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Der König des Schwedenkrimis

Nachruf Der König des Schwedenkrimis

Krimi-Kommissar Kurt Wallander wird vermutlich mit ihm gehen: Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist am Montag im Alter von 67 Jahren gestorben. Er erlag seinem Krebsleiden, von dem er im Januar 2014 erfahren hatte. Mit seinem Krimi-Helden Kurt Wallander wurde Mankell über die Grenzen seiner Heimat hinaus berühmt.

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Der Fall Gurlitt auf der Bühne

Bereits 1991 erhielt Henning Mankell zum ersten Mal den schwedischen Krimipreis für sein Werk „Mörder ohne Gesicht.“

Quelle: AFP

Stockholm. Fast alle seine Bücher handeln vom Sterben, dem üblichen zur Unterhaltung der Krimileser – sein letztes allerdings vom eigenen Sterben: „Ich höre Menschen sagen: ,falls’ ich sterbe, aber zum Teufel, es heißt ,wenn’ ich sterbe – der Tod ist das einzige, dessen wir uns ganz sicher sein können.“

Henning Mankell ist tot, gestorben mit 67 Jahren in Göteborg an dem Lungenkrebs, den er in seinem letzten Buch „Treibsand“ zum Thema gemacht hat. Wie auch die ewigen Fragen „Gibt es andere Welten? Oder nur das Dunkel? Was gab es vor der Zeit und dem Raum? Was gab es, bevor es überhaupt irgendetwas gab?“ Fragen, die er auf andere, unterhaltsamere und überraschendere Weise auch in seinen Krimis gestellt hat. Denn mit Kurt Wallander hat Henning Mankell den Existenzialisten und gleichzeitig einen weiteren Jedermann unter den Krimi-Kommissaren geschaffen. So erfolgreich, dass sich mehr als 15 Millionen Wallander-Krimis in Deutschland und 40 Millionen weltweit verkauften.

Tiefe Verbundenheit mit seinem Protagonisten

Kurt Wallander wird immer mit Henning Mankell verbunden bleiben – dieser trinkfreudige, zu Diabetes und Pessimismus neigende, immer zu dicke aus Ystad stammende Mann, der noch über eine respektable Libido verfügt, deren Verwirklichung allerdings das quabbelige Äußere beharrlich im Wege steht. Rolf Lassegård hat ihn angemessen im TV verkörpert, Kenneth Branagh war da schon zu kantig und altersattraktiv. „Wallander ist wie du und ich, er wandelt sich“, sagte Henning Mankell über seinen Helden, dem er sich in späteren Jahren auch äußerlich immer mehr annäherte.

In seinen Kriminalromanen hat Mankell das Schreckliche auf eine unwiderstehliche Art ausgemalt. Wenn er in seiner Wallander-Erzählung „Mittsommermord“ – vielleicht die beste – einem Psychopathen eine erschreckende Präsenz gibt, der einfach nur Menschen töten möchte, die sich in einem wunderbaren Glückszustand befinden.

Das Grundböse, das in seinen Krimis vorherrscht, konnte Mankell auch in der Welt vorfinden. Nur noch böser. „Ich kann mir so brutale Dinge gar nicht vorstellen, wie sie in Wirklichkeit existieren. Die Welt ist noch schlimmer als die Verbrechen in meinen Romanen.“ Und deshalb engagierte Mankell sich, der sehr lange in Mosambik lebte, als eine Art Schweden-Gewissen auch politisch. Gegen Aids und Hunger zum Beispiel – und schrieb auch Romane dazu wie „Der Chronist der Winde“ oder „Kennedys Gehirn“, Bücher, die nicht die Stringenz der Krimis hatten, auch weil Mankell zuviel wollte – sämtliche Grundleiden von Mama Afrika zwischen zwei Buchdeckel gepackt, das kann selten aufgehen.

Politisch engagiert

Und problematisch waren auch die direkten politischen Parteinahmen wie im Palästina-Konflikt, als sich der überzeugte Sozialist auf der „Gaza-Hilfsflotte“ mit einschiffte, die von israelischen Sicherheitskräften gestoppt wurde. Die Flotte wollte im Gaza-Streifen eigentlich 50 000 Nelken an Bord nehmen zum Verkauf in Schweden. Das war eben so naiv wie rührend. Und verdeckte die dunkle Seite des Engagements, denn wenn man genau hinhören wollte, stellte Mankell das Existenzrecht Israels durchgängig und mit Überzeugung in Frage. Andererseits hatte Mankell Christoph Schlingensiefs „Operndorf“ in Burkina Faso mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt.

Vom Regieassistenten zum Autor

Henning Mankell, geboren am 3. Fe­bruar 1948 in Stockholm, war ein schwedischer Schriftsteller und Theaterregisseur. Bekannt wurde er vor allem durch seine Krimi-Reihe mit Kommissar Kurt Wallander.

1966
begann Mankell als 17-Jähriger seine Karriere als Regieassistent am Riks-Theater in Stockholm. Schon als Junge wollte er Schriftsteller werden, interessierte sich aber auch für das Theater, weshalb er in Skara Schauspiel studierte.

Politische und gesellschaftliche Themen nahmen in seinen Büchern viel Raum ein. Zuletzt verarbeitete er solche Motive in seinem 2008 erschienenen Kriminalroman „Der Chinese“.

Im Januar 2014 gab Mankell in einer schwedischen Tageszeitung bekannt, dass er an Krebs erkrankt ist. Ärzte hatten zuvor Tumore in Hals und Lunge entdeckt. Obwohl er unter diesem Schicksal sehr gelitten hatte, entschloss sich Mankell, seine Krankheit öffentlich zu machen und über seinen Kampf gegen den Krebs in einer Kolumne zu berichten.

Mankells Kurt Wallander ist würdiger Nachfolger von Martin Beck, mit dem das Autorenduo Sjöwall/Wahlöö das Genre des Schwedenkrimis etablierte. Spezialität: gesellschaftliche Missstände aufdecken durch das Schreiben von Krimis. Von denen manche unheimlich aktuell bleiben. Wie der erste 1990 geschriebene und 1993 in Deutschland herausgekommene Wallander „Mörder ohne Gesicht“, in dem Mankell die schwedische Einwanderungspolitik kritisiert, die jedem ohne Kontrolle die Einreise erlaubt. Mankell: „Es mag ein wenig romantisch klingen, doch ich möchte, dass es einen Unterschied macht, ob ich auf der Welt gewesen bin oder nicht. Mein politischer Einfluss als Autor ist begrenzt, doch ich kann zumindest auf der richtigen Seite der Fragen gestanden haben.“ Wie auch im Roman „Der Chinese“ von 2008, der mit seinen Ermittlungen im kapitalistisch-kommunistischen China globalpolitischen Anspruch erhebt.

„Wenn man tot ist, vermisst man nichts.“

„Wenn man tot ist, vermisst man nichts“, hat Henning Mankell mal gesagt. Was das kleine Paradies auf Erden für ihn wäre, ließ er seinen Kommissar Wallander in dem Abschiedsroman „Vor dem Frost“ verraten: „Es war immer mein Traum, morgens aus dem Bett zu steigen und direkt hinaus ins Freie treten und pinkeln zu können.“

Von Henning Queren

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