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Das kommt alles in den Mixer

MAZ-Konzerttipp Das kommt alles in den Mixer

Was anderes als ein Global-Gebräu hätte man wohl erwarten können aus New York? Red Baraat jedenfalls singen, trommeln und tröten. Die achtköpfige Truppe fühlt sich musikalisch nicht nur im Norden Indiens zu Hause, sondern auch im HipHop, Rock und Jazz. Und zwar mit Tempo und Tricks im (sub-)tropischen Sound-Mix.

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Des Trommelns kundig: Red Baraat.

Quelle: Shervin Lainez

Potsdam. Die Weisen im Norden Indiens haben die Köpfe zusammengesteckt, debattiert und am Ende ratlos ihr Häupter geschüttelt. Denn gegen diesen Sound ist einfach kein Kraut gewachsen – man muss tanzen bis der Arzt kommt bei Red Baraat. Die Truppe aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn ist eindeutig auf Kaperfahrt. Woher sie kommen, wohin sie gehen – irgendetwas von der Musik der Einheimischen verschwindet mit ihnen und geht in den bisherigen Klangerfahrungen auf.

Rund um die Welt

Mit Tania Saleh an einer Straßenkreuzung zu stehen, heißt sich auf ein arabisches Abenteuer einzulassen. Die Libanesin denkt gleich mehrdimensional. Bringt Kalligraphie mit Street Art und Musik mit Poesie zusammen. Für zeitgenössische Gedichte und eigene Texte findet sie eine moderne, aufregende, dabei höchste aromatische Musik-Mixtur. Woran der Produzent und Komponist Khalil Judran eine gehörige Aktie hat. Entstanden ist ein Zauberklang aus avancierter Elektronik, Pop-Finesse, fintenreichen Beats, tiefen Bässen und traditionellen Melodien und Instrumenten. Ein Brückenschlag zwischen Ost und West. Tania hofft in ihren Stücken auf einen Wendepunkt, der die zerklüftete arabische Welt zum Positiven bewegt.

Tania Saleh: Intersection. Kirkelig Kulturverksted/Indigo.

Steh auf! Denk nach! Mach was draus! Zara McFarlane, die britisch-jamaikanische Vorfahren hat, traut sich was: Nämlich nicht weniger als den brodelnden, bisweilen hektisch aufgeladenen Jazz der Londoner Szene mit Reggae kurzzuschließen. Zu dem auch die Trommelkunst jener Sklaven gehört, die einst von Afrika auf die Insel gebracht wurden, und die Versenkung in tief tönende Dub-Strukturen gehören. Überflüssig, zu erwähnen, dass die Sängerin, die den tiefen Reichtum des karibischen Erbes erschließt, sich aufs gekonnte bluesige Phrasieren samt feinen Vokalisen im Scat versteht. Zara tritt am 6. November um 20 Uhr im Prince Charles in Berlin-Kreuzberg auf.

Zara McFarlane: Arise. Brownswood Recordings/Rough Trade.

Dieses Geigenspiel fällt auf. Sudan Archives, in Ohio aufgewachsen und jetzt in Los Angeles zu Hause, hat ihren unangepassten, irgendwie folkigen und dem Spiel sudanesischer Musikanten abgelauschten Stil auf dem – auch gezupften – Streichinstrument selbst entwickelt. Dazu packt sie bratzende, britzelnde, klickende, klackende und bisweilen leiernde Rhythmen aus dem Computer. Elektronisches Experiment und HipHop bleiben sich bei dieser jungen Sängerin nicht fremd. Geschickt schichtet sie die Klangspuren übereinander, lässt es hallen, vervielfältigt die Stimmen. Aber alles im Alleingang. Groß.

Sudan Archives. Sudan Archives. Stones Throw/Groove Attack.

Sucht man hierzulande nach ähnlich unkonventionellen Verknüpfungen von Blasmusik und anderen Einflüssen, kommt einem sofort LaBrassaBanda in den Sinn. Gut im Schmettern auf balkanischem Blech sind auch Fanfare Ciocarlia aus dem Roma-Dorf Zece Prăjini im Nordosten Rumäniens.

Red Baraat sind aber wohl noch etwas tollkühner: Schließlich verdrahten sie auf ihrem aktuellen Album „Bhangra Pirates“ den unwiderstehlichen und den ganzen Körper in exaltierte Schwingungen versetzenden Sound von Hochzeiten im Punjab mit funkigem Rock, Hip-Hop-Elementen. Latino-Perkusssion und eben Bläser-Orgien, die man zwar Jazz nennen kann, aber nicht muss. Auch damit andere keine Berührungsängste haben. Was man bei dieser speziellen, höchst schwungvollen Melange, die das vielköpfige Ensemble anrichtet, ja ebenfalls der Fall ist. Kommt alles in den Mixer. Und ihr werdet schon sehen: Tanzen geht ganz von allein.

Das Konzert: Red Baraat spielen am Sonntag, dem 29. Oktober, um 20.30 Uhr im Gretchen in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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