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16:23 04.04.2016
Der Große Refraktor unter der Kuppel. Quelle: MAZ/ Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Sieben Bilder in Holzrahmen – das ist die Ahnengalerie der Direktoren des einstigen Astrophysikalischen Observatoriums auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Das größte Konterfei ist jenes von Hermann Carl Vogel, dem ersten Chef. „Schauen Sie, an seiner Brust prangt der Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Kunst“, sagt Ernst-August Gußmann, der Vorsitzende des Fördervereins, der sich um den Großen Refraktor kümmert. Dann legt der 83-Jährige mit einer historischen Episode los. „Der Große Refraktor war schon seit 1890 in Planung. Aber der preußische Fiskus gab kein Geld. Da soll Vogel sich direkt an den Kaiser gewandt haben. Der verfügte daraufhin, das Doppelteleskop zu finanzieren.“

Der Kaiser kam mit der Kutsche zur Einweihung

Bei der Einweihung am 26. August 1899 war Wilhelm II. höchstselbst zugegen. Auf einem betagten Foto von diesem Tag steht Majestät an der Tür des Refraktorgebäudes, davor seine Kutsche. Es wurde ab 1896 errichtet, entworfen von Architekt Paul Spieker. Gußmann führt hier Besucher herum. Schon als Junge war er vom Universum fasziniert. Mit 14 baute er sich ein Fernrohr von an die zwei Metern Länge, stellte es im Garten auf. Er studierte an der Berliner Humboldt-Uni bis 1956 Astronomie, promovierte und wurde am Astrophysikalischen Observatorium, heute Leibniz-Institut für Astrophysik, Leiter der Abteilung für Theorie der Sternatmosphären. „Das sind jene Schichten, aus denen die Strahlung der Sterne stammt. Diese Gase sind mehrere tausend Grad heiß. Mit dem Großen Refraktor wurden Chemie und Physik der Gestirne erforscht“, erklärt er.

Schon als Junge war er von den Weiten des Universums fasziniert: Ernst-August Gußmann, der Vorsitzende des Fördervereins Großer Refraktor e.V. Quelle: MAZ/Angelika Stürmer

Im Zweiten Weltkrieg wurden Refraktorgebäude samt Doppel-Teleskop beim Luftangriff auf Potsdam im April 1945 schwer beschädigt. Von 1950 bis ’53 repariert und modernisiert. Bis 1968 nutzte man das Himmels-Instrument für wissenschaftliche Zwecke. „Dann wurde der Große Refraktor stillgelegt und nicht mehr gewartet. Er begann zu verrosten. Zum Glück wurde er 1983 unter Denkmalschutz gestellt, so dass er nicht demontiert werden durfte“, sagt Ernst-August Gußmann. Im Frühjahr 1997 gründete sich der Förderverein, der 21 Mitglieder hat. „Wir bekamen Kontakt zu einer privaten Stifterin aus den alten Bundesländern, die vorhatte, ihr Geld in ein technisches Denkmal zu stecken. Diese ältere Dame richtete die Piethscher-Neese-Stiftung ein. Vorrangig mit deren Mitteln konnte der Große Refraktor von 2003 bis 2006 wieder instandgesetzt werden“, erzählt Gußmann. Und wird astronomisch: „Wenn man durch ihn die weit entfernten Sterne betrachtet, sieht man zugleich in die Vergangenheit, denn das Licht, das da zu sehen ist, wurde ja bereits vor langer Zeit von den Sternen ausgesandt. Vor Millionen von Jahren.“ Die Besucher können bei Führungen Krater auf dem Mond sehen. Die Ringe des Saturn, den roten Mars. Den Jupiter und seine Monde.

Zwei dunkelgrüne Fernrohre – montiert auf einer gusseisernen Säule

Es geht mit Gußmann die steinerne Treppe bis in den dritten Stock des runden Refraktorgebäudes mit seinen 20 Fenstern hinauf, vor denen Nachbildungen der rostroten Originalvorhänge hängen. Und da sind sie in der Mitte – diese zwei parallel miteinander verbundenen dunkelgrünen Fernrohre – montiert auf einer gusseisernen Säule – unter der mit kanadischem Zedernholz verkleideten Stahlblech-Kuppel. Das imposanteste von beiden mit seinem Objektiv von 80 Zentimetern Durchmesser und einer Brennweite von 12,2 Metern ist das viertgrößte Linsenteleskop der Welt.

Zur Himmelsschau öffnet sich die 18 Meter hohe Kuppel. „Da wird der Spalt in der Kuppel wie eine Jalousie zurückgezogen“, erklärt Gußmann. „Dann ist sie vier, fünf Meter geöffnet.“ Sie dreht sich zudem auf Rollen, „denn man muss ja auf jeden Punkt des Himmels gucken können.“ Der Beobachter steht dabei auf der metallenen Bühne, die sich bewegt. Schon 1899 passierte das hier alles elektrisch.

In Glasvitrinen sind allerhand alte Zusatzgeräte ausgestellt, die dereinst am Refraktor verwendet wurden. Zu bewundern ist eine Hartmannsche Lochblende, die man vor das Objektiv des Fernrohrs setzte, um die Güte des Objektivs zu untersuchen. Und da steht auch eine altertümliche, mit braunem Leder bezogene Liege. Gußmann erklärt: „Die wurde benutzt, um exakte Messungen am Fernrohr vornehmen zu können. Man legte sich rauf und konnte das in entspannter Körperposition machen.“

Info: Der Förderverein Großer Refraktor Potsdam e.V. lädt auf Anfrage zu Führungen ein, 0331/2882324.

Von Angelika Stürmer

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