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„Das schönste Konzerthaus der Welt“

Potsdamer Kammerakademie in der Elbphilharmonie „Das schönste Konzerthaus der Welt“

Die Hamburger Elbphilharmonie ist in aller Munde, sie gilt als spektakulär schönes Konzerthaus – an diesem Montag konnte dort die Potsdamer Kammerakademie ihr erstes Gastspiel geben. Ein Erfolg vor ausverkauftem Haus. Von den Mitgliedern des Orchesters gab es im Anschluss an den Auftritt durchgehend Bestnoten.

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Die Potsdamer Kammerakademie am Montag im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Quelle: Asmus Meyer-Plath

Hamburg. Fazil Say steigt aufs Parkett, der Mann geht leicht gebückt, wie eine Katze kurz vom Sprung. Der Pianist trägt eine schwarze Lederhose, Say setzt sich an den frisch polierten Flügel, schaut unters Dach des Saales, als würden dort die Sterne leuchten. Dann legt er los, zwölf Takte, sie zählen zu den schönsten und ergreifendsten, die Mozart je geschrieben hat. 2. Satz, 23. Klavierkonzert A-Dur. Mit jedem Ton sinkt Say noch eine Handbreit tiefer auf die Tastatur. Der Mann ergibt sich dieser Melodie, zu der man weinen möchte, weil sie traurig ist, und die doch in den Arm nimmt und tröstet. Ihm zur Seite Potsdam. Die Potsdamer Kammerakademie schweigt. Sie wird sich noch zu Wort melden, wenn die zwölf Takte verglüht sind.

Probe, kein Publikum im Saal. Es ist der Saal, vom dem die Welt jetzt spricht. Elbphilharmonie, Hamburg! Alle möchten hinein, weil dieses Haus bereits der Star ist, seine Statik atmet Leichtigkeit von einem filigranen Kartenhaus. Herrlich wetterwendisch wirkt es, bei Sonne funkelt die Philharmonie wie ein Juwel, bei „Schietwetter“ bewahrt es Haltung wie ein dicker Pott aus Übersee. An diesem Montag ist Schietwetter. Was im Hamburger Hafen als Normalfall gilt.

In Windjacken und Schuhen, mit denen man auch durch die Alpen kommt, besteigen die Musiker das Haus, hoch in den 10. Stock. Eine Frau, so freundlich wie die Damen in Hotellobbys, schaut nach, ob der Name in ihrer Liste steht. Der Saal ist jung, er ist ein Wahrzeichen, nichts soll passieren. Draußen vor der Elbphilharmonie stehen die Polizisten. Drinnen die freundliche Dame. Zwei grundverschiedene Gesichter, die nur für eines sorgen: Sicherheit.

„Echo Klassik“ im Jahr 2015

Die Kammerakademie Potsdam ist das Hausorchester des Nikolaisaals, als weitere Spielstätte in Potsdam nutzt es die Friedenskirche im Park Sanssouci.

Den „Echo Klassik“ erhielt die Kammerakademie 2015 als bestes Ensemble/Orchester des Jahres.

Antonello Manacorda , 1970 im italienischen Turin geboren, ist seit der Spielzeit 2010/2011 Chefdirigent.

Als Solisten konnten u. a. Julia Fischer, Sol Gabetta, Albrecht Mayer und Daniel Müller-Schott gewonnen werden.

Die Elbphilharmonie wurde nach zehn Jahren Bauzeit am 11.  Januar 2017 im Hamburger Hafen eröffnet, mit sieben Jahren Verzögerung.

Erster Schritt in den Großen Saal, die Potsdamer Kammerakademie erobert das Terrain mit Ehrfurcht. Antonello Manacorda kommt, graue Jeans, blaues Hemd, die Probe spielen sie noch in Zivil. Manacorda reckt sich, als prüfe der Dirigent die Schwerkraft der Halle. Er wird hoch auf die Ränge steigen, um zu hören, wie die Akustik ist.

Akustik! Was für ein Zauberwort. Immer wieder diese Frage: Wie klingt der Saal? Es liegt eine Spannung in dem Satz, als würde er bedeuten: Ist die Geburt glücklich verlaufen?

Christiane Plath, Potsdamer Stimmführerin der Zweiten Geigen, sagt nach der Probe: „Der leere Saal transportiert alles, man hört jeden Zischlaut. Ein fantastisches Flair, es versackt nichts. Doch es mischt sich nichts von selbst, wir müssen uns den Gruppenklang erarbeiten.“ Das klingt nach Risiko, doch die Dame mit den Locken und den wachen Augen lässt sich ihre Euphorie nicht nehmen: „Die Elbphilharmonie atmet Frische und Leichtigkeit, der Klang bricht nicht. Wir wissen noch nicht, wie das Haus mit Publikum reagiert.“ Im Potsdamer Nikolaisaal stecke hingegen eine „Weichheit“, sagt Christiane Plath, „dort ist es nötig, sehr artikuliert zu spielen, das mussten wir lernen.“

Das Atmen erinnert an einen Ball, aus dem die Luft entweicht

19 Uhr, fast ist die Probe vorüber, um 20 Uhr beginnt das Konzert. Die Kammerakademie atmet gemeinsam, um Lockerheit und Konzentration zu stärken – es klingt, als wenn aus einem Ball die Luft entweicht.

Sie ziehen sich um, Grundton Schwarz, das Programm wird knappe zwei Stunden dauern, mit Pause. Sie beginnen mit Haydns Ouvertüre zur Oper „Armida“, dann Mozarts Klavierkonzert mit diesen magischen zwölf Takten am Flügel, Fazil Say spielt wie ein Zauberer, er treibt die Potsdamer zur Höchstform. Nach der Pause Says eigene, moderne Komposition, das Klavierkonzert „Silk Road“, am Ende Mozarts Sinfonie Nr 40 g-Moll. Die Kammerakademie spielt wie im Rausch, es ist ein Höllentempo.

Wie die Akustik also war mit Publikum? Meesun Hong Coleman, Konzertmeisterin der Kammerakademie, urteilt: „Es war weicher als in der Probe, es lief glänzend. So ist es meistens, bei der Probe ist man unsicher, beim Konzert klappt es super. Vielleicht ist das Psychologie.“

Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer des Orchesters, sagt: „Es ist eine riesige Ehre für uns, in der Elbphilharmonie zu spielen. Dort ist die Nachfrage nach hochwertigem Programm sehr hoch – wir wurden angesprochen, ob wir auftreten wollen. Und werden öfter kommen.“

Von einer verlorenen Wette erzählt Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch, die mitgereist war: „Unser Ministerpräsident Dietmar Woidke hat mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz gewettet, ob der BER oder die Elbphilharmonie eher fertig wird. Hamburg hat gewonnen. Man muss auch gönnen können.“ Sie lächelt.

Und Christine Plath von der Kammerakademie? Ihr Resümee ist bündig: „Das schönste Konzerthaus der Welt!“

Von Lars Grote

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