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„Das brennende Aquarium“ im Staatstheater Cottbus

Theater „Das brennende Aquarium“ im Staatstheater Cottbus

Küchenpsychologische Allgemeinplätze über missglückte Kommunikation. Eine Kopfgeburt ohne theatralischen Reiz. Die Kammerbühne am Staatstheater Cottbus spielt „Das brennende Aquarium“ basiert auf Texten des britischen Psychiaters Ronald D. Laing. Eine wenig überzeugende Inszenierung.

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Liebst du mich? Kristin Muthwill und Boris Schwiebert spielen „Das brennende Aquarium“ in der Regie von Angelika Zacek.

Quelle: Foto: Marlies Kross

Cottbus. Ausgefallene Experimente waren am Staatstheater Cottbus bisher eher nicht zu erwarten. Seit der zwischen Tanz, Theater und Musik wechselnde Jo Fabian Schauspieldirektor ist, scheint sich das zu ändern. Für die Inszenierung von „Das brennende Aquarium“ in der Kammerbühne wurden gleich drei Regisseure angeheuert, die sich in der Off-Szene einen Namen gemacht haben: Max Schumacher, Matthias Horn und Angelika Zacek nehmen sich, zusammen mit den Schauspielern Kristin Muthwill und Boris Schwiebert, Texte des 1989 verstorbenen britischen Psychiaters Ronald D. Laing vor.

Drei Regisseure, drei Teile, ein Stück

Die Aufführung basiert auf Laings Buch „Liebst du mich“? Es geht um missglückte Kommunikation, die in Missverständnissen, Sprachlosigkeit und Gewalt endet. Drei Regisseure interpretieren immer dasselbe, nur minimal variierte Textmaterial. Auch die Bühne ist fast gleich: Spiel-Podest, Sofa, Couchtisch, Stühle: alles weiß. Nur die beiden Schauspieler schlüpfen in immer neue Rollen und Kostüme.

Im ersten Teil werden die beiden Darsteller zu Wort-Akrobaten, die auf englisch und deutsch demonstrieren, dass wir die Sprache des anderen oft nicht richtig übersetzen und in unser eigenes Sprachsystem integrieren können. Sie singen, streiten, malen mit Nebelschwaden Buchstaben in die Luft, doch sie kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Im zweiten Teil verkörpern die beiden ein Paar, das sich so gern lieben würde, aber keine gemeinsame Sprache findet. Er will fernsehen, sie will reden, er will laute Punk-Musik hören, sie legt süß-romantische Schlager-Schallplatten auf: zum Schluss werden die Messer gewetzt und die Pistolen geladen. Im dritten Teil wird das Theater selbst zum Thema. Die beiden spielen einen einzigen kleinen Dialog ein Dutzend mal durch: mal sind sie jung, mal alt; mal verkleiden sie sich. Und während er als eitler Adonis stolziert, packt sie Adonis-Statuetten aus und zerschlägt sie mit dem Hammer.

Die beiden Darsteller können einem Leid tun

Die drei Varianten des Immer-Gleichen ergeben keine stimmige Inszenierung, sondern eine Kopfgeburt. Statt neuer Einsichten in die Abgründe menschlicher Kommunikation gibts küchenpsychologische Gemeinplätze. Die beiden Darsteller können einem ein bisschen leid tun: sie rackern sich zwei Stunden lang unermüdlich ab, ziehen alle Schauspiel-Register, dürfen aber doch nur psychologische Klischees und menschliche Karikaturen vorführen. Laing sagte einmal, geglückte Kommunikation sei so unwahrscheinlich wie ein brennendes Aquarium. Doch der Satz wird nicht ausgesprochen. Über der Szenerie schwebt den ganzen Abend ein Aquarium, darin: zwei sich zärtlich umspielende Fische, denen das ganze Gerede, Getue und Gezappel der Menschen schnuppe ist: kann man gut verstehen.

Staatstheater Cottbus: „Das brennende Aquarium“. Nächste Vorstellungen 2. und 25. Dezember.

Von Frank Dietschreit

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