignitz lacht gerne, hat Peter Schroth gelernt, und Schroth weiß einiges über das Lachen auf der Bühne. Er, 75 Jahre alt, in Dresden geboren, war als Schauspieler an großen Häusern der DDR, wurde zum Professor der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ ernannt, hat nach der Wende das Theater in Karlsruhe geleitet, arbeitete in Lissabon. Davon macht er keinen Wind, sitzt über der Apfelschorle in Kampehl, zwei Kilometer neben Neustadt (Dosse), dem Ort, wo die Schöller-Festspiele ihre große Bühne haben und wo die Mumie vom Ritter Kahlbutz für die Touristen immer noch sehr gut erhalten ruht.

Peter Schroth sieht hinter seiner Sonnenbrille aus wie Jean-Paul Sartre, der Philosoph, rundes Gesicht, nicht mehr ganz voller Schopf – doch Sartre war Pariser, Schroth ist selbstgewählter Prignitzer. Wie gesagt, der Vergleich hat Fallhöhe.

Vor sieben Jahren hat Schroth die Schöller-Festspiele gegründet, bald hat er sie „Prignitz-Ruppiner Komödienfestival“ genannt. Er weiß, Komödien werden in der Hochkultur als „zweite Garnitur“ geführt. Darüber lächelt er. „Wenn der Lacher im Publikum nicht kommt, ist die Komödie krepiert“, sagt er. Vor dem Ernst des „Hamlet“ wiederum, den er in Weimar 1987 und in Karlsruhe nach der Wende inszenierte, gehen die Leute in die Knie. Egal, wie schwachbrüstig er auf die Bretter steigt.

„Den Hamlet sollen jetzt andere machen“

Schroth interessiert das nicht mehr. „Es gibt unterschiedliche Phasen in einer Regisseurs-Biografie, meine liegt nun in der Prignitz – mich interessiert, wie die junge Generation den Hamlet inszeniert, ich halte mich da raus.“

Die „Pension Schöller“, ein Lustspiel mit Kyritzer Lokalkolorit, bildet das Herzstück der Festspiele, es erschien 1890. Jährlich wird es nun auf Schroths Festival gezeigt, begleitet von wechselnden Komödien. In diesem Jahr ist „Landeier – Bauern suchen Frauen“ eingeladen, ein Gastspiel der „Comödie Dresden“. Bereits erprobt ist „Büffel im Schlafrock“, ein Loriot-Abend, der bei den Festspielen bereits zu sehen war. Sketche des Meisters werden gespielt: „Sie machen mich ganz verrückt, Herr Melzer“, „Ich habe es im Gefühl, wenn das Ei weich ist“. Loriot, geboren in Brandenburg/Havel, steht den Prignitzern und Ruppinern in ihrem sachlichen Humor, der sich nicht gerne auf die Schenkel klopft, und dennoch auf den Bruchteil der Sekunde sitzt, sehr nahe.

7. Schöller-Festspiele (12.-21. August)

Die Schöller-Festspiele gehen in ihr siebtes Jahr, die Bühne ist vom Gestüt in Neustadt (Dosse) nach Kampehl (Ostprignitz-Ruppin) in den Schlosspark umgezogen.

„Landeier – oder: Bauern suchen Frauen“ feiert an diesem Freitag im Schlosspark Kampehl um 19.30 Uhr Premiere. Das Stück ist ein Gastspiel der „Comödie Dresden“. Zudem wird es am kommenden Samstag um 19.30 Uhr gespielt.

„Pension Schöller“ , der namensgebende Klassiker des Festivals, ist am kommenden Sonntag um 16 Uhr in Kampehl zu sehen.

„Büffel im Schlafrock“ versammelt die bekanntesten Sketches von Loriot, Peter Schroth hat die Miniaturen für die Theaterbühne bearbeitet. Zu sehen am Freitag, 19.8. (19.30 Uhr), Samstag, 20.8. (19.50 im Zuge der Langen Schöllernacht) und am Sonntag, 21.8. (16 Uhr).

Zärtlichkeiten mit Freunden , das „Musik-Kasperett“, spielt im teatro mobile „Mitten ins Herts“: Dienstag, 16.8. (19.30 Uhr) auf dem Marktplatz Kyritz, Mittwoch, 17.8. (19.30 Uhr) auf dem Schlossplatz Demerthin, Donnerstag, 18. August (19.30 Uhr) auf dem Marktplatz Wusterhausen.

Karten unter Tel.  03 31 / 28 40 284.

In diesem Jahr steht die große Open-Air-Bühne im Schlosspark Kampehl, weil im Gestüt von Neustadt (Dosse), dem traditionellen Spielort, die Übernachtungsmöglichkeiten für die Schauspieler (viele aus den Ensembles der Theater in Cottbus und Senftenberg) wegfielen. Im „Teatro Mobile“, einem umgebauten Lastwagen, wird in diesem Jahr das Comedian-Duett „Zärtlichkeiten mit Freunden“ zu sehen sein. Es spielt auf den Marktplätzen von Kyritz, Demerthin und Wusterhausen. Die mobile Bühne bietet Platz für zwei bis drei Schauspieler, sie stellt sicher, dass nicht nur Neustadt (Dosse) das Flair des Festivals atmet, sondern auch die benachbarten Kommunen Gumtow, Kyritz und Wusterhausen. Zusammen ergeben sie das sogenannte „Kleeblatt“ und beteiligen sich an der Finanzierung des Festivals, das seinen aktuellen Etat von 96 000 Euro auch aus Geldern von Kreis und Land rekrutiert. Und zur Hälfte aus dem Kartenverkauf.

Der Komiker Michael Mittermeier sagte über „Zärtlichkeiten mit Freunden“, die nun die mobile Bühne bespielen: „Ihnen gelingt es, aus Lakonie eine Dampfwalze zu basteln, und während wir über sie lachen, tuckern sie entspannt über uns hinweg.“ Dem Prignitzer und Ruppiner wird das gefallen. Da kommen zwei, die ihn verstehen.

Weil auch Peter Schroth die Gegend versteht,wächst das Festival. 2010, im ersten Jahr, kamen 1300 Zuschauer. In diesem Jahre rechnen sie mit 1800.

Von Lars Grote

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