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Potsdamer Künstler mit Nachwuchspreis geehrt

Künstlerporträt Mathias Melchert Potsdamer Künstler mit Nachwuchspreis geehrt

Der Potsdamer Künstler Mathias Melchert ist überzeugt, dass sich alle Lebensereignisse künstlerisch aufarbeiten lassen, ein Leben ohne die Kunst kann sich der 39-Jährige schon lange nicht mehr vorstellen. Im Juli wurde er mit dem Nachwuchsförderpreises für Bildende Kunst vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur geehrt.

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Natur inspiriert Melchert: Sein Bild „Zwei Vögel“ entstand im Jahr 2010.

Quelle: Foto: Melchert

Potsdam. Schon als er noch ein kleiner Junge war, keimte in Mathias Melchert der Wunsch, Maler zu werden. Er habe sich schon immer gerne mit Linien und Farben ausgedrückt und als Jugendlicher Mal- und Zeichenkurse besucht, sagt er. Heute ist Mathias Melchert 39 Jahre alt und seit 2002 als freischaffender Maler und Grafiker tätig. Er lebt und arbeitet in Potsdam-Babelsberg.

„Ich arbeite zurzeit im heimischen Atelier“, sagt der großgewachsene Mann in beiger Leinenhose und schwarzem Langarm-shirt, als er den engen Flur voran in sein Arbeitszimmer geht. Der Raum ist ausgelegt mit Papierbahnen, ebenso der lange Arbeitstisch. So ist das Holz geschützt vor zahllosen überwiegend schwarzen Farbklecksen. Zwei Fenster geben dem Raum Tageslicht, davor eine Staffelei mit einem von Melcherts Werken. Ein weiteres Bild steht in der Ecke, sonst sind keine Dokumente seines Schaffens zu sehen. Auch künstlerisches Chaos sucht man hier vergebens – keine herumliegenden Pinsel oder offene Farbtuben.

„Falterflügel“ aus dem Jahr 2010

„Falterflügel“ aus dem Jahr 2010.

Quelle: Melchert

Mathias Melchert wirkt zurückhaltend, so wie auch viele seiner Werke. Wenn er mal leuchtende Farben einsetzt, dann meist in Kombination mit viel Schwarz. Melchert malt vorwiegend mit Acrylfarben und schnelltrocknenden Lacken, zeichnet außerdem mit Tusche. Wie bei der Zeichnung „Kleiner Stier 2“ wirkt die Linienführung für den Betrachter meist unsauber, das fertige Bild mutet eher wie eine Skizze an.

Reizvolles Spiel mit dem Unvorhersehbaren

„Ich verwende für meine Arbeit gerne schnelltrocknende Lacke, weil die nicht nur eine andere Konsistenz haben als Acrylfarben, sondern generell andere Eigenschaften – beispielsweise was ihren Glanz angeht“, sagt der Mann mit den kurzen hellen Haaren und Vollbart. Er benutze die Farben gerne stark verdünnt, sagt Melchert. Ihn reize das Spiel mit dem Unvorhersehbaren, wenn er auf den Verlauf der Farbe reagieren müsse.

Dank Erasmus nach Marseille

Mathias Melchert absolvierte von 1997 bis 2002 ein Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste in Berlin.

Während dieses Studiums erhielt er ein Erasmus-Stipendium, welches ihm einen Studienaufenthalt in der französischen Stadt Marseille ermöglichte. Die Impressionen dieser Reise seien für ihn noch heute ein Inspirationsfundus, sagt Melchert.

Im Vergleich zu deutschen Künstlern tragen die französischen Maler ihre Farben nuancierter auf, sagt Melchert. Insgesamt sei ihm aufgefallen, dass die Künstler dort eine andere Auffassung vom Umgang mit Farbe haben.

Es gebe aber durchaus auch Gemeinsamkeiten zwischen deutscher und französischer Kunst. So sei eindeutig erkennbar, dass die Werke einer europäischen Tradition entstammen und sich beispielsweise beim Bildaufbau ähneln.

Der Babelsberger Künstler vereint in seinen Werken malerische und grafische Elemente, arbeitet auf Papier, Leinwand und Holz. Er mag Abwechslung bei seiner Arbeit: „Ich arbeite gern mit verschiedenen Materialien“, sagt Melchert Außerdem gefalle ihm die unterschiedliche Struktur von Leinwand und Papier. Das eröffne verschiedene künstlerische Möglichkeiten. Mathias Melchert zeichnet vor allem Menschen, Tiere und Stillleben, nicht selten inspiriere ihn für seine Arbeit die Natur, sagt er.

Künstler lehrt an der Kunsthochschule

Wenn Melchert nicht an seinen eigenen Werken arbeitet, gibt er an der Kunsthochschule Potsdam einmal wöchentlich Mal- und Zeichenkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Motivation der Teilnehmer sei ganz unterschiedlich, erzählt er: „Manche wollen einfach nur künstlerisch tätig sein und sich in der Gruppe austauschen, andere wollen sich gerne professionell anleiten lassen.“

„Zwei Vögel“ von 2010

„Zwei Vögel“ von 2010.

Quelle: Melchert

Die Erfahrungen, die der 39-Jährige aus der Kunstschule mitbringt, können dann auch in seine eigenen Arbeiten einfließen. „Wobei das eher der Fall ist, wenn ich Kurse für Kinder gegeben habe“, sagt Melchert. Deren spontaner, offener und freier Umgang mit Kunst sei für ihn stets eine Inspiration.

Nachwuchsförderpreis mit insgesamt 6000 Euro dotiert

Mitte Juli hat der Babelsberger den Nachwuchsförderpreis für Bildende Kunst erhalten. Der Preis wird verliehen vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und ist dotiert mit einem Stipendium über sechs Monate in Höhe von 1000 Euro. Bewerben können sich Maler, Grafiker, Bildhauer und Objektkünstler, die im Land Brandenburg leben, arbeiten oder hier an künstlerischen Vorhaben beteiligt sind.

Die Bewerbung muss neben einigen bisherigen Arbeiten und einer Biografie des Künstlers auch ein Exposé zu einem geplanten Projekt enthalten, welches mit dem Stipendium umgesetzt werden soll. Er habe sich natürlich sehr über diese Anerkennung gefreut, sagt Melchert. „Das gibt mir Raum, mich verstärkt auf meine künstlerische Arbeit zu konzentrieren und die Möglichkeit, meine Arbeiten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen“, so der Künstler.

Großes und helles Atelier gewünscht

Was genau er mit dem Preisgeld vor hat, kann Mathias Melchert zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Aber: Für die Zukunft wünsche er sich auf jeden Fall wieder ein großes und helles Atelier, sagt Melchert. Nur den passenden Raum, der auch bezahlbar wäre, habe er noch nicht gefunden.

Ausstellung: Werke von Mathias Melchert werden vom 3. September bis 5. Oktober im Haus der Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam, Karl-Marx-Straße 2, ausgestellt. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Josephine Mühln

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