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Kultur Potsdams Ehrenbürgerin Helga Schütz ausgezeichnet
Nachrichten Kultur Potsdams Ehrenbürgerin Helga Schütz ausgezeichnet
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22:24 30.11.2018
Potsdams Ehrenbürgerin Helga Schütz. Quelle: Michael Hübner
Potsdam

Helga Schütz wohnt nur einen Steinwurf entfernt vom Studio Babelsberg. Manchmal nimmt die 81-jährige Schriftstellerin zum Einkaufen eine Abkürzung und läuft quer über das Gelände. Da passiert es schon mal, dass eine ehemalige Defa-Mitarbeiterin, die gerade Touristen durch die Studios führt, sie erkennt und durch das Megafon ruft: „Das ist Helga Schütz. Sie hat viele Drehbücher für Defa-Filme geschrieben“.

Helga Schütz schmunzelt, wenn sie diese Anekdote erzählt. Zwar hat sie im Laufe der Zeit viele Szenarien für Dokumentationen und Spielfilme geschrieben, aber so ganz ungetrübt war das Verhältnis zur Defa zu Beginn ihrer Karriere nicht. Egal: Schnee von gestern. Am Freitagabend erhielt sie in der Berliner Akademie der Künste von der Defa-Stiftung den mit 10 000 Euro dotierten Preis für ihr Lebenswerk. Die Autorin, wie gewohnt mit ihrem langen geflochtenen Zopf, dankte allen, die unerschrocken an ihre Bücher geglaubt haben, obwohl viele nicht realisiert wurden. „Christel und Roland Gräf, Lothar Warneke, Egon Günther – ich vermisse euch!“, erinnerte sie an Regisseure und Dramaturgen, mit denen sie einst zusammenarbeitete. „Wenn der Name Helga Schütz im Vorspann auftaucht, ist das eine Empfehlung“, sagte die langjährige Lektorin des Aufbau-Verlags, Angela Drescher, in ihrer Laudatio. „In ihren Drehbüchern ist nichts gefällig, manches ist aberwitzig, poetisch, provozierend.“

Nach dem Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Potsdam mochte sie den eingeschlagenen wissenschaftlichen Weg nicht fortsetzen. „Ich habe mir eher vorgestellt, ein Kino zu leiten oder Programmankündigungen für den Filmspiegel zu schreiben“, erzählt die 1937 im schlesischen Falkenhain Geborene. „Außerdem wollte ich unbedingt in Potsdam bleiben und da bin ich auf die Filmhochschule in Babelsberg gestoßen“.

Großer Krach an der Filmhochschule

Von 1958 bis 1962 studiert sie dort Dramaturgie und entdeckt das Schreiben für sich. Doch es kommt zu Streitereien und Helga Schütz verlässt die Schule nach einem großen Krach. „Ich habe mein Examen gerade noch so geschafft“, erzählt sie. Eigentlich hatte man für sie eine Stelle beim Kinderfilm vorgesehen, doch das kam nach dem Zerwürfnis nicht mehr in Frage. Helga Schütz war arbeitslos. Ein Unding in der DDR. „Glücklicherweise hatte ich noch gute Bekannte in der Dramaturgie. Sie wussten, dass ich schreiben kann und vermittelten mir Aufträge“. Als freischaffende Drehbuchautorin schrieb sie über Verkehrserziehung für Kinder, über Porzellanherstellung und Glockenguss. Unterwegs zu sein, auf Recherche gefiel Helga Schütz.

„Lots Weib“ war das Regiedebüt von Egon Günther – für Helga Schütz war der Film der Einstieg als Szenaristin für fiktionale Stoffe. Quelle: HUBERT LINK/DPA

Bald lernt sie ihren Kollegen Egon Günther kennen, sie werden ein Paar. Beide teilen eine Sympathie für verletzliche Menschen, die sich im Alltag zurechtfinden müssen sowie eine grundlegende Skepsis gegenüber Machtstreben jeder Art. Der Film „Lots Weib“ über eine Frau, die sich von ihrem Mann scheiden lassen will, der aber nicht einwilligt, ist 1965 sein Regiedebüt und für sie der Einstieg als Szenaristin fiktionaler Filme. Ihr erster eigener Film sollte kurz darauf etwas für Kinder sein – die brisante Geschichte einer Taschenlampe, die jeden, der lügt in die Luft schweben ließ: „Wenn du groß bist, lieber Adam“. Inspiriert hatte sie der Film „Wenn der Kater kommt“ von Vojtech Jasny über einen Kater,der durch seinen kritischen Blick den wahren Charakter der Menschen in einer mährischen Kleinstadt enthüllt. Egon Günther übernahm die Regie und machte aus dem Thema einen Film für Erwachsene. Noch vor der Fertigstellung wurde der Film 1966 verboten. „Damit hatten wir nicht gerechnet. Schließlich war unser Film längst nicht so politisch wie etwa ,Das Kaninchen bin ich’“, meint Helga Schütz.

Nach dem Verbotsfilm folgten die Romane

Nach dem Verbotsfilm hatte sie es wieder schwerer. Ihre Angebote passten nicht so recht in den Plan. Helga Schütz entschied sich, Prosa zu schreiben. Drehbücher gehörten letztlich immer auch dem Regisseur, der sie verwertet. „Ich wollte etwas schreiben, was nur mir gehört.“ Ein Glücksfall. Heute gehört sie zu den großen Schriftstellerinen der Gegenwart, mit Werken wie „Grenze zum gestrigen Tag“ (2000) „Dahlien im Sand“ (2002) „Sepia“ (2012) und „Die Kirschendiebin“ (2017).

Aber von den Drehbüchern konnte sie damals dennoch nicht lassen. 1967 schrieb sie das Szenario für „Sieben Sätze über das Leben“, einer Doku über das Thema Unterricht, bei der Peter Ulbrich Regie führte. Ein Jahr darauf wurde der Film mit dem Heinrich-Greif-Preis 1. Klasse, dem Film-und Fernsehpreis der DDR, ausgezeichnet. Ein Triumph gegenüber all jenen, die ihr einst eine feste Arbeitstelle verwehrt hatten. „Das war sehr schön für mich. Ich musste zum Rat der Stadt und bekam endlich eine Steuernummer. Das machte vieles leichter.“

Historische Stoffe mit großer Faszination

Bis Ende der 1970er Jahre schrieb Helga Schütz Szenarien und Bücher zu bekannten Filmen wie „Die Leiden des jungen Werther“, den erneut Egon Günther inszenierte, „Addio, piccola mia“ von Lothar Warneke und Roland Gräfs „Fallada“. „Die historischen Stoffe haben mich fasziniert, vor allem zu sehen wie viel Gegenwart darin steckte“, sagt sie. Nach der gemeinsamen Keller-Adaption „Ursula“ verlässt Egon Günther die DDR und sie arbeitet kaum mehr für die Defa. Erst nach der Wende, als Günther zurückkehrte, machten sie ihren letzten Film zusammen: „Stein“ über die Nischenexistenz eines Schauspielers in der DDR.

Wie viele ihrer Drehbücher in all den Jahren nicht umgesetzt oder gleich verworfen wurden, kann Helga Schütz gar nicht mehr sagen. Es spielt auch keine Rolle mehr. Längst hat sie sich mit diesen Umständen versöhnt.

Von Claudia Palma

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