Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Der Kultroman „Skizze eines Sommers“ auf der Bühne
Nachrichten Kultur Der Kultroman „Skizze eines Sommers“ auf der Bühne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:34 02.05.2018
Das Ensemble: Clara Mariella Sonntag, Steven Sowah, Sarah Schulze Tenberge, Frederik F. Günther und Dominik Matuschek (v.l.). Quelle: foto: HOT/BOEHME
Potsdam

Das Hans-Otto-Theater unter dem scheidenden Intendanten Tobias Wellemeyer hat häufig bekannte Romane auf den Spielplan gesetzt. Die Vor- und Nachteile dieser Praxis werden gern grundsätzlich diskutiert. Am Ende muss im Einzelfall geprüft werden, ob ein Prosastoff auch auf der Bühne funktioniert.

Regisseur Niklas Ritter nahm sich dieses Mal die 384 Seiten von André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ vor. Seine Aufführung dauert 110 Minuten und war am Samstag in der Reithalle erstmals zu erleben. Wer Figuren, Stimmung und Milieu des phänomenalen Romanes noch nicht kennt, dem macht es Ritter nicht schwer, in Kubiczeks Erzählkosmos einzutreten. Das Buch vergegenwärtigt die Potsdamer New-Wave-Szene im Sommer 1985. Es handelt von Adoleszenz, Weltschmerz und erster Liebe, von Obrigkeitsstaat, Kaltem Krieg und subkulturellem Zeitkolorit. Immer wieder wird auf Songs verwiesen – von The Cure, The Truffids oder Grandmaster Flash. Das Theater verfügt hier über den großen Vorteil, mit der Sprache auch die Musik liefern zu können.

Der Autor

Der Roman „Skizze eine Sommers“ erschien im Mai 2016 im Rowohlt-Verlag und machte den 1969 in Potsdam geborenen Autor André Kubiczek bundesweit bekannt. Das Buch gelangte im letzten Jahr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und erlebt gerade die vierte Auflage. Den vorangegangenen sechs Romanen von Kubiczek war ein solcher Erfolg nicht beschieden. Lesenswert ist zum Beispiel auch der ebenfalls autobiografisch inspirierte Roman „Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn“ (2014).

Nächste Vorstellungen: 10. Dez. 18 Uhr. 16. und 30. Dez. 19.30 Uhr. Reithalle Hans-Otto-Theater. Karten
unter 0331/98 11 8.

Wer die authentische Geschichte von Kubiczeks 16-jährigem Alter Ego René bereits in vollen Zügen ausgekostet hat, der kommt natürlich mit Erwartungen ins Theater, mit Bildern im Kopf. Die eigene Vorstellungskraft prallt hier auf ein konkretes Bühnengeschehen. Die Älteren werden sich obendrein daran erinnern, welche Provokation 1985 von den morbiden Gestalten mit hochtoupierten Haaren ausging. FDJler und Präsent 20-Anzugträger reagierten oft genau so kleinmütig wie Blueser und Rocker. Jugendliche können sich 30 Jahre später kaum noch vorstellen, wie eng und aufreizend die Codes damals waren. Kleidung, Bewegung, Sprache – alles folgte genauen Mustern. Die acht Schauspielstudenten der Filmuniversität Babelsberg, die vom Alter her den Romanhelden am nächsten kommen, hatten mit dem 45-jährigen Regisseur also eine Zeitreise anzutreten. Sie mussten gemeinsam die Codes der New- Wave-Szene rekonstruieren. In der Inszenierung unterlaufen ihnen aber leider so viele Unschärfen, Schludrigkeiten und Patzer, dass die Vergegenwärtigung in ästhetischer Hinsicht gescheitert ist.

Das beginnt damit, wie die Jugendlichen tanzen. Auf der Bühne geben sie sich meist ekstatisch wie Rocker, nicht wie Automaten, die ruhig, elegant und nach Innen gekehrt ihre Runde ziehen. Nur die Choreographie im Schlussbild orientiert sich hier an einem Original. Und bedenkt man, dass die Wegbereiter der heutigen Gothics und Gruftis damals schon viele Stunden damit zubrachten, sich skurrile Frisuren und Outfits zu verpassen, bleibt auch die Ausstattung (Kostüme und Bühne) von Bernd Schneider hinter den Möglichkeiten eines Theaters zurück. Dann kommt es auch noch zu einem krassen Missverständnis: In der Aufführung tanzen René und seine Freunde zustimmend zu Ostrock-Titeln wie Citys „Am Fenster“ oder Sillys „Wilde Mathilde“. Doch gerade in ihren Kreisen wurde damals die offizielle DDR-Rockmusik leidenschaftlich ignoriert. Bei solchen Titeln hätten sie die Tanzfläche in der Mehrzweckgaststätte „Orion“ im Wohngebiet Am Stern boykottiert. Jugendlichen von heute ist das sicher herzlich egal. Sie erleben eine Aufführung, in der es vor allem darum geht, an welchen Typen von Menschen man gerät, wenn man zum ersten Mal küsst, sich verliebt oder sogar eine Beziehung eingeht.

Dank einiger Regieeinfälle von Niklas Ritter bleibt bei der Umsetzung des Romans das Theater nicht auf der Strecke. Discoszenen und Dialoge werden kurz und abrupt aneinandergeschnitten. Einmal wird mit Ravels „Bolero“ eine körperliche Annäherung untermalt. Jan Kersjes, der vom Bühnenrand aus die Musik steuert, steigert den Klassiker durch Percussion.

Amina Merai vermag es dank ihrer sprachlichen Verstellungskunst, drei Figuren (Tochter, Mutter und Vater) aus dem Stand zu mimen. Und Frederik F. Günther gestaltet einen längeren Dialog: Spricht er den Vater, streicht er die Haare zu einer Stringlatze nach hinten, spricht er den Sohn, lässt er seine wilden Strähnen wild ins Gesicht fallen. Als Hauptfigur fehlt ihm allerdings das Allerwichtigste. Sein René ist nicht zart und unsicher, er tönt viel zu selbstsicher – wie ein ewiger Erwachsener. Darüber hinweg tröstet aber die muntere Dynamik mit seinen drei Freunden Mario, Michael und Dirk (Steven Sowah, Dominik Matuschek und Tom Böttcher).

Von Karim Saab

Seit mehr als einem halben Jahrhundert steht Frank Schöbel als Sänger und Schauspieler auf der Bühne. Und das, obwohl er gar nicht Musiker werden wollte. Sein Terminkalender ist auch rund um seinen 75. Geburtstag voll. Der MAZ hat er gesagt, welchen Wunsch er sich noch erfüllen will.

11.12.2017
Kultur Speaker’s Corner - Adventsbetrug am Volk

Laufend Sondierereien in Berlin und Adventssingen im Fernsehen. Um anständig besinnlich zu werden, ist die Zeit in diesem Jahr zu knapp, meint Hans Zippert.

10.12.2017
Kultur Geschenktipps für Freunde und Familie - Das können wir nur empfehlen

Ja, es stimmt, es ist schon wieder Weihnachten. Fast jedenfalls. Eltern grübeln, Partner schwitzen, Freunde suchen. Und unsere Redakteure helfen – mit ein paar Geschenktipps.

10.12.2017