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00:31 05.06.2015
Auf diese Hausfassade stieß Wim Wenders 2014 in Wittenberge. Quelle: DPA
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Düsseldorf

Wim Wenders war noch Student in München als er auf einer Party einen Teller mit Keksen im Kühlschrank entdeckte. Immer hungrig, wie junge Leute so sind, futterte er sie gleich alle auf („Ich gestehe, ich bin ein cookie monster“), ohne zu ahnen, dass es sich um Haschkekse handelte. Als die anderen die Missetat entdeckten, karrten sie ihn ins nächstgelegene Krankenhaus, wo ihm gleich der Magen ausgepumpt wurde. Nur langsam erholte er sich von der schweren Überdosis. „Was ich sah und wahrnahm, war alles verzerrt, vor allem aber war es dabei, mir zu entgleiten. Die Wirklichkeit konnte jeden Moment entschwinden und dann, so wusste ich, wäre das für immer.“

Wim Wenders – 2015 porträtiert von Peter Lindbergh. Quelle: PR

Auf dieses traumatische Erlebnis führt Wim Wenders seine Wertschätzung für die Wirklichkeit zurück. Digitale Bildbearbeitung lehnt er strikt ab. „Was mich an einer Photographie interessiert, ist einzig und allein, dass sie mir etwas zeigt, was es gibt.“ Sein Interesse als Fotograf ist an die Existent von Dingen gebunden. Darum hält er an der alten Schreibweise fest, die sich aus dem griechischen „photos“ und „graphein“ zusammensetzt, was so viel heißt wie „mit Licht schreiben“. Auch der Titel „4 REAL & TRUE 2“ leitet sich so her, den die große Retrospektive im Kunstpalast trägt, mit der Düsseldorf ihrem berühmten Sohn den roten Teppich zu seinem am 14. August anstehenden 70. Geburtstag bereitet. Hier an der Akademie hat sich Wenders in den 60ern für ein Kunststudium beworben, bevor er nach Paris ging und später an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studierte.

Berühmt machten ihn seine Filme („Alice in den Städten“, „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“). Doch seit beinahe 50 Jahren existiert auch ein photographisches Oeuvre, das jetzt in Düsseldorf besichtigt werden kann. 80 großformatige Aufnahmen aus allen Schaffensperioden, alle analog, ohne Kunstlicht und Stativ aufgenommen. Von den noch in der Tradition eines Walker Evans oder William Eggleston stehenden Bildern aus dem „Waste Land“ Amerika, über die farbenfrohen Ansichten aus Kuba, die während der Dreharbeiten zu „Buena Vista Social Club“ entstanden sind, und die „Bilder von der Oberfläche der Erde“, die 2001 im Hamburger Bahnhof gezeigt wurden, bis hinein in die Gegenwart.

Lounge Painting in Arizona (1983). Quelle: Wim Wenders

Während die Schauplätze in Wenders Filmen häufig an Fotomotive erinnern, lassen seine epischen Photographien an Filme denken. Wie Bühnenbilder muten sie an, auf denen die Phantasie des Betrachters zu spielen beginnt und sich eine Geschichte ausdenkt. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, weil Wenders in der Ausstellung viele Bilder mit eigenen Kommentaren versehen hat. Der „Hund auf der Straße zum Ayers Rock“ (1977), ist da zu lesen, habe ihn auf dem ganzen Weg um den Monolithen durch die Wüste begleitet, ein „Retriever, der seinem Namen alle Ehre machte, denn er ließ mich den ganzen Tag nicht aus den Augen, bis er mich abends wieder heil zum Motel zurückgebracht hatte“. Und zu „Straßenfront in Butte, Montana“ (2000) heißt es: „Als wäre ich mitten in ein Gemälde meines Lieblingsmalers, Edward Hopper, getreten.“

Ist die Spezies Mensch auch selten zu sehen, so hat sie doch Spuren hinterlassen: ein Riesenrad vor einer verlassenen Plattenbausiedlung in der Steppe Armeniens. Ein Autofriedhof mit VW-Käfern in der australischen Wüste. Wenders Aufnahmen sind „Seelenlandschaften der Demontage, Zerstörung und Versehrtheit“, schreibt Laura Schmidt im Katalog treffend. Am offensichtlichsten ist das bei der Serie, die er 2001 in den Trümmern von Ground Zero gemacht hat, oder auf den Fotos aus Fukushima. Beim Entwickeln musste er feststellen, dass alle Bilder durch radioaktive Strahlung zerstört eine Sinuskurve aufwiesen. Wie Horrorkabinette wirken im Kunstpalast die verdunkelten Abteilungen mit den beiden Serien.

Landschaft bei Wittenberge. Quelle: Wenders

Ganz anders die jüngsten 2014 entstandenen Fotos, auf denen die Welt noch intakt scheint. Nachdem Wenders jahrelang um den Globus reiste, widmet sich der Wahlberliner jetzt der Landschaft vor den Toren der Hauptstadt. In Brandenburg fand er neue Motive. Die „Spargelfelder bei Beelitz“, von denen sich bereits Andreas Gursky inspirieren ließ.

Spargelfelder bei Beelitz. Quelle: Wenders

Eine „Häuserfront in Wittenberge“, die mit vernagelten Fenstern von besseren Zeiten träumt. Oder eine idyllische „Landschaft bei Wittenberge“, von der Wenders schreibt: „Als ich klein war, hingen über meinem Bett immer zwei billige gerahmte Drucke von Camille Corot Bildern. Stundenlang habe ich die Details der Bäume darauf studiert. Und eines Tages stand ich in der brandenburgischen Elbtalaue vor genau solchen Bäumen.“ Das hört sich doch beinahe so an, als sei hier einer nach Hause gekommen.

Die Ausstellung „4 REAL & TRUE 2“ läuft noch bis zum 16. August im Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, in Düsseldorf.

Geöffnet ist Di, Mi, Fr, Sa und So 11 bis 18 Uhr, Do 11 bis 21 Uhr.

Der Katalog erschien bei Schirmer/Mosel, 352 Seiten, 29,80 Euro.

Von Welf Grombacher

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