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Der Abend der jungen Rebellen

MAZ-Konzerttipp Der Abend der jungen Rebellen

Folkmusiker können Aufrührer sein. Oder an Rebellen erinnern. Wie an jene, die vor 100 Jahren beim Osteraufstand für ein unabhängiges Irland kämpften und starben. Doch Musik, besonders wenn sie von der grünen Insel kommt, macht hier nicht Halt. Sie lebt ihren Wandel. Was in jedem Jahr den besonderen Reiz des Irish Folk Festivals ausmacht.

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Beoga – das Spitzenteam der diesjährigen Festivalausgabe.

Quelle: Promo

Berlin. Ostern 1916. Europa steckt mitten in einem vernichtenden Krieg, der nach der ganzen Welt greift. Nur wenige Hundert Kilometer von den Schützengräben in Frankreich entfernt, greifen in Dublin Arbeiter, Gewerkschafter und Schriftsteller zu den Gewehren. Die Iren streben nach Unabhängigkeit von England, das sie über Jahrhunderte beherrscht hatte. Der Osteraufstand war dafür das Fanal – und nach sechs Tagen zu Ende. Nach Bürgerkrieg und dem Anglo-Irischen Vertrag wurde sollten bis Irland, allerdings ohne die sechs Grafschaften im äußersten Nordosten, 1949 völlig unabhängig von der Krone.

100 Jahre ist her, dass die Rebellen zum Easter Rising aufriefen. Ein guter Grund für die Künstler des Irish Folk Festivals auf diese Zeit der Irrungen und Wirrungen, der Träume und zerstörten Hoffnungen zurückzublicken und zugleich um zu sehen, was sich seitdem zugetragen hat. Vieles hat sich gewandelt auf der grünen Insel. Das spürt man in den Stücken der Musiker.

Wie bei Beoga. Wandel scheint bei der fünfköpfigen Band aus Belfast Programm. Das klingt schon im Titel ihres aktuellen Albums an „Before We Change Our Mind“ (Bevor wir es uns anders überlegen). Alles scheint im Fluss. Lebendige Tradition heißt bei der Truppe um die famose Sängerin Niamh Dunne, sie beherrschen zwar perfekt Akkordeon, Fiedel, Bodhrán und kenne die alten Weisen und Tänze. Doch sie greifen nach der Welt. In den Stoff ihrer Lieder eben nicht nur verschlungene keltische Muster eingewebt. Sondern das Piano spielt sich mit Pop-Appeal nach vorn, es gibt Jazz und Anleihen an die Klänge anderer Länder. Und doch kommt die Geschichte zum Vorschein: Dunnes Großvater gehörte damals zu den Revolutionären, die ihr Leben ließen.

Ich trage einen großen Namen – das gilt für Aiofe Scott, die sich mit ihrer Band zur 43. Auflage des Festivals vorstellt. Aiofes Mutter ist Frances Black, ihre Tante Mary Black. Beide Stars daheim. Der jungen Frau wird die Sympathie nur so zufliegen. Soziale Gerechtigkeit ist eines ihre vordringlichen Themen. Kritisch geht sie daher mit den Zuständen in ihrer Heimat um. Für die Nöte, die die Bankenkrise auslöste, sind die nationalen Eliten verantwortlich.

Die Chance, sich dem hiesigen Publikum endlich vorzustellen, nutzt auch Aodán Coyne. Der Sänger, der mit den „Socks in The Frying Pan“ bekannt wurde, in Limerick und Cork studierte, gibt den Geschichte(n)erzähler. Mit einer Stimme, die man so schnell nicht vergisst. Ebenso wenig wie sein Spiel auf der Gitarre. Akustisches Handwerk – großartig, präzise und ambitioniert.

Schließlich wären da noch Teresa Horgan & Matt Griffin. Abseits ihrer Zugehörigkeit zu Bands wie FullSet und The Outside Track vereint sie ihre vokalen Qualitäten mit den Fingerfertigkeit von Matt nun in einem Duo-Projekt.

Konzert: Sonnabend, 19. November, 20 Uhr, Passionskirche, Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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