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Nachrichten Kultur Er erfand „mächtig gewaltig“ für die Olsenbande
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19:58 21.02.2018
Wolfgang Woizick Quelle: foto: Rümmler
Bad Belzig

Der notorisch verängstigte Kjeld, ein stets gut aufgelegter hemdsärmeliger Benny sowie Egon Olsen, Chef der legendären „Olsenbande“: Die dänischen Krimikomödien der gleichnamigen Reihe waren im Osten Kult. In den 70er und 80er Jahren gab es Rekord-Einschaltquoten, wenn sich das Gaunertrio im Takt eines Orchesters durchs Kopenhagener Opernhaus sprengte oder sich panzerfahrend einem Tresor Marke „Franz Jäger Berlin“ näherte. Kjelds nervende Gattin Yvonne und Sohn Börge komplettierten die Szenerie.

Im Film ,Skide-godt’ – ,Scheiß-gut’

Einer, der die Reihe mit seiner Film-Übersetzung hinter den Kulissen entscheidend prägte, ist Dialogbuch-Autor Wolfgang Woizick aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark). Das von ihm erfundene „Mächtig gewaltig (Egon)“ wurde im Osten zum geflügelten Wort. Was viele nicht wissen: „Es handelte sich dabei nicht um die Originalübersetzung aus dem Dänischen. Dort hieß es im Film ,Skide-godt’ – ,Scheiß-gut’, was aber so nicht übersetzt werden sollte“, erinnert sich Woizick. Der stammt ursprünglich aus dem Havelland, wo „mächtig“ zur Mundart zähle. „Mächtig klein“, „Mächtig gut“. So sei er auf „Mächtig gewaltig!“ gekommen, erklärt der heute 77-Jährige.

Die Olsenbande stellt die Weichen. Quelle: Olsenbandenfanclub Deutschland

Der Kultspruch entstamme keinem Geistesblitz und auch nicht stundenlangem Grübeln. „Das war einfach Handwerk.“ Das beherrschte der Bad Belziger offenbar früh. Mit 26 Jahren fing Woizick im Defa-Studio für Synchronisation Berlin-Johannisthal an. Mit knapp 30 arbeitete er am ersten „Olsenbande“-Streifen. „Das war mehr oder weniger Zufall. Ich hatte gerade keinen Film und die „Olsenbande“-Synchronisation stand an. Schon im Original wirkten die Dialoge sehr gut und sorgfältig gesetzt“, sagt Woizick. Sechs bis zehn Tage arbeitete er an einer „Olsenbande“-Produktion. 1968 wurde der erste von 14 Streifen gedreht. 1970 kam er in die DDR-Kinos. 236-mal hieß es „Mächtig gewaltig“, nur im fünften Film überhaupt nicht.

Improvisieren war auch im Osten ein Thema

Bei ihren ausgebufften Einbrüchen mussten Egon und Co. meist improvisieren. „Wir benötigen eine Häkelnadel, Luftballons, Strümpfe und einen Fahnenmast“, hieß es. „Dieses Improvisieren war ja bei uns im Osten immer ein Thema. Dazu die witzige Kritik an Großbanken und Kapitalismus. Das passte einfach: sowohl fürs große Publikum als auch für die Kulturchefs.“ In der alten Bundesrepublik hatte die „Olsenbande“ nicht annähernd diesen Erfolg, was Woizicks Ansicht nach auch an der Qualität der Synchronisation lag. Auch trafen die westdeutschen Synchronisationsstimmen nicht den ausgefeilten Ton der Filmfiguren. Die Filme wurden in Westdeutschland stark geschnitten und liefen unter Titeln wie „Die Panzerknackerbande“. Die übersetzten Texte hatten wenig Pfiff.

Olsenbande in Aktion. Quelle: Nordisk Film

Wolfgang Woizick, der seinen Angaben nach insgesamt 400 Filme synchronisierte, springt im Gespräch zwischen den einzelnen Produktionen hin und her. Ein Dampfplauderer ist er aber nicht. Er sei froh, dass aus dem legendären „Mächtig gewaltig“ kein Rummel um seine Person resultierte. Auf Ruhm und Ehre könne er verzichten, sagt der bescheidene Mann. „Ich hätte mir den Spruch ja patentieren lassen können“, wirft Woizick im Scherz ein. „Aber der Erfolg war so nicht vorhersehbar und ich als junger Mann völlig unbedarft.“ Überhaupt habe die dänische Nor­disk-Film keine 14 „Olsenbande“-Filme geplant. Ursprünglich war ein einziger Film vorgesehen. Doch nach dem Erfolg, auch in Polen, Ungarn und Norwegen, ging es immer weiter.

Den „Benny“ persönlich kennengelernt

„Mit Morten Grunwald lernte ich einen Schauspieler der Olsenbande, den Benny, auch persönlich kennen. Das war 1998 bei der Premiere der letzten Produktion in Leipzig“, sagt Woizick. Morten Grunwald (83), der letzte lebende Akteur der Filmbande, sei im wahren Leben ein sehr ruhiger, fast schüchtern wirkender dänischer Theaterstar. Die „Olsenbande“ sei für Grunwald wie eine Therapie zwischen aufreibender Bühnenarbeit und Theaterleitung gewesen.

Bad Belzig fest in Olsenbande-Hand

Bad Belzig sei heute fest in „Olsenbande“-Hand, sagt Woizick, der ursprünglich Uhrmacher werden wollte, nach seinem Studium an der Berliner Humboldt-Uni aber vier Jahre als Lehrer arbeitete. Profis und Laiendarsteller führen 2018 „Die Olsenbande“ wiederholt als Theaterstück auf. „Wir haben bei uns aber auch die Olsen-Band sowie den Olsen-Projektchor“, schmunzelt Woizick. Der darf alle Aufführungen kostenfrei besuchen und in der ersten Reihe sitzen. „Auf seinem Mist“ sei der Kult um die „Olsenbande“ in Bad Belzig aber nicht gewachsen. Das seien vielmehr junge Leute, teils schon die dritte Generation von „Olsenbande“-Fans.

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Von Jens Rümmler

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