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02:16 07.08.2015
Michael Ballhaus neben einer 35-mm-Filmkamera. Quelle: dpa
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Berlin

Ganz blind ist Michael Ballhaus nicht: „Ich sehe den blauen Himmel und den Regen. Ich sehe meine Frau, was mir das Wichtigste ist“, schreibt er. Aber er kann nicht mehr lesen. „So habe ich, dessen Lust und Leidenschaft immer das Schauen war, endlich die Freuden des Hörens entdeckt.“ Er leidet an Grünem Star. Der Beschränkung begegnet er mit Kreativität, so wie er es zeit seines reichen Berufslebens getan hat. Regisseure machten Vorgaben, und er machte das Beste draus.

So hat Ballhaus es in 15 Filmen mit Rainer Werner Fassbinder gehalten, der gerne schier Unerfüllbares verlangte. Daraus entstand dann, nur mal als Beispiel, die berühmte 360-Grad-Kamerafahrt um Karlheinz Böhm und Margit Carstensen im Ehedrama „Martha“ (1974), später Ballhaus’ Markenzeichen. Auch wenn Fassbinder ihn provozieren wollte: Ballhaus blieb ruhig und fand eine Lösung. Er wollte sich nicht einfangen lassen von dem Menschenmanipulator, und er schaffte den Absprung in die USA. Da war er beinahe 50.

Richtig kam Ballhaus dort erst dank Regisseur Martin Scorsese an. Der Perfektionist skizzierte jeden Film zuerst Szene für Szene in seinem Kopf. Ballhaus hatte schon ein paar weniger wichtige Filme in Hollywood gedreht, als dieser auf ihn aufmerksam wurde, er steckte damals in einem beruflichen Tief. Ballhaus half ihm heraus. Niemand wollte Scorsese nach dem „King of Comedy“-Flop ein größeres Budget anvertrauen. Nun wollte er mit „After Hours“ (deutscher Titel: „Die Zeit nach Mitternacht“) einen kleinen Nachtfilm drehen: 14 bis 16 Einstellungen pro Schicht verlangte das Budget, üblicherweise schaffte er bloß fünf am Tag.

Und wie reagierte Ballhaus? „Ich sagte, das sei zu schaffen. Scorsese schaute, staunte, und wenn er mir damals nicht geglaubt hat, dann konnte er das gut verbergen“, heißt es in Ballhaus’ vor einem Jahr erschienenen Autobiografie („Bilder im Kopf“). Rasch sprach sich herum, „dass Scorsese diesen schnellen und effizienten Kameramann aus Deutschland hatte.“ Es folgten große Filme, „Bram Stoker’s Dracula“ mit Francis Ford Coppola, „Quiz Show“ mit Robert Redford, „Air Force One“ mit Wolfgang Petersen. Und dazwischen immer wieder Martin Scorsese. Sechs gemeinsame Filme sollten es werden, darunter „Die Farbe des Geldes“, „Die letzte Versuchung Christi“ und „The Departed“ mit dem Psychomonster Jack Nicholson am Set. Vor seiner Kamera hatte Ballhaus alle Stars: Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Meryl Streep, Emma Thompson, Michel Pfeiffer, Dustin Hoffman. Ballhaus genoss die Wertschätzung: „In Deutschland war ich ein Kameramann, in Amerika sagten sie: Director of Photography, was nicht nur anders klang, sondern etwas anderes bedeutete.“ Er war der Herr über die Bilder, die Regisseure vertrauten ihm.

2007 verkündete er seinen Rückzug aus Hollywood, dann aus dem Filmgeschäft überhaupt. Für rund 80 Filme hatte er bis dahin verantwortlich gezeichnet. Ganz gehalten hat sich Ballhaus, der am Mittwoch 80 wird, nicht an den Abschied: Nach dem Tod seiner Frau Helga 2006 hat er wieder geheiratet und mit Ehefrau Sherry Hormann vor drei Jahren „3096 Tage“ über die Entführung von Natascha Kampusch gedreht.

Von Stefan Stosch

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