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00:20 23.10.2017
„Meine Tür“ von Wolfgang Peuker (Ausschnitt). Quelle: Punctum/Peter Franke
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Potsdam

Die Kunst möchte manchmal auch etwas imaginieren, was nicht zu sehen ist. Der Leipziger Wolfgang Peuker, der 2001 im Alter von nur 56 Jahren in Groß Glienicke gestorben ist, malte 1973 eine geschlossene, aber nicht verriegelte Tür in einem Altbau. Bildausschnitt und Detailversessenheit erinnern an ein Foto. Doch Peuker hatte die gestrichenen Holzflächen sowie das Foto über dem Kastenschloss mühevoll mit Ölfarbe kopiert. Während die Postkarte mit dem Marlene-Dietrich-Bild vorsätzlich angebracht wurde, folgt das rote Handtuch an der Klinke wohl eher einer spontanen Eingebung.

Peuker nennt sein 49 Zentimeter hohes Bild „Meine Tür“. Sie könnte der Zugang zu seiner Privatsphäre sein oder auch zu seinem Atelier. In diesem Falle würden hinter der Wand Bilder von ganz anderem Kaliber stehen, kaum Stillleben. Peuker verstand sich nämlich vor allem als Porträtist. Sein Thema war die menschliche Figur. In zusehends altmeisterlicher Manier und klassizistischen Posen verewigte er Zeitgenossen und auch Helden der Geschichte. Zunächst waren es sozialistische Brigaden, später Frauen, die ihm nahe standen, Künstler und Charakterköpfe.

Peuker nimmt mit dem Tür-Bild metaphorisch ein Schicksal vorweg, das ihn wenig später ereilte. Ende der 1970er erhielt er den ehrenvollen Auftrag, einen Bilderfries für das Neue Gewandhaus in Leipzig anzufertigen. Er schuf einen 22 Meter breiten Reigen aus nackten Frauen und ließ sich dabei von Gustav Mahlers Liederzyklus „Gesang vom Leben“ inspirieren. Noch vor Fertigstellung und Eröffnung des Hauses missfiel das Werk auf dem Unterboden des Konzertsaals dem Hausherren Kurt Masur und den SED-Oberen. Das Fries wurde übertüncht und mit Holzpaneelen verschalt. Zu nackt, zu unschicklich und zu düster soll Peukerts Werk in ihren Augen gewirkt haben. Bisher haben sich die Leipziger geweigert, die Verschalung zu entfernen und sein Wandbild zur Besichtigung freizugeben.

Von Karim Saab

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