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Der Mythos von Studio Babelsberg lebt

25 Jahre Brandenburg Der Mythos von Studio Babelsberg lebt

14 Oscars gewann Studio Babelsberg seit der Wende. Die Hollywood-Stars kommen gerne an den Ort, an dem einst Marlene Dietrich drehte. Doch Studio Babelsberg kann allein durch seine historische Aura nicht überleben. Im Filmgeschäft zählt nur eins: das Geld.

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Kulissenbauer vom Art Departement: Marco Pressler (l.) und Robert Krüger mit Oscar für „Grand Budapest Hotel“.

Potsdam. Internationale Branchenbeobachter sind sich einig: „Hier ist die Oscar-Schmiede, hierher kommt Hollywood!“ Tatsächlich heimste Studio Babelsberg seit der Wende 14 Oscars ein, allein vier in diesem Jahr für Wes Andersons zuckerbunter Tragikomödie „Grand Budapest Hotel“. In den vergangenen Jahren gaben sich in den Traditionsstudios die Stars die Klinke in die Hand: George Clooney, Billy Murray, Mads Mikkelsen, Ralph Fiennes, Tom Cruise, Brad Pitt, Tom Hanks und Kate Winslet drehten hier. Zugegeben, Leonardo DiCaprio und Ryan Gosling schnupperten noch keine Babelsberger Luft, aber: „Die kommen auch noch“, prophezeit Studio-Boss Christoph Fisser. Man glaubt es ihm sofort.

Wer hätte das gedacht? Nach der Abwicklung der Defa und der Privatisierung des Studios Anfang der 1990er verblasste der Mythos Babelsberg, das Überleben stand auf der Kippe. Nur der Oscar-gekrönte Regisseur Volker Schlöndorff, damals Studio-Chef, war sich sicher, dass Babelsberg überleben wird: Der Ort erfülle „eine allgemeine Sehnsucht“.

„Quentin Tarantino hatte feuchte Augen, als er das erste Mal in der Marlene-Dietrich-Halle stand. Auch George Clooney kannte alle Filme, die hier gedreht wurden und sprach von einem magischen Ort“, erzählt Studio-Vorstandschef Carl L. Woebcken. Der Genius loci ist noch heute Babelsbergs Kapital, darauf ausruhen können sich Woebcken und Fisser, die 2004 die Studios übernahmen, nicht. Babelsberg ist Legende und Business zugleich. Entscheidend für den Erfolg ist die Qualität: 90 feste Mitarbeiter beschäftigen die Studios, bei Mega-Produktionen werden bis zu 2000 weitere Kräfte eingestellt. Herzstück ist das Art Departement mit seinen Kunsthandwerkern und Werkstätten. „Infolge der vielen Filme, die wir in Babelsberg gemacht haben, wurde mir mehr und mehr bewusst, dass wir die besten Kulissenbauer der Welt haben! Das bescheinigt uns jeder Production Designer, der mit unseren Handwerkern arbeitet“, so Fisser. „Mein persönliches Highlight war das New Yorker Guggenheim Museum, das unser Art Department zusammen mit Uli Hanisch für Tom Tykwers Film ,The International’ in Originalgröße nachgebaut hat. Man stand im Set und dachte, man ist in New York.“

Aber nicht nur die exzellenten handwerklichen Qualitäten der Babelsberger Crew haben sich herumgesprochen. Auch das Geld lockt: 2007 legte der damalige Kulturstaatsminister und Kinofan Bernd Neumann den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) auf, jährlich flossen 60 Millionen Euro aus diesem Topf in Filmproduktionen – entscheidender Faktor für internationale Projekte. Allein im ersten Jahr des DFFF entstanden in Babelsberg zwölf Spielfilme. Mit einem Umsatz von 87,1 Millionen Euro wurde 2007 zum erfolgreichsten Studio-Jahr seit der Privatisierung. Das hat sich geändert. Der DFFF ist inzwischen auf 50 Millionen Euro geschrumpft – „Negativwerbung“ für Clooney und Co, so die Studio-Babelsberg-Chefs. Tatsächlich sprangen zwei internationale Produktionen ab, drehten in England und Kanada, wo die Filmfördertöpfe wesentlich üppiger sind. Ergebnis: Studio Babelsberg machte 2014 2,4 Millionen Euro Verlust. Dieses Jahr läuft es besser: Die fünfte Staffel der US-Agentenserie „Homeland“ entsteht ab Juni in den Studios, zum Actiondrama „The Lake“, produziert von Luc Besson, fiel kürzlich die erste Klappe. Und zum Jahresende hin soll in Babelsberg die erste Klappe für die ambitionierte Krimi-Serie „Babylon Berlin“ fallen – unter Tykwers Regie.

Für dieses Projekt will das Studio das hochmoderne Außenset „Neue Berliner Straße“ errichten. Die alte, wandlungsfähige Kulisse „Berliner Straße“ musste Ende 2013 abgerissen werden. Dort, wo beispielsweise Oscar-Preisträger Roman Polanski 2001 Szenen für sein Holocaust-Drama „Der Pianist“ drehte, sollen Einzelhandel, Gastronomie, Stadtvillen entstehen: Urbanes Leben fehlt bislang in der Medienstadt Babelsberg. Das 26 000 Quadratmeter große Areal verkaufte Friedhelm Schatz, geschäftsführender Gesellschafter des Filmparks Babelsberg, an einen Berliner Investor. Überhaupt, der Filmpark: Nicht selten wird der jährlich mehr als 300 000 Besucher ziehende Vergnügungspark an der Großbeerenstraße mit dem benachbarten Filmstudio verwechselt. Todsünde! Zum Merken: Im Studio Babelsberg stehen die Stars vor der Kamera, im Filmpark die amüsierwilligen Besucher im Mittelpunkt. Vom Mythos Babelsberg leben beide Unternehmen.

Von Ricarda Nowak

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