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Das will uns die Merkel-Raute sagen

Körpersprachen-Experte im MAZ-Interview Das will uns die Merkel-Raute sagen

Was macht Angela Merkel da mit ihren Händen, ist das eine magische Raute, gar ein Geheimzeichen? Und warum wirkt ihr Vize-Kanzler immer so schlecht gelaunt? Stefan Verra tritt Freitag mit seiner Show zur Körpersprache im Lindenpark Potsdam auf. Im Interview plaudert er über Eigenheiten der Politiker und verrät, ob Smartphones unsere eigene Körpersprache verhunzt haben.

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Angela Merkels (CDU) Finger berühren sich nur leicht. Die sanfte Raute ist ein Hinweis auf ein geringes Stressniveau. Foto: DPA

Potsdam. Der Österreicher Stefan Verra berät seine Fans, aber auch Manager und andere Führungskräfte in Sachen Körpersprache. Nur für Politiker arbeite er nicht, sagt er im Gespräch mit der MAZ.

Nicht schwer zu erraten, was Stefan Verra hier tut

Nicht schwer zu erraten, was Stefan Verra hier tut: lachen!

Quelle: Promo


MAZ:
Wenn Sie einen Freund treffen, fragen Sie, wie es ihm geht?

Stefan Verra: Wenn ich es frage, dann manchmal, um die Diskrepanz zwischen der Antwort und dem tatsächlichen Gefühl zu erkennen. Die Worte sagen, alles ist gut – aber die Körpersprache verrät, ob das stimmt.

Sie fragen also nur, weil Sie wissen wollen, wie sehr sich jemand verstellt.

Verra: Nein, aber mir fällt es auf. Ich will von meinen Kindern zum Beispiel wirklich wissen, wie es in der Schule war. Schon in der Kindheit beginnt ein Mensch aber, Dinge für sich zu behalten. Wenn das so ist und meine Kinder ein Problem aus der Schule nicht offenbaren, erkenne ich es an der Körpersprache.

Ich habe während Ihrer Antwort an die Decke geschaut und mich am Bart gekratzt – was habe ich gedacht?

Verra: Das weiß ich nicht genau. Vielleicht hat es Sie am Kinn gejuckt oder Sie haben zu meiner Antwort Bilder im Kopf entworfen. Körpersprache heißt nicht, Einzelsignale immer eindeutig lesen zu können. Verschränkte Arme bedeuten auch nicht automatisch Verschlossenheit.

Gibt es Profis, die ihren Körper lügen lassen?

Verra: Sie spielen wahrscheinlich auf Politiker oder Manager an. Ich erlebe, dass Führungskräfte souverän wirken wollen und innerlich unsicher sind. Je weiter ein Körperteil vom Gehirn entfernt ist, umso weniger haben Sie es unter Kontrolle. Mag sein, dass eine starre Mimik entschlossen wirkt, an den tänzelnden Beinen erkennt man die Unsicherheit.

SPD-Chef Sigmar Gabriel tänzelt nicht, aber hat sich in Interview nie unter Kontrolle.

Verra: Schlechte Laune ist bei Sigmar Gabriel wohl ein Dauerzustand (lacht). Es wird immer über die ernst wirkenden Nasolabialfalten von Angela Merkel gelästert, dabei lächelt Sigmar Gabriel noch weniger. Ich war immer verblüfft von Bildern, die ihn mit Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf bei Parteiveranstaltungen zeigten. Alle mit unglaublich missmutigen Gesichtern. Wenn die dann vom gesellschaftlichen Aufbruch sprachen, habe ich mir vorgestellt, die würden in einem Kindergarten mit dieser Mimik vom Aufbruch sprechen. Kein Kind hätte sie ernst genommen.

Sie könnten den Politikern helfen.

Verra: Ich bekomme viele Anfragen von Politikern, aber ich lehne sie ab. Meine neutralen Analysen der Politiker verschiedener Parteien wären unglaubwürdig, wenn mir etwa die SPD oder CDU Honorare zahlen würde.

Dann müssen wir uns jetzt die CDU vorknöpfen – am besten die Kanzlerin und ihre Hände…

Verra: … die berühmte Merkel-Raute. Ein Mensch aus Baden-Württemberg sagte mir, das sei ein Freimaurer-Symbol, ein anderer, es sei ein Machtdreieck.

Und?

Verra: Fakt ist, vor 20 Jahren hingen Merkels Arme lasch an den Seiten hinab, sie ließ ihren Kopf hängen, das Haar verlief glatt und senkrecht nach unten. Wenn alle Linien nach unten verlaufen, geht im optischen Auftreten Energie verloren. Heute ist sie horizontaler frisiert, ihre Hände hält sie frontal vor der Hüfte. Das vermittelt mehr Energie. Interessant ist, dass sie ihre Fingerspitzen ganz sanft berührt.

Tipps vom Experten für Körpersprache

Der Österreicher Stefan Verra coacht Firmenmitarbeiter, Geschäftsleute, Sportler und Personen des öffentlichen Lebens. Für Sender wie ARD,
RTL und Sat 1 hat er zum Beispiel von Sportlern die Körpersprache analysiert, in kurzen Videos auf seiner Facebook-Seite gibt er körpersprachliche Tipps. Vor Kurzem ist sein Buch erschienen: „Hey, dein Körper spricht! Worum es bei Körpersprache wirklich geht“, 240 Seiten, 50 Bilder, 14,95 Euro, erschienen bei Edel Books.


Show
„Ertappt! Körpersprache: Echt männlich. Richtig weiblich“ gastiert Stefan Verra am Freitag im Lindenpark Potsdam. In dem Programm klärt er die wichtigsten Fragen rund um die Körpersprache, hinterfragt Halbwahrheiten und räumt mit Mythen auf. Beginn ist um 20 Uhr, die Karten an der Abendkasse kosten 32 Euro.

Warum ist das interessant?

Verra: Wenn wir das vor einer Meute von Journalisten machen würden, wären unsere Finger vor Nervosität verknotet. Dass sie es schafft, lässt auf einen niedrigen Cortisolspiegel schließen. Das ist ein Stresshormon, wir folgen Menschen gerne, die davon wenig haben und uns Souveränität in schwierigen Situationen vermitteln.

Sollten Politiker nicht auch menschlich und emotional wirken?

Verra: Absolut. Merkel hat immer die gleiche Haltung. Damit schränkt sie sich in Ihrer Wirkung stark ein. Etwas mehr Vielfalt in ihren Bewegungen würde ihren Auftritten mehr Emotionalität und damit Zugänglichkeit verleihen. Merkel steht mit ihrer stabilen aber unbewegten Haltung wahrlich nicht für Revolution.

Und was ist mit unserer eigenen Körpersprache – haben Smartphones uns verhunzt?

Verra: Eher im Gegenteil – es gibt neue Wege, Körpersprache mitzuteilen. Die Emoticons, die wir in eine SMS tippen, zeigen, wie abhängig wir von ihr sind. Wir haben ein starkes Bedürfnis, uns über die reinen Worte hinaus auszudrücken. Wenn ich „Du bist ein Depp“ schreibe und ein Tränen lachendes Gesicht hinzufüge, zeige ich – das ist ironisch gemeint.


Interview: Maurice Wojach

Von Maurice Wojach

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