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„Das kalte Herz“ fürs Kino

Märchendreh in Studio Babelsberg „Das kalte Herz“ fürs Kino

1950 verfilmte Regisseur Paul Verhoeven „Das kalte Herz“ für die Defa. Nun hat sich Johannes Naber des Märchens von Wilhelm Hauff angenommen. In den Hauptrollen sind Frederick Lau als armer Köhler Peter Munk und Henriette Confurius als seine Angebetete Lisbeth zu sehen. Der Film soll im Herbst 2016 ins Kino kommen.

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Regisseur Johannes Naber (r.) verfilmt „Das kalte Herz“ mit Henriette Confurius und Frederick Lau.

Quelle: julian stähle

Babelsberg.
Eine dicke schwarze Schmierschicht klebt auf Frederick Lau, auf Gesicht, Hals, Schultern, Armen: „Abends waschen mir immer zwei Ladys von der Maske eine Dreiviertelstunde das Zeug runter“, plaudert der zweifache Filmpreis-Gewinner am Donnerstag bei einem Settermin im Studio Babelsberg. Lau (25) spielt in der Neuverfilmung „Das kalte Herz“ den armen Köhler Peter Munk, der einen teuflischen Pakt mit dem fiesen Holländer-Michel schließt und sich von ihm einen Stein in die Brust setzen lässt. Peter wird rücksichtslos, reich und angesehen. So weit, so bekannt – das Märchen von Wilhelm Hauff.

Regisseur Johannes Naber krempelt „Das kalte Herz“ nun nicht gänzlich um, peppt es jedoch mit Stockkämpfen, starken Frauenfiguren, neuen Charakteren, neuen Konstellationen auf. Aktuell ist der Stoff damals wie heute: „Die universelle, antimaterielle Botschaft des Märchens hat mich angetrieben“, sagt Naber, der bereits in „Zeit der Kannibalen“ gesellschaftskritische Themen verhandelte. Gleichzeitig verneigt sich der Regisseur vor Paul Verhoevens legendärer Defa-Verfilmung von 1950, die ebenfalls in Babelsberg gedreht wurde. „Ein wegweisender, zeitloser Film.“ Für Lau sei es eine „Offenbarung“, mit Naber drehen zu dürfen. Überhaupt – seine Rolle: „Eigentlich spiele ich ja drei verschiedene Figuren.“ Vom armen Köhler zum rücksichtlosen Reichen ohne Herz und zum Mann, der sein Herz zurückbekommen muss, um seine Geliebte wiederzugewinnen – Frederick Lau durchlebt verschiedene Phasen Peter Munks.

An der Seite von Lau spielt die bezaubernde Henriette Confurius Peters Angebetete Lisbeth. Den diabolischen Holländer-Michel gibt Moritz Bleibtreu, das Glasmännchen Milan Peschel.

Zwei Drittel des im Schwarzwald angesiedelten Films sind bereits abgedreht, darunter an Originalmotiven. Im Studio Babelsberg entstehen nun Szenen vom Beginn der in einer „archaischen Vorzeit“ spielenden Geschichte. Szenenbildner Julian Wagner hat eine „eigene Welt mit einem außergewöhnlichen Look“ geschaffen, ohne historisch korrekt sein zu müssen. Zentrales Außenmotiv sei das „Dorf Gutach“ auf dem „Neuen Filmgelände“ an der Ahornstraße. Etwa 40 Handwerker vom studioeigenen Art Department waren zwei Monate mit dem (Um-)Bau der Kulissen beschäftigt. „Im Gegensatz zu zeitgenössischen Stoffen ist ein Märchenfilm mehr von der Handwerkskunst abhängig“, sagt Studio-Boss Charlie Woebcken mit Verweis auf die Tradition des Babelsberger Märchenfilms. Über das Budget von „Das kalte Herz“ haben sich Produzent Steffen Reuter von Schmidtz Katze Filmkollektiv und Woebcken ausgeschwiegen. Die Verfilmung werde viel „emotionale und intellektuelle Tiefe“ bekommen, aber definitiv „kein Familien-Entertainment“ werden, so Reuter. Zielgruppe seien junge Erwachsene. „Meine einjährige Tochter wird den Film also noch lange nicht sehen dürfen“, sagt Lau.

„Das kalte Herz“ ist die zweite Zusammenarbeit zwischen Schmidtz Katze Filmkollektiv und Studio Babelsberg nach der Oscar-nominierten Produktion „In Darkness“ (2011) von Agnieszka Holland. Nur so viel: Man befinde sich mit den Produktionskosten im einstelligen Millionenbereich. Nach dem vergangenen Verlustjahr sei für das Studio 2015 insgesamt „ganz gut gelaufen“, sagt Woebcken. Weltkino Filmverleih wird „Das kalte Herz“ im Herbst 2016 in die deutschen Kinos bringen.

Von Ricarda Nowak

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