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Kultur Misslungene Menschwerdung
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11:15 20.11.2014
Quelle: Jean-Pierre Estournet
Potsdam

So sinnlich kann Theater sein! Mit der Dramatisierung der grotesken Erzählung „Hundeherz“ von Michail Bulgakow wird das Wandertheater Ton & Kirschen die unterschiedlichsten Ansprüche erfüllen können. Mit komödiantischer Spielfreude setzt die eingeschworene Gemeinschaft, die seit 1992 auf einer Wiese in Glindow in einer Wagenburg lebt, einen beklemmend-ernsten, anspruchsvollen, hochaktuellen Stoff um.

„Wir werden mit unserem 23. Stück auch im nächsten Jahr wieder über die Dörfer ziehen. Oft spielen wir nur gegen den Eintritt“, sagt Margarete Biereye nach der gefeierten Premiere am Wochenende in der Potsdamer Tanzfabrik. Ohne staatliche Förderung, die 2014 bei 115 000 Euro liegt, würde das auf diesem Niveau nicht möglich sein. Die neun Mitglieder der Truppe spielen mindestens noch 67 000 Euro ein, ohne sich dem Publikum anzubiedern. „Wir tun das, was wir selber gut finden“, so die Wandertheater-Chefin.

Die irrsinnige Geschichte „Hundeherz“ spielt in der Zeit, in der sie auch verfasst wurde: im Winter 1924/25. Moskau war damals ein Ort, in dem sich die Revolutionäre in allen Lebensbereichen gefährlich aufplusterten. Manche Genossen konnten vor Kraft nicht laufen. Mit ihrer Idee der Schaffung eines neuen Menschen wurde die bürgerliche Normalität ausgehebelt.

Ein hungriger Straßenköter, dessen Gedanken eine Stimme aus dem Off einspricht, wird von einem Chirurgen mit etwas Wurst in dessen Praxis gelockt. Der Hund wird von zwei Marionettenspielern äußerst realistisch in Szene gesetzt. Sein Winseln in der kalten Schneenacht wird vielen Zuschauern nahegehen. Die Theaterleute erreichen die dichte Atmosphäre und die historisierende Stimmung durch naturalistische Elemente, die aber nie zu üppig eingesetzt werden. Das Spielpodest aus Dielenbrettern ist nicht größer als 35 Quadratmeter und wird zur Straße, zum bürgerlichen Salon und zum OP-Raum.

Die Zuschauer müssen mit ansehen, wie dem Hund die Hypophyse und der Hoden eines verstorbenen Alkoholikers eingesetzt werden. Das Tier erwacht zu neuem Leben, die Haare fallen ihm aus und er wird ein höchst unsympathischer Mensch.

David Johnston, der mit seiner Lebensgefährtin Biereye auch die Regie führte, verleiht der Frankenstein-Figur eine überraschend liebenswerte Aura. Die Artikulation des englischen Muttersprachlers unterstreicht seine Bürgerlichkeit. Sein Patient, zunächst eine aufgewühlt Kreatur, wird von dem Kolumbianer Nelson Leon gespielt. Er wandelt sich vom tief verunsicherten Kaspar-Hauser-Typ in ein herrisches Wesen, so wie George Orwell 18 Jahre später die Wandlung der putschenden Schweine in der Parabel „Farm der Tiere“ schildert.

Es empfiehlt sich, nicht zu warten, bis Ton & Kirschen mit einer Openair-Fassung auf Tour geht. Am kommenden Wochenende ist das „Hundeherz“ noch drei Mal in Potsdam zu sehen.

Von Karim Saab

  • Weitere Aufführungen: Fr (21.11.) und Sa (22.11.) 20 Uhr, So (23.11.) 16 Uhr. Fabrik. Schiffbauergasse Potsdam.

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