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Kultur Boris Spasski in Wünsdorf
Nachrichten Kultur Boris Spasski in Wünsdorf
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18:06 12.08.2018
Boris Spasski in Wünsdorf. Quelle: promo
Wünsdorf

„Klein Moskau“ wurde Wünsdorf (Teltow-Fläming) in den Fünfzigern genannt. Vierzig Kilometer südlich von Berlin, tief verborgen in märkischen Wäldern, lebten zehntausende Soldaten der Roten Armee. Hier befand sich das Oberkommando der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.Als die letzten Rotarmisten 1994 abzogen, hinterließen sie ein riesiges Areal mit Kasernen, die seither verfallen und vom Wald überwuchert werden. Die zivile Umnutzung durch eine landeseigene Entwicklungsgesellschaft kommt nur langsam in Gang.

Vor dem prunkvoll neobarocken „Haus der Offiziere“ liegt der Schutt; Schwalben fliegen durch die leeren Fenster. Am Samstag kehrten hier die Brandenburgischen Sommerkonzerte ein, die unter dem Motto „Klassiker auf Landpartie“ Ausflugspakete an den Wochenenden anbieten. Diesmal standen auch Führungen über das ansonsten abgesperrte Garnisonsgelände auf dem Programm.

Tschaikowskis „Jahreszeiten“-Zyklus

Abgestimmt auf diese Kulisse war das Konzert des Pianisten Boris Spasski, der neben Peter Tschaikowskis „Jahreszeiten“-Zyklus ausschließlich russische Musik des 20. Jahrhunderts spielte. In Tschaikowskis zwölf Monats-Charakterstücken zeichnete der in der Schweiz lebende Künstler detailverliebt die Tonmalereien nach: die zarten Melodien der „Maiennächte“ oder den volkstümlich derben Walzer des Dezembers.

Spasski ist während seines Moskauer Studiums durch die harte russische Klavierschule gegangen. Spieltechnisch dürfte ihm das relativ schlichte Werk nicht die geringsten Probleme bereiten. Und doch hatte man den Eindruck, dass er die Sache in Wünsdorf ein wenig schludrig anging. Er lieferte mehrere grobe Verspieler und ebnete die Nuancen ein. Alles klang ähnlich laut und direkt: lyrische und dramatische Passagen, Haupt- und Nebenstimmen.

Die Farbe an den Wänden bröckelt

An der Akustik lag das nicht. Die ist nämlich durchaus zufriedenstellend im Armee-Theater, wo sich seit Abzug der Streitkräfte nichts geändert hat. Der Teppich wellt sich; Farbe bröckelt von den Wänden. Über dem Podium prangt das Bild eines Soldaten in Siegerpose, darunter ein Ährenkranz.

Nach der Pause spielte Spasski, der nun konzentrierter wirkte, unbekannte russische Stücke des 20. Jahrhunderts. Die Miniaturen muten nostalgisch an; Chopin und Liszt lassen grüßen, etwa in dem innigen „Album-Blättchen“ des Schostakowitsch-Schülers Wladimir Brumberg. Auf den süßlichen Kitsch des Filmkomponisten Leonid Desiatnikow könnte man verzichten. Keinesfalls aber auf das sonnenflirrende Prelude von Sergej Prokofjew; gefolgt von einer rasanten, fies tonwiederholenden Toccata, in der Spasski mit seinen kleinen Händen meisterhaft über die Tasten fegt.

Etwas „Bissfestes“ fehlt

Raffiniert sind auch die ausgefeilt mehrstimmigen Präludien des Schostakowitsch-Zeitgenossen Dmitri Kabalewski. Insgesamt wirkt der Reigen kurzer, harmloser Stücke aber unbefriedigend. Zwischendurch hätte man auch etwas „Bissfestes“ mit Tiefgang vertragen.

Spasski erweist sich mit seinem üppigen Sound als Vertreter der russischen Klavierschule. Jedoch stellt er die Virtuosität nicht zur Schau, sondern sitzt fast zu selbstversunken da und lehnt die Interaktion mit dem Publikum ab.

Musik mit Ausflugs-Mehrwert bieten die Brandenburgischen Sommerkonzerte auch am 19. August, wenn der Trompeter Joachim Pliquett in der Potsdamer Friedenskirche gastiert. Am 25. August treten dann die Blechbläser von „Brasssonanz“ in der Stadtkirche Wittenberge auf.

www.brandenburgische-sommerkonzerte.org

Von Antje Rößler

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