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Kultur Dawanda ist auseinander
Nachrichten Kultur Dawanda ist auseinander
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11:16 07.07.2018
Da bricht Bastelfreunden das Herz: Dawanda, der einzige Ort, an dem Filz etwas Gutes war, macht dicht. Quelle: Fotolia
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Hannover

Wo soll man bitte in Zukunft seine pastellfarbenen Eulenkissen, Windeltorten und handgeschnippelten Ermunterungspostkarten kaufen (“Oma, du hast Silber im Haar und Gold im Herzen“)? Wo beziehe ich jetzt meine Donut-Broschen, Haifischzahnketten und Häkel-Birnen?

Dawanda. Das war ein emotionales Bällebad in einer unruhigen Welt. Eine Oase des Friedens voller guter Dinge wie Glückswichtel und Schmunzelsteine. Und Wandtattoos natürlich. Jeder Menge Wandtattoos.

Was früher die Pfeilspitzenapplikation auf der Furnierschrankwand war, das ist heute die Vorstadt-Lyrik der Spruchtapete: Nonkonformismus für Jägerzaunpiraten, die lieber temporär ihre Behausung beschriften als dauerhaft sich selbst.

“Sie eingefrorener Walfisch“

Ist es tatsächlich möglich, dass da draußen Menschen leben, die es begrüßen, wenn in ihrem Wohnzimmer überm Sofa in vier mal zwei Metern Größe steht: “Das Unmögliche wagen, um das Mögliche möglich zu machen“? Die jeden Morgen lesen wollen “Leben heißt nicht, zu warten, dass der Sturm vorüberzieht, sondern im Regen zu tanzen“, bevor sie zur Arbeit fahren?

Wenn ich ein Wandtattoo wählen müsste, dann würde ich an die Wand schreiben, was Albert Einstein 1905 an seinen Freund Conrad Habicht schrieb: “Was machen Sie denn, Sie eingefrorener Walfisch, Sie geräuchertes, getrocknetes, eingebüchstes Stück Seele?“ DAS gehört an jede Wand.

Junge Mütter brauchen ihren Stoff

Heimatlose Dawanda-Kundinnen sollen sich ab sofort an die internationale Konkurrenz Etsy halten. So ist das im globalisierten Knuddelkissenhandel. Da heißt es nicht mehr “in der Nähe“. Da heißt es “Inder, nähe!“.

Und was machen all die Jungmütter in der Spätphase der Elternzeit jetzt am Nachmittag, wenn nach Monaten im Kriechgang so langsam das Gefühl aufsteigt: “Noch ein Cappuccino auf dem Spielplatz, und ich muss etwas zerstören“?

Wo verkaufen sie jetzt die Früchte ihrer deeskalatorischen Näh-Sessions? Junge Mütter brauchen einfach ihren Stoff. Das wussten schon die Rolling Stones. Haltet durch! Und schönes Wochenende.

Von Imre Grimm

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