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16:01 04.05.2017
Heino sang von „Schwarzbrauner Haselnuss“ und der „Schwarzen Barbara“ - irgendwann holte er Nietengürtel und Totenkopfkette aus dem Schrank. Quelle: DPA
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Neuruppin

„Mit leichter Muse hast du es in Deutschland schwer“, sagt Heino, „du wirst vom Gegenwind der Hochkultur gekappt wie ein Halm oder bleibst standhaft wie eine Eiche.“ Heino, 78 Jahre, beugt sich nicht. Er tendiert zur Eiche. Eine kanadische Punkband hat mal gebrüllt: „Down in the Ratskeller / Up in the Schloss / Everyone in Deutschland / Knows who’s the boss.” Kurzum: Sie meinten Heino. Heino regiert, wer sonst?

Eigentlich ist Frau Merkel der Boss, und eigentlich, sagt Heino, wäre er gerne der überparteiliche Beauftragte für Volkslieder – deutsche Lieder protegieren und gegen den sehnsuchtsvollen Blick nach draußen schützen. „Eine Milliarde Euro geben die Deutschen für ausländische Platten aus. Bliebe das Geld hier, wäre Hartz IV wohl kein Thema”, sagt Heino. Vorsichtshalber räumt er ein, er sei kein politischer Mensch, nie gewesen, und spricht wie zum Beweis von „Angelika Merkel”.

Seine Augen kann Heino hinter der Brille verstecken, seinen Dialekt nicht. Ein Rheinländer ist er, der reinen Wein einschenkt, „ich könnte nie Bundeskanzler werden, dafür bin ich viel zu ehrlich”. Wenn man die Augen schließt und Heino zuhört, nur zuhört, dann verfällt er irgendwann in den Singsang von Gerhard Schröder — eine Spur staatstragend, ein bisschen kumpelhaft, mit einer Rhetorik, die in Wirtshäuser und in den Bundestag passt. Er schleift die Vokale, gurgelt das „L” und spuckt das „K” heraus wie einen Kirschkern.

Mehr als 50 Millionen verkaufter Tonträger

Heino wurde am 13. Dezember 1938 in Düsseldorf als Heinz Georg Kramm geboren.

Der Durchbruch als Bariton-Sänger gelang Heino, nach er 1965 bei einem Auftritt mit seiner Gruppe Comedian Terzett auf einer Modenschau von Schlagerstar Karl-Heinz Schwab entdeckt wurde.

Mehr als 50 Millionen Tonträger hat Heino verkauft, nur einmal aber schaffte er es an die Spitze der deutschen Charts: Sein Album „Mit freundlichen Grüßen“, auf dem er Rocksongs coverte, bekam Platin und ging 2013 auf Platz eins.

Seine dritte Frau Hannelore, mit der er noch heute verheiratet ist, lernte er 1972 bei der Miss-Austria-Wahl in Kitzbühel kennen.

Als Heino von der Bühne wollte, für immer, Ende des vergangenen Jahrtausends, schrieb die „Bild“: „Heino hört auf!“ Da musste Heino weinen. Über sich selbst. Denn Heino ist nicht wegzudenken, er ist ein Inventar der Republik. Seine Silhouette ist markant wie die von Snoopy oder Lucky Luke. Heino ist eine Marke. 98 Prozent der Deutschen kennen ihn. Auf welchem Stern leben die anderen zwei Prozent? Die schweigende Mehrheit schätzt ihn, die laute Minderheit macht ihn madig. Den einen ein Halt mit seiner Heimatliebe. Andere träumen davon, ihn zu knebeln. Er polarisiert. Das ist gut für den Pop. Also machte Heino weiter.

Mehr als 50 Millionen Platten hat er verkauft, wenn man Deutschland als Maßstab nimmt, sind das mehr, als die Beatles abgesetzt haben.

Im neuen Jahrtausend hat er umgeschult. Auf Rock, dann auf Metal. Er nahm Alben auf mit Liedern von den Ärzten, den Toten Hosen und Rammstein. Er rächte sich für die Heino-Witze. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Er beherrschte ihre Songs, legte sie frei, er zeigte, was niemand bei Heino vermutete: Ironie. Rockte die Bühne mit Rammstein in Wacken, er „ließ sich grillen“ von der Band, wie man in dieser Szene sagt, zu der Heino erst seit kurzem zählt, und auch nur ehrenhalber. Für die Ultras hat er im letzten Jahr „Arschkarte“ aufgenommen, ein Album mit Fußball-Liedern. Er saß in der Jury neben Bohlen. Hat „Schwarz blüht der Enzian“ aufgenommen und trug Nieten. Vor allem aber: Heino lachte! Das war der entscheidende Schlag, seine Gegner waren überrumpelt.

„Jodeln ist nicht zwingend Volksmusik“

„Ich habe mein Publikum um 40 Jahre verjüngt, das ist vor mir noch niemandem gelungen“, sagt er. Was er sich fürs Ende seiner Karriere vornimmt? Punk? Oder drastischere Spielarten? „Mein Plan ist, nachdem ich vor über 50 Jahren mit Volksliedern angefangen habe, auch mit Volksliedern aufzuhören. Die jungen Leute kennen die meisten Stücke ja gar nicht.“

Die Songs der Ärzte und Toten Hosen, die er gecovert hat, hält er für die zukünftigen Volkslieder, genau wie jene der Beatles. Volksmusik habe nichts mit Jodeln zu tun, „das ist ein großes Missverständnis, Jodeln ist bayerische Musik!“

Manchmal bittet ihn einer, die Brille abzunehmen. „Ich frage Sie doch auch nicht, ob Sie ihre Zähne rausnehmen”, wehrt er sich – Heino hat entschieden, Kante zu zeigen.

Heino im Kulturhaus Stadtgarten, Karl-Marx-Straße 103, Neuruppin, Samstag, 20 Uhr. Karten unter 0331/2840284.

Von Lars Grote

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